Von Null auf 100 beim BVB - Delaney muss sofort wieder funktionieren

mlzBorussia Dortmund

Thomas Delaney steht vor einem Kaltstart. Gegen den FC Schalke 04 muss der BVB-Sechser sofort funktionieren. Für ihn könnte das Derby aber auch gerade zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Dortmund

, 15.05.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Warum er die Dortmunder Kriegskasse so weit geöffnet hatte, erklärte Michael Zorc gern. „Er ist ein physisch und charakterlich starker Spieler, der mit seiner offenen Art und seinem ausgeprägten Siegeswillen hervorragend in unsere Mannschaft passt“, sagte der Sportdirektor des BVB mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

Im Juni vor zwei Jahren fielen diese Worte, und sie galten Thomas Delaney. Kurz zuvor hatte Zorc einen Privatjet in die Nähe des WM-Camps der dänischen Nationalelf beordert, Delaney dort einsteigen und nach Dortmund fliegen lassen. Als der Medizincheck erfolgreich absolviert war und die Borussia stolze 20 Millionen Euro für den SV Werder auf den Tisch gelegt hatte, war der Wechsel perfekt. Delaney war also flugs vom Bremer zum Dortmunder mutiert und flog zurück zur WM.

BVB-Profi Thomas Delaney: zweikampfstark, fleißig und lauffreudig

Dortmund hatte ihn sich also geangelt, einen der zweikampfstärksten, fleißigsten und lauffreudigsten Profis der Fußball-Bundesliga. Zum Herzstück des BVB-Mittelfelds sollte Thomas Delaney schnell reifen, so hieß die Hoffnung, er sollte Führungsqualitäten einbringen und eine gehörige Portion Gier ins Team tragen. Und genau das tat er.

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Auf Anhieb avancierte der Mittelfeld-Stratege zum unumstrittenen Leistungsträger, bestritt in seinem ersten Jahr im BVB-Trikot 30 Ligaspiele, schoss drei Tore, legte sechs Treffer auf. Mindestens genauso wichtig: Er stopfte Lücken, bremste generische Vorstöße per exakt angesetzter Grätsche aus und ging furchtlos dahin, wo es nicht selten wehtut. Neben Axel Witsel erfüllte Delaney in der Dortmunder Schaltzentrale alle Hoffnungen.

Delaney fand sich auf der BVB-Bank wieder

Doch diese vermeintliche Liebesgeschichte, sie schrieb kein schönes zweites Kapitel. Der BVB rüstete im Sommer 2019 gerade im Mittelfeld mächtig auf, und plötzlich war Dauerbrenner Delaney nicht mehr erste Wahl. Nur sechsmal durfte er in der Liga mitwirken, fünfmal hockte er für jeweils 90 Minuten auf der Ersatzbank. „Natürlich war ich etwas überrascht. Vielleicht war es sogar unangenehm. Aber ich weiß, was ich kann und ich vertraue darauf, dass der Trainer es auch weiß“, gab er sich kämpferisch. Natürlich tat er das, ganz delaneylike eben.

Doch dann, im November, kam der Schock. Im Länderspiel seiner Dänen gegen Irland erlitt er einen doppelten Bänderriss. Zwei Monate Zwangspause. Dann der Rückschlag, als er sich gerade wieder herangearbeitet hatte: Ein Schlag aufs Knie im Wintertrainingslager, der Meniskus und eine Sehne im Knie waren lädiert, wieder Lazarett statt Trainingsplatz.

Thomas Delaney und der lange Weg zurück

Sechs quälend lange Monate durfte Delaney nun schon nicht mehr mitspielen. Irgendwie logisch, dass ein Profi nach einer solch langen Leidenszeit erst einmal behutsam integriert werden müsste. Dass er trotz körperlicher Fitness dosiert eingesetzt wird, um die intensiven Belastungen besser steuern zu können. Um das Timing für Zweikämpfe erst einmal wieder zu bekommen. Das aber kann sich Borussia Dortmund gerade überhaupt nicht leisten. Und so wird es für Thomas Delaney am Samstag gegen Schalke (15.30 Uhr/live im TV) heißen: Von null auf 100. Startelf, direkt an den Hebeln der Schaltstation im schwarzgelben Mittelfeld. Direkt eine der Schlüsselfiguren im Derby. Eine Herkulesaufgabe.

Nötig macht diesen riskanten Kaltstart die angespannte Personallage des BVB. Axel Witsel und Emre Can, die eigentlich im Zentrum gesetzt wären, fallen verletzt aus. Auch Antreiber Marco Reus ist nicht dabei. Und so laufen bei Delaney direkt wieder die Fäden zusammen: Defensiv die Lücken stopfen, den Ball erobern, dynamisch nach vorn treiben und den Passverteiler geben. Nicht gerade ein Kinderspiel für einen zwar erfahrenen Recken, der aber neben einer langen Pause auch nur wenige Tage Mannschaftstraining zur Verfügung hatte, um sich mit den Kollegen abzustimmen. Mit Julian Brandt, der gegen Schalke wohl sein offensiver Nebenmann sein wird, hat Delaney bislang noch kein einziges Mal gemeinsam auf der Doppelsechs agiert.

Wird Thomas Delaney der BVB-Derbyheld?

Soviel zur problematischen Seite der Lage. Da gibt es aber noch die andere Seite. Und die lässt durchaus hoffen, dass dieser Moment, dieses Derby, wie geschaffen sein wird für Thomas Delaney. „Wenn ich gebraucht werde, dann bin ich voll da und bringe meine Leistung“, hatte der 28-Jährige bereits bei seiner Versetzung auf die Ersatzbank zu Saisonbeginn mitgeteilt. Und jetzt wird er dringend gebraucht. Sein Kampfgeist, seine Leidenschaft. Er kann allen zeigen, dass er in diese Elf gehört. Und er weiß schließlich, wie man sich zum Derbyhelden macht.

Im Dezember 2018 hat er es schon einmal getan. Er besorgte das 1:0 gegen Schalke. Sein erstes Liga-Tor für den BVB, der Wegbereiter für den 2:1-Auswärtssieg. Und wenn einer kein Problem damit haben dürfte, dass das Adrenalin diesmal nicht von den Rängen herunterströmen kann, sondern sich jeder Spieler mehr denn je aus Eigenantrieb in die Geisterpartie beißen muss, dann er, das dänische Dynamit.

Delaney scheint bereit für Comeback gegen Schalke

Äußerlich zumindest scheint Delaney bereit für das besondere Comeback am Samstag gegen den Erzrivalen. „Man kann ihm die Freude ansehen, dass er endlich wieder im vollen Trainingsbetrieb und blessurenfrei ist. Thomas macht einen richtig guten Eindruck“, schilderte BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor wenigen Tagen. Das Derby wird jetzt zeigen müssen, ob es wirklich schon reicht für eine tragende Rolle auf der großen Bühne.

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