Auf dem Weg zum Führungsspieler beim BVB: Mahmoud Dahoud. © Inderlied / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Vom Mitläufer zum Führungsspieler: Die BVB-Wandlung des Mahmoud Dahoud

Die Ehe zwischen Mahmoud Dahoud und dem BVB schien zum Scheitern verurteilt. Doch zuletzt hat der Mittelfeldspieler eine wundersame Wandlung durchgemacht - und ist auf dem Weg zum Führungsspieler.

Im Mannschaftskreis der Borussia soll der kürzlich aufgenommene Podcast des BVB mit Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud für große Erheiterung gesorgt haben. Dahoud hat dort die Verlängerung seines Vertrags verkündet, fast schon eine Liebeserklärung an seinen Verein war das. Er hat aber vor allem „frei von der Leber weg“ erzählt. So, wie es eben seine Art ist. Das sorgte für einige Lacher, auch Trainer Marco Rose hat am Donnerstag darüber gesprochen, „gern mit und über Mo“ zu lachen. Dahoud, hat Rose gesagt, sei „einfach ein guter Typ“, der diesem Kader guttun würde.

Mahmoud Dahoud gelingt beim BVB der verspätete Durchbruch

Noch wichtiger für Rose ist freilich, ob und in welchem Maße Dahoud der Mannschaft spielerische Impulse liefern kann. Die vergangene Saison war sozusagen die des späten Durchbruchs beim mittlerweile 25-jährigen Deutsch-Syrer. Darauf gewettet hätte wohl niemand, eher drohte seine Verpflichtung als ein großes Missverständnis und unerfülltes Versprechen irgendwann zu den Akten gelegt zu werden.

Lang genug hat es gedauert, denn es war bereits die vierte Saison im BVB-Trikot nach seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach im Sommer 2017. Warum das so war, würde seine bisherigen Trainer ins Erzählen bringen. Sie würden unzweifelhaft herausstreichen, dass er über ein riesiges Potenzial verfügt. Sie würden aber auch darüber sprechen müssen, wie sich Mahmoud Dahoud oftmals selbst im Weg gestanden hat. Falsche Entscheidungen, oftmals ein zu riskanter Ansatz, taktische Unzulänglichkeiten – Dahoud tat sich schwer beim BVB, und wenn es im Dezember nicht den Trainerwechsel und im Januar einen Streit (und ein klärendes Gespräch) mit dem Favre-Nachfolger Edin Terzic gegeben hätte, wäre „Mo“ heute wohl nicht mehr da – oder stünde zumindest auf der Liste der Spieler, von denen sich Borussia Dortmund gern trennen würde.

BVB-Mittelfeldspieler Dahoud hat seinen Marktwert verdoppelt

Sein deutlich gestiegener Stellenwert im Team macht sich auch an einer interessanten Zahl fest: Seit Anfang Februar hat Dahoud seinen aktuellen Marktwert nach einer Schätzung des anerkannten Branchenportals „Transfermarkt.de“ nahezu verdoppelt. Die 16 Millionen Euro, die dort aktuell gelistet sind, entsprechen dabei der Marke, die er inne hatte, als er nach einem überzeugenden Jahr in Gladbach 2017 zum BVB wechselte.

Mahmoud Dahoud hat beim BVB an Zweikampfhärte zugelegt. © imago / Eibner © imago / Eibner

Dahoud ist das beste Beispiel, wie merkwürdig und unverhofft sich Dinge manchmal verändern im Profifußball. Seine Vertragsverlängerung bis 2023 ist der Beleg dafür – und nun winkt ihm sogar eine Anführer-Rolle in einem Kader, in dem es eigentlich vor Anführern nur so wimmeln müsste. „Wenn er anführen möchte“, hat sein Trainer am Donnerstag vor dem Pokalspiel beim SV Wehen Wiesbaden gesagt, „darf er gerne anführen.“ Die Fähigkeiten habe er, meint Marco Rose, und nach einer Halbserie, in der er sich unter Terzic vehement in den Vordergrund spielte, verfügt Mahmoud Dahoud mittlerweile auch über das notwendige Selbstvertrauen.

Mahmoud Dahoud hat sein Spiel beim BVB umgestellt

Genau das fehlte über weite Strecken der bisherigen Beziehung zwischen dem sensiblen Ballstreichler und der Borussia. Mittlerweile hat Dahoud eine deutlich bessere Balance zwischen Risiko und Sicherheit, er hat sein Spiel aber auch in anderen Punkten umgestellt: Der geniale Techniker hat auch gelernt, richtig dazwischenzugehen. Über gewonnene Zweikämpfe holt er sich das Selbstvertrauen, das er für die spielerischen Akzente braucht, die Mahmoud Dahoud ja auch immer setzen möchte.

Die erarbeitete Aggressivität gegen den Ball hat Dahoud auch für eine Position interessant gemacht, die ansonsten eher einer anderen Fraktion vorbehalten war. Als Sechser hat er in der Vergangenheit eher selten gespielt, in dieser Vorbereitung aber nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Seine Ballfertigkeit, gepaart mit einer Unnachgiebigkeit bei der Jagd nach dem Ball, die auffällig ist, haben beeindruckt.

Dahoud muss sein Potenzial beim BVB weiterhin auf den Platz bringen

Es ist die ideale Kombination – und auch die ideale Position, um diese Mannschaft als Führungsspieler voranzubringen. „Über Leistung verschafft man sich Autorität“, hat Marco Rose am Donnerstag noch in Bezug auf Mahmoud Dahoud gesagt. Die Voraussetzungen, um in dieser mit Stars gespickten Mannschaft herauszustechen, besitze er. Nun muss Dahoud das Potenzial nur noch auf den Platz bringen. Die bisherige Vorbereitung hat die Hoffnung, dass sein Aufwärtstrend des letzten halben Jahres nachhaltig ist, noch weiter gesteigert.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe

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