Vom Helden zum Pechvogel in 117 Sekunden

Fürths Torwart Fejzic

Jürgen Klopp ballte die Fäuste, zeigte dann in Richtung Fürther Bank und machte das Auswechselzeichen: In den Jubel über den Last-Minute-Halbfinalsieg mischte sich beim BVB-Trainer auch eine gehörige Portion Schadenfreude. Der Grund: Ein überraschender Torwart-Wechsel, der ziemlich daneben ging.

FÜRTH

von Von Matthias Dersch

, 22.03.2012, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir haben im Training gesehen, dass ich ein gutes Auge für Elfmeter habe“, klärte Fejzic später auf. „Doch leider kam es ja nicht mehr dazu.“ Denn aus dem potentiellen Pokaltriumphator war ein tragischer Held geworden. Gleich der erste Torschuss, der auf seinen Kasten flog, schlug hinter ihm ein. Grün war in 478 Pokalminuten ohne Gegentor geblieben. Fejzic stand gerade einmal 117 Sekunden auf dem Feld, da zappelte der Ball schon im Netz. „Torwartwechsel, Torwartwechsel, hey, hey!“, skandierten die Dortmunder nach der Partie in der Kabine lautstark – und brachten damit Fürths Manager Rachid Azzouzi auf die Palme. Unsportlich fand der frühere Profi das Verhalten und lieferte sich ein Wortgefecht mit den ausgelassen feiernden Borussen, die schon fröhlich zum nächsten Lied – dem Klassiker „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ – übergegangen waren.

Nach der abkühlenden Dusche beteuerten die BVB-Profis, mit Fejzic ein Stück mitzuleiden. „Mir tut es unheimlich leid für ihn“, meinte sein Gegenüber Roman Weidenfeller, „das hat er nicht verdient“. Für Sven Bender war es eine der typischen Geschichten des Wettbewerbs. „So etwas kann eigentlich niemand erklären, aber im Pokal passiert es trotzdem.“ Einen Vorwurf machte Fejzic niemand, auch die Kritik an Büskens hielt sich in Grenzen. Warum auch: Bei Ilkay Gündogans Schuss hatte die „Krake“, wie Fejzic aufgrund seiner beachtlichen Arm-Spannweite genannt wird, eigentlich alles richtig gemacht. Das Problem war eben nur, dass der Ball an den Pfosten sprang und nicht vorbeiging. Es war eine Szene, wie sie höchstens einmal in 100 Fällen passiert. Und so rächte sich das taktische Manöver, das sich Büskens als psychologischen Kniff ausgedacht hatte, grandios. Es dürfte ihn mehr Zeit als 120 Minuten kosten, seinen Ersatzkeeper wieder aufzubauen. Gut, dass am Wochenende wieder die Liga auf die Fürther wartet. Dort gibt es garantiert kein Elfmeterschießen …

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