Viele Fragezeichen: Der BVB wartet auf neue Signale aus der Politik

mlzBorussia Dortmund

Der BVB trainiert weiter in Kleingruppen, die Abläufe bleiben unverändert. Die Frage ist, wann und wie es in der Bundesliga weitergehen kann - und wie die Vorbereitung aussehen würde.

Dortmund

, 17.04.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wirkliche Gewissheit haben die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern vom vergangenen Mittwoch für Borussia Dortmund nur in einem Punkt gebracht: Die Bundesliga wird noch länger pausieren als bislang öffentlich bekannt gegeben. Denn laut eines Mitglieder-Beschlusses der Deutschen Fußball Liga (DFL) vom 31. März ruht der Ball im deutschen Fußball-Oberhaus zunächst einmal bis zum 30. April.

Coronavirus: Am ersten Mai-Wochenende wird der BVB kein Fußball spielen

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Dieser Beschluss hat offiziell immer noch Bestand, allerdings ist seit der Verlängerung der Kontaktsperre in Deutschland bis einschließlich 3. Mai ziemlich klar, dass der DFL-Wunsch, am ersten Mai-Wochenende wieder Bundesliga-Fußball stattfinden zu lassen, nicht in Erfüllung gehen wird – auch nicht in Form von Geisterspielen.

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Frühestens am Wochenende um den 9. Mai wird es, wenn überhaupt, weitergehen können. Noch ist darüber auf politischer Ebene allerdings nicht diskutiert worden, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erklärte. Erst in zwei Wochen, wenn die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Bundesländer die Corona-Maßnahmen in Deutschland neu bewerten, dürfte das Thema Bundesliga-Fußball auf die politische Agenda rücken.

BVB wird in naher Zukunft nur Geisterspiele austragen

Das hat bei Borussia Dortmund niemanden wirklich überrascht, genauso wenig wie die Tatsache, dass bereits sämtliche Großveranstaltungen bis zum 31. August abgesagt wurden. Es geht in näherer Zukunft ohnehin nur noch um die Austragung von Geisterspielen, das ist längst allen Spielern und Verantwortlichen klar. Immerhin sagte Söder am Donnerstag: „Wir werden in den nächsten Wochen gemeinschaftlich diskutieren, ob Geisterspiele möglich sind. Ich halte es aber zumindest für denkbar.“

Deutlich dringlicher ist für den BVB aktuell noch die Frage, wann die Intensität der Trainingsarbeit weiter gesteigert werden darf, um sich bestmöglich für einen Bundesliga-Neustart zu wappnen. Aktuell trainiert die Mannschaft von Trainer Lucien Favre in mehreren Kleingruppen, geregeltes Mannschaftstraining oder Spielformen mit Zweikämpfen sind nicht erlaubt – und dabei wird es auch erst einmal bleiben. Die Abläufe der vergangenen Tage werden nicht verändert, bis es vielleicht eine Ausnahmeregelung gibt. Es komme darauf an, heißt es beim BVB, geduldig zu bleiben und sich hinten anzustellen. Es gebe derzeit eben wichtigere Probleme zu lösen.

BVB kann sich kaum vorbereiten im Training

Daher stehen momentan lediglich Athletik-, Pass-, Flanken- und Torschussübungen auf dem Programm, viele kleine Wettkämpfe, um die Spieler bei Laune zu halten, aber alles ohne Gegenspieler-Kontakt. Ob diese Vorgaben durch die Politik für Profifußballer, die auf dem Rasen ihrem Beruf nachgehen, vor dem 4. Mai gelockert werden, ist aktuell noch unklar.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet möchte laut eigener Aussage „hin zu einer verantwortungsvollen Normalität“. Der BVB trainiert zunächst einmal weiter auf Sicht. Es gilt, auf alle möglichen Szenarien der Liga-Fortsetzung bestmöglich vorbereitet zu sein, auch wenn eine konkrete Planung während der Corona-Pandemie unmöglich ist.

DFL könnte bald für mehr Klarheit sorgen

Etwas mehr Klarheit könnte ab kommendem Donnerstag (23. April) herrschen. Dann schalten sich die 36 Klubs der ersten und zweiten Liga zur nächsten außerordentlichen DFL-Mitgliederversammlung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

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Fakt ist: Falls am 9. Mai wieder Bundesliga-Fußball gespielt werden soll, müsste die Kontaktsperre, die bis zum 3. Mai verordnet ist, für die Trainingsarbeit von Profifußballern vermutlich vorab gelockert werden, um vollständiges Mannschaftstraining früher zu ermöglichen. Ansonsten bliebe den Klubs ab dem 4. Mai nur eine volle Trainingswoche, um sich auf den Neustart nach einer dann achtwöchigen Bundesliga-Unterbrechung vorzubereiten. Zwei Wochen, so heißt es beim BVB hinter vorgehaltener Hand, müssten es eigentlich schon sein, um die Verletzungsgefahr für die Spieler nicht zu groß werden zu lassen.

Geisterspiele wegen Coronavirus: BVB-Spielplan verschiebt sich

Die Alternative wäre, die Fortsetzung des Spielbetriebs einmal mehr weiter nach hinten zu verschieben, vielleicht auf den 16. Mai. Allerdings säße der 30. Juni, der Stichtag, an dem im Fußball viele Verträge auslaufen, den Klubs und der Liga dann zunehmend im Nacken. Neun Spieltage stehen noch aus, und der Zeitdruck für die DFL sowie die finanziellen Ängste der Klubs werden von Woche zu Woche größer.

Ebenfalls noch nicht klar ist, mit welchem Spieltag die Liga fortgesetzt wird, wenn es wieder losgehen kann. Es gibt Überlegungen, das ist nach Informationen dieser Redaktion die wahrscheinlichere Variante, mit dem 26. Spieltag fortzufahren, also aus BVB-Sicht mit dem Derby gegen den FC Schalke 04.

Derby direkt zu Beginn des Neustarts?

Es gibt allerdings auch die Überlegung, ab dem 9. Mai – sofern der Termin haltbar ist – zunächst mit dem 33. Spieltag und 34. Spieltag weiterzumachen und danach die ausgefallenen Spiele nachzuholen. Das liegt auch daran, dass man bei der DFL in einem „Geisterderby“ gleich zu Beginn der Wiederaufnahme des Ligabetriebs eine besondere Gefahr sieht, dass sich größere Fan-Ansammlungen wie beim Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am 11. März wiederholen könnten – und die Diskussion über die Vertretbarkeit einer Liga-Fortsetzung während der Corona-Pandemie zusätzlich befeuert würde.

So oder so würde auf Borussia Dortmund gleich ein besonderes Spiel warten. Entweder ginge es gegen Schalke 04 oder es würde prompt ein Spitzenspiel beim Tabellendritten RB Leipzig warten. Vielleicht hilft das ja, um die Konzentration trotz all der aktuellen Ungewissheit im Training hochzuhalten. Zumindest bei den Übungsformen, die aktuell erlaubt sind.

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