Warum BVB-Stürmer Paco Alcacer auch als Startelfspieler trifft – ein Problem für Mario Götze

mlzBorussia Dortmund

Paco Alcacer arbeitet daran, seinen Ruf als Edeljoker loszuwerden. Der Spanier ist obenauf – für Mario Götze beginnt die neue Saison ähnlich frustrierend wie die vergangene Spielzeit beim BVB.

Dortmund

, 20.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Quote stimmt schon wieder. Oder mal wieder. Viermal hat Paco Alcacer in den ersten drei Pflichtspielen für Borussia Dortmund getroffen. Und doch ist es irgendwie anders als vor einem Jahr. Alcacer schießt andauernd Bälle ins gegnerische Tor, das kennt man schon aus der vergangenen Hinrunde, als er fast genauso viele Bundesliga-Rekorde pulverisierte, wie er Tore erzielte.

Zwölf Tore in der Hinrunde

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Zwölf Treffer bejubelte der Spanier vor der Winterpause in der Liga, obwohl er meistens nur eingewechselt wurde, zwölf Treffer markierte er in 502 Minuten, im Schnitt alle 42 Minuten verlasen die Stadionsprecher der Bundesliga in der vergangenen Hinrunde seinen Namen, weil es ein Alcacer-Tor zu vermelden gab.

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Der 25-Jährige präsentierte sich treffsicherer als Bogenschützen bei den Olympischen Spielen. Am Ende der Spielzeit standen wettbewerbsübergreifend 19 Tore in 32 Pflichtspielen in Alcacers Saisonbilanz, 18 Mal knipste er in der Liga, einmal in der Champions League. Das war, auch wenn der spanische Nationalspieler die Quote der Hinrunde nicht halten konnte, ein sehr guter Wert. In der Bundesliga traf nur Robert Lewandowski vom FC Bayern München häufiger und sicherte sich mit 22 Saisontoren die Torjägerkanone.

Fitnesswerte mit denen der Vorsaison nicht vergleichbar

Doch bei aller Treffsicherheit gab Alcacer in der vergangenen Saison auch Rätsel auf. Seine Fitnesswerte zu Beginn seiner Zeit beim BVB entsprachen eher denen von höherklassigen Amateurfußballern nach der Saisonabschlussfahrt als denen eines Bundesliga-Profis mitten in der Saison, seine Muskulatur hielt den Belastungen während der Englischen Wochen im Herbst nicht stand, sein Körper stieß immer wieder vor Grenzen wie Mexikaner bei der USA-Einreise.

Warum BVB-Stürmer Paco Alcacer auch als Startelfspieler trifft – ein Problem für Mario Götze

Gegen Augsburg erzielte Paco Alcacer zwei Treffer. Hier bejubelt der Spanier das Tor zum 4:1. © imago

„Ich war letzte Saison oft angeschlagen und konnte keine zwei, drei Spiele nacheinander auf dem Platz stehen“, sagte Alcacer am vergangenen Freitag beim vereinseigenen TV-Sender des BVB. „Ich konnte immer nur einige Minuten auf dem Platz stehen. Dann ist es schwierig, einen guten Rhythmus zu finden.“

Alcacer absolvierte bislang alle Pflichtspiele über 90 Minuten

Das soll und muss zukünftig besser werden, und die jüngsten Eindrücke geben Grund zu der Annahme, dass es auch gelingen wird. „Diese Vorbereitung konnte ich komplett absolvieren. Das ist ein Vorteil für mich“, sagt Alcacer. Und Sportdirektor Michael Zorc sagt: „Er ist jetzt auf jeden Fall körperlich viel fitter. Ihm macht es nichts mehr aus, über 90 Minuten zu spielen.“ Tatsächlich stand Alcacer in allen drei Pflichtspielen dieser Saison über die volle Distanz auf dem Feld, eingewechselt wurden andere, ausgewechselt auch.

Getroffen hat er trotzdem immer, einmal im Supercup gegen die Bayern, einmal im Pokal gegen Uerdingen und zweimal beim Ligastart gegen den FC Augsburg. „Damit hat er auch mit der Mär aufgeräumt, er könne nur als Joker Tore erzielen“, meint Zorc, der dank Alcacers Treffsicherheit deutlich weniger Fragen nach einem möglichen neuen BVB-Stürmer beantworten muss als noch vor ein paar Wochen.

