Weidenfeller über das Wiedersehen mit Jürgen Klopp

Das BVB-Interview

Borussia Dortmund gegen den FC Liverpool - diese Paarung lässt kaum jemanden kalt. BVB-Keeper Roman Weidenfeller appelliert vor der Rückkehr von Jürgen Klopp in den Signal Iduna Park aber an seine Kollegen: "Wir sollten die Emotionen komplett rauslassen." Matthias Dersch hat mit dem 35-Jährigen über seinen Ex-Trainer, Roman Bürki und das Duell mit dem englischen Traditionsklub gesprochen.

DORTMUND

, 07.04.2016, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Roman Weidenfeller sagt vor dem Wiedersehen mit Jürgen Klopp: "Wir spielen gegen den FC Liverpool. Wir müssen sie in zwei Partien schlagen. Das allein ist unser Auftrag."

Roman Weidenfeller sagt vor dem Wiedersehen mit Jürgen Klopp: "Wir spielen gegen den FC Liverpool. Wir müssen sie in zwei Partien schlagen. Das allein ist unser Auftrag."

Roman Weidenfeller, Sie sind seit 14 Jahren ein Teil von Borussia Dortmund. Es gibt ligaweit nur wenige Spieler, die den Hauptteil Ihrer Karriere bei nur einem Klub verbringen. In Dortmund ist die Dichte dagegen sehr hoch. Woran liegt das? Der Verein ist darum bemüht, eine gewisse Konstanz im Kader zu haben. Und wir Spieler fühlen uns im Klub sehr wohl. Die Mannschaft ist sehr intakt, auch wenn die Floskel von den „elf Freunden“ heute nicht mehr umsetzbar ist, dazu ist alles viel zu professionell