BVB-Profi Gio Reyna klagte über Oberschenkelprobleme, verletzte sich zum Glück aber nicht ernsthaft. © imago images/Team 2
Borussia Dortmund

Warum das Verletzungsrisiko für BVB-Profis in dieser Saison besonders hoch ist

Der BVB absolviert die Vorbereitung nur mit einem Rumpfkader, auch beim Saisonstart muss improvisiert werden. Ausgerechnet in diesem Jahr ist das Verletzungsrisiko besonders hoch.

Der größte Gegner des BVB in dieser Saison ist nicht der FC Bayern München. Auch nicht RB Leipzig oder andere Spitzenmannschaften können den Schwarzgelben gefährlich werden. Sportlich zwar allemal. In diesem Fall geht es aber um etwas anderes. Die abgelaufene Europameisterschaft könnte nämlich für eine unschöne Zwangspause bei dem einen oder anderen sorgen.

Studie zeigt: BVB muss in dieser Saison besonders aufpassen

Einer Studie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zufolge steigt die Verletzungsgefahr nach großen Turnieren. Die vergangene Saison unter erschwerten Coronabedingungen und der jetzt schon wieder viel zu volle Spielplan tun ihr Übriges dazu bei. Bei Borussia Dortmund ist man sich dieser Gefahr(en) bewusst – und reagiert.

„Das sind Dinge, die wir auf dem Schirm haben müssen. Die Jungs sind fit. Trotzdem muss man ein Stück weit aufpassen“, erklärt BVB-Trainer Marco Rose auf Nachfrage der Ruhr Nachrichten. Zum Saisonstart musste er schon auf Leistungsträger wie Mats Hummels oder Raphael Guerreiro verzichten, Thorgan Hazard zog sich recht schnell eine Knöchelverletzung zu, die ihn vorerst außer Gefecht setzt.

Voller Terminkalender: Verletzungsrisiko für BVB-Spieler steigt

Die Schwarzgelben hatten dabei auch direkt schon wieder eine Englische Woche zu verkraften: Samstag gegen Frankfurt, Dienstag gegen Bayern München im Supercup und den nächsten Samstag ging es schon wieder nach Freiburg, Freitag ist bereits Hoffenheim zu Gast. „Ich glaube, dass wir diesen Rhythmus jetzt ganz gut verkraften können. Schwierig wird es dann, wenn wir Englische Wochen am laufenden Band haben“, sagt Rose. Davor warnt auch die Wissenschaft.

Dr. Thomas Henke von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) forscht seit vielen Jahren auf diesem Themengebiet. „Sogenannte Non-Contact-Verletzungen nehmen bei einer großen Belastung ohne ausreichend Regenerationszeit über einen längeren Zeitraum erheblich zu“, erklärt der Sportwissenschaftler. Die Adduktoren seien oft betroffen, auch die Muskeln im Oberschenkelbereich oder die Sprunggelenke. „Die Profiligen stehen da alle vor ähnlichen Problemen“, sagt Dr. Henke.

Beispiel Axel Witsel: BVB-Profis drohen Non-Contact-Verletzungen

Schlechte Erfahrungen mit einer Non-Contact-Verletzung hat beim BVB vergangenen Saison erst Axel Witsel machen müssen. Im Januar verletzte er sich beim 3:1-Sieg gegen RB Leipzig ohne gegnerische Einwirkung schwer, riss sich die Achillessehne und fiel monatelang aus. Der Belgier kämpfte sich pünktlich zur Europameisterschaft im Sommer zurück. Im kräftezehrenden Saisonendspurt aber fehlte er den Borussen. Ein Szenario, das nun auch seinen Teamkollegen drohen könnte.

Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit und dem bereits wieder übervollen Spielplan steigt das Verletzungsrisiko enorm. „Trainingssteuerung ist da in der Form gar nicht möglich, wenn die Mannschaften unter der Woche auch noch Spiele haben“, sagte Henke von der RUB. Vor allem die hohe Termindichte sieht er als ein Problem an: „Das sind ja Englische Phasen mittlerweile mit dem DFB-Pokal und den zahlreichen Vereinswettbewerben. Das Training ist dann im Wesentlichen auf Regeneration ausgelegt.“ Ein zweites Problem kommt noch hinzu.

Englische Wochen könnten auch zu einem Leistungsabfall beim BVB führen

Wenn die Frische im Körper und im Kopf fehlt, steigt nicht nur die Gefahr einer Verletzung. Auch ein Leistungsabfall wäre durchaus denkbar. „Man kann in diesen Phasen dann lediglich kleinere Impulse setzen, um die Leistung zu verbessern“, erklärt Henke. Gerät eine Mannschaft einmal aus dem Fitness-Takt, stellt sie das vor ein logistisches Problem. „Defizite lassen sich nicht aufholen im laufenden Spielbetrieb“, lautet die niederschmetternde Erkenntnis von Henke. Die BVB-Verantwortlichen sind sich auch dieser Gefahr natürlich bewusst und versuchen, aufmerksam gegenzusteuern.

„Wir müssen da auf unsere Jungs aufpassen und einen klaren Austausch suchen. Klar ist aber auch: Wir werden keinen bremsen“, sagt BVB-Coach Rose. Bleibt zu hoffen, dass stattdessen keine Verletzung einen Borussen bremst. Die Saison ist noch lang – und der Kalender voll.

Über den Autor
Redakteur
Jahrgang 1993, Dortmunder Junge und Amateurhandballer mit großer Liebe für den Fußball und den Ruhrpott. Studium der Journalistik an der TU Dortmund, nach kurzer Zwischenstation beim Westfälischen Anzeiger in Hamm wieder zurück bei den Ruhr Nachrichten, seit 2020 BVB-Reporter.
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Marvin K. Hoffmann

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