Götze stand nur 23 Minuten auf dem Rasen

Dafür werden sich die Fragen nach Mario Götze in der näheren Zukunft vermutlich wieder häufen. Nicht nur wegen seines auslaufenden Vertrages, sondern auch, weil die Stürmerfrage beim BVB erst einmal beantwortet scheint. Des einen Freud ist nun mal bekanntlich häufig des anderen Leid.

Warum BVB-Stürmer Paco Alcacer auch als Startelfspieler trifft – ein Problem für Mario Götze

Ein vertrautes Bild aus der Vorsaison: Paco Alcacer kommt für Mario Götze ins Spiel. In diesem Jahr ist der Spanier von Beginn an gesetzt - und deutlich fitter. © imago

Während Alcacer es in den ersten drei Pflichtspielen auf 270 Minuten Einsatzzeit brachte, stand Götze nur 23 Minuten auf dem Rasen – 90 Minuten Ersatzbank im Supercup, elf Minuten im Pokal, zwölf Minuten beim Bundesliga-Auftakt, als das Spiel längst entschieden war. Für den 27 Jahre alten Offensivallrounder beginnt die neue Saison ähnlich frustrierend wie die vergangene Spielzeit.

Alcacer ist für mehr bereit als nur Joker-Einsätze

Götze wird einmal mehr Geduld aufbringen müssen. Vor einem Jahr wendete sich das Blatt für ihn zum Guten, vor allem in der Rückrunde war Götze eine wichtige Säule im BVB-Spiel, kam in 19 von 20 Pflichtspielen zum Einsatz, 17-mal davon von Beginn an, erzielte sechs Tore und bereitete vier Treffer vor. Allerdings teilte er sich über weite Strecken der Spielzeit mit Alcacer die Position im Sturmzentrum.

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Jobsharing, also Arbeitsplatzteilung, wird so etwas heutzutage in der Wirtschaft genannt. Genau dieser Fakt könnte für Götze nun zum Problem werden, denn erstens scheint Alcacer mittlerweile körperlich für mehr als nur Joker-Einsätze bereit zu sein. Zweitens gibt es in Thorgan Hazard, den BVB-Trainer Lucien Favre in der Vorbereitung auffallend häufig auf der Stürmerposition testete, einen zusätzlichen Konkurrenten im Angriff.

Auch im Mittelfeld hat Götze viel Konkurrenz

Und drittens ist die Tatsache nicht sonderlich hilfreich, dass sich auch im Mittelfeld, Götzes eigentlicher Lieblingsposition, die Konkurrenzsituation weiter verschärft hat. Nicht zuletzt durch die Verpflichtung Julian Brandts, der am vergangenen Samstag gegen Augsburg nach seiner Einwechslung gleich mit einem Tor auf sich aufmerksam machte.

Es gehe um den „sportlichen Wert“, den jeder Spieler für einen Klub besitze, betont Götze gerne, wenn es um seinen auslaufenden Vertrag in Dortmund geht und verweist auf seine guten Leistungen in der Rückrunde. Gerade bei der Frage nach dem zukünftigen Gehalt lagen Spieler und Verein in den ersten Sondierungsgesprächen über einen neuen Kontrakt beim BVB daher mindestens eine gute Autostunde auseinander.

Watzke gibt Götze „ein bisschen mehr Zeit“

Nach den ersten drei Pflichtspielen lässt sich die Frage nach dem sportlichen Wert nicht zu Götzes Vorteil beantworten. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte unlängst gegenüber dieser Redaktion: „Mario will erst einmal herausfinden, wie sein sportlicher Stellenwert in der neuen Saison ist und wie viele Spielanteile er bekommt bei der großen Konkurrenzsituation in der Offensive.“ Bald soll es wieder Gespräche zwischen Klub und Spieler geben, aber man müsse Götze „ein bisschen mehr Zeit einräumen“.

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Watzke: "Wir müssen Mario Götze mehr Zeit geben"

Aktuell läuft die Zeit eher gegen ihn – und dass Alcacer als persönliches Ziel ganz offen kommuniziert, in der laufenden Saison mehr Tore erzielen zu wollen als in der vergangenen, wenn er sagt, dass er „die Anzahl der Treffer steigern“ möchte, klingt irgendwie nach Bedrohung. Für 17 Abwehrreihen in der Bundesliga, aber auch für Götzes Chancen auf Spielanteile bei Borussia Dortmund.

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