Verweigerter Elfmeter bringt Watzke in Rage

Nach Remis in Stuttgart

Es war die heikelste Szene eines spektakulären Fußballspiels: Cristian Molinaros hartes Einsteigen gegen BVB-Techniker Mario Götze im Strafraum des VfB Stuttgart. Referee Manuel Gräfe verweigerte den fälligen Elfmeterpfiff – und brachte so Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in Rage.

STUTTGART

von Von Matthias Dersch

, 30.10.2011, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fassungslos: Mario Götze konnte es nicht fassen, dass Schiedsrichter Manuel Gräfe nach dem harten Einsteigen von Cristian Molinaro auf Weiterspielen entschied.

Fassungslos: Mario Götze konnte es nicht fassen, dass Schiedsrichter Manuel Gräfe nach dem harten Einsteigen von Cristian Molinaro auf Weiterspielen entschied.

Gräfe habe gute Sicht gehabt, als Götze erst zwei Stuttgarter stehen ließ und dann vom heranrauschenden Molinaro unfair von den Beinen geholt wurde. Watzkes bitteres Fazit: „Ich weiß nicht, ob sie Mario erst das Bein abtreten müssen, bis er mal einen Elfmeter bekommt.“ Mehrere Stuttgarter seien nach der Partie in die Dortmunder Kabine gekommen und hätten ihr Glück in dieser Szene eingestanden, berichtete Mats Hummels vor der Abreise aus dem Schwabenland. „Doch der Schiedsrichter war wohl der Meinung, Mario sei zu früh abgehoben und habe den Strafstoß gesucht.“

Dass der ausgebliebene Pfiff Gräfes letztlich nur eine – aus Dortmunder Sicht äußerst ärgerliche – Fußnote blieb, lag am tollen Eindruck, den die 90 Minuten bei allen Beteiligten hinterließen. „Ich bin nassgeschwitzt, obwohl ich selbst keinen Meter mitgelaufen bin“, meinte Watzke, bevor er seinem Team ein Lob aussprach: „Wir sind körperlich gut beieinander. Die Mannschaft hat erneut alles aus sich herausgeholt. Es war ein tolles Spiel!“ Die Trainer schlossen sich Watzkes Meinung an. „Das war superintensiv“, meinte Jürgen Klopp. Und VfB-Trainer Bruno Labbadia outete sich gar als Fan des Gegners. „Es ist schön, den BVB beim Spielen zuzusehen. Sie investieren sehr viel“, erklärte der 45-Jährige. „Das gefällt mir.“

Wie sehr es dem Stuttgarter Coach gefällt, erkennt man, wenn man sich das System des VfB ansieht. Gegen Dortmund versuchten die Schwaben den Deutschen Meister mit seinen Mitteln zu bekämpfen. Die Grundordnung (4-2-3-1) war ebenso identisch wie der Wunsch, früh zu pressen und nach Ballgewinnen rasend schnell umzuschalten. Zwischen der 20. und 37. Minute klappte das exzellent, nicht nur, weil Stuttgart in dieser Phase in Führung ging. „Wir haben fußballerisch die beste Leistung in dieser Saison geboten“, urteilte Labbadia zufrieden. Was er verschwieg: In der Schlussphase der Partie brachen seine Kicker körperlich ein. Dortmund dagegen konnte sogar noch zulegen – und holte sich so trotz des verpassten Erfolges Selbstvertrauen für das Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus am Dienstag.

Einen direkten Quervergleich wollte kein Borusse nach der Partie in Stuttgart ziehen. Zu frisch sind noch die Eindrücke aus Marseille (0:3) und Piräus (1:3), die dem BVB vor Augen führten, dass das Niveau auf dieser Ebene ein anderes als in der Bundesliga ist. „Uns erwartet ein ganz anderer Wettbewerb, ein ganzes anderes Spiel“, warnte daher Watzke, der dennoch optimistische Schlüsse aus den 90 Minuten am Samstag zog: „Wir sind gerüstet.“

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