Adi Preißler wurde mit dem BVB 1956 und 1957 Deutscher Meister. © Repro Kolbe
Borussia Dortmund

Vor 100 Jahren: BVB-Legende Adi Preißler erblickt das Licht der Welt

BVB-Rekordtorschütze und langjähriger Kapitän: Adi Preißler gehört zu den größten Spielern der Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund. Am heutigen Freitag hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

„Adi Preißler war der intelligenteste Fußballer, mit dem ich in meiner gesamten Trainerlaufbahn zusammengearbeitet habe.“ Dieser Satz von Ferdinand Fabra, 1947 der erste Meistertrainer des BVB, ist wie ein Ritterschlag und adelt den Spielgestalter der Borussia aus den 1940er- und 1950er-Jahren. Denn Alfred „Adi“ Preißler, der am 9. April 1921 – also vor genau 100 Jahren – in Duisburg geboren wurde, war fraglos sehr gebildet und in Kombination damit ein Kicker von außergewöhnlicher Spielintelligenz.

Adi Preißler und der BVB: eine Verbindung mit Tiefgang

Er zitierte gern und gekonnt aus Goethes „Faust.“ Dieser „Klassiker aller Klassiker“ hat ihn auch zu seiner unsterblichen Fußball-Weisheit inspiriert, indem er aus dem Wort: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie – und grün des Lebens goldner Baum“ plakativ, pfiffig und griffig „Grau is‘ alle Theorie, entscheidend is‘ auf’m Platz“ machte.

Adi Preißler und Borussia Dortmund, das war eine sportliche und menschliche Verbindung mit Tiefgang. Beim BVB wurde der Mann mit der „ewig“ hohen Stirn, der 1946 nach einer kurzen Episode beim SuS Kaiserau zum Borsigplatz kam, gemeinsam mit Max Michallek der erfolgreichste Fußballer der gesamten Oberliga West (1947 bis 1963) mit sechs Westdeutschen und zwei Deutschen Meisterschaften. Hinzu kommen die DM-Endspiele 1949 mit dem BVB und 1951 mit Preußen Münster, wohin es Preißler von 1950 bis 1952 („aus finanziellen Gründen“) verschlagen hatte. Danach kickte der Nationalspieler bis 1959 wieder für „seinen“ BVB.

Der BVB verteidigt mit der identischen Mannschaft den Titel

Hier wurde er Mannschaftskapitän, durfte als erster Borusse überhaupt die Meisterschale aus den Händen von DFB-Päsident Dr. Peco Bauwens in Empfang nehmen und bestritt mit dem BVB natürlich auch die ersten Europapokalspiele gegen Spora Luxemburg und Manchester United. Gemeinsam mit seinen Meister-Kollegen, denen er sportlich und freundschaftlich verbunden war, wurde er 1958 als „Mannschaft des Jahres,“ der ersten der Sportgeschichte, geehrt. Jeder junge Straßenkicker konnte damals im Schlaf die Namen der berühmten Elf aufsagen, die 1956 und 1957 in identischer Aufstellung Deutscher Meister geworden war – eine sporthistorische Einmaligkeit: Kwiatkowski, Burgsmüller, Sandmann, Schlebrowski, Michallek, Bracht, Peters, Preißler, Kelbassa, Niepieklo und Kapitulski.

Adi Preißler (l.) und Borussia Dortmund: eine Verbindung mit Tiefgang. © Repro Kolbe © Repro Kolbe

Adi Preißler wurde am 9. April 1921 in Duisburg geboren, wo er sich auch seine ersten Sporen als Kicker verdiente. 1946, nach der Kriegszeit, kam er „der Liebe wegen“ nach Dortmund und ließ sich in Husen nieder, um dann beim BVB durchzustarten.

Von den „drei Alfredos“ des BVB schwärmte man in ganz Europa

Zunächst Mittelstürmer und Rechtsaußen, wurde er zum unvergesslichen Spielmacher. Er konnte eine Partie perfekt lesen und gestalten, präzise Bälle in jede nur denkbare Schnittstelle spielen, herrliche Flanken und Ecken schlagen und war als Elfmeterschütze gefürchtet. Gemeinsam mit seinen Freunden Fred Kelbassa und Alfred Niepieklo bildete er den legendären Innensturm „Die drei Alfredos,“ von denen man in ganz Europa schwärmte. Und torgefährlich waren sie. Jeder von ihnen erzielte pro Saison 15 bis 20 Treffer, sodass die gegnerischen Abwehrformationen oft von einer Ohnmacht in die andere fielen, weil sie nicht wussten, wen sie nun eigentlich decken sollten.

Adi Preißler war der Kopf und das Herz einer überragenden Mannschaft. Er gab als Dirigent Takt und Rhythmus des Spiels vor und bestimmte die Gangart – das „Orchester BVB“ spielte meistens flott in Dur und nur selten getragen in Moll.

BVB-Regisseur Preißler mit nur zwei Einsätzen in der Nationalmannschaft

Der BVB-Regisseur kam trotz seiner unbestreitbaren fußballerischen Fähigkeiten nur auf zwei Einsätze in der Nationalmannschaft. Die Gründe: Sepp Herberger, so Preißler, mochte die Jungs aus dem Fußballwesten nicht so sehr. Er bevorzugte mehr seine „Pfälzer Buben“. Und dann gab es da noch einen gewissen Fritz Walter, der genau Adi Preißlers Position spielte und bei Herberger unverrückbar den Status des ewigen Spielmachers genoss.

Die unsterbliche Fußball-Weisheit des Adi Preißler ist allgegenwärtig. © imago / Friedrich Stark © imago / Friedrich Stark

Unabhängig davon war die Karriere des Adi Preißler, dem auch als Torschütze kaum jemand das Wasser reichen konnte, außergewöhnlich erfolgreich. Allein für den BVB erzielte er in seinen 238 Spielen der Oberliga West 149 Tore. Hinzu kommen 14 Treffer in 21 Endrundenspiele um die „Deutsche“. Nach Weltmeister Hans Schäfer und Fred Kelbassa ist er die ewige Nummer drei der erfolgreichsten Goalgetter der Oberliga West.

Mit RW Oberhausen gelingt Preißler der Bundesliga-Aufstieg

Im Anschluss an seine Spieler-Karriere wurde der 2003 verstorbene Adi Preißler Trainer beim FK Pirmasens, bei Borussia Neunkirchen und Rot-Weiß Oberhausen, mit denen er 1969 in die Bundesliga aufstieg. In Erinnerung bleiben wird er allen Fußballfreunden allerdings als unsterbliche BVB-Legende.

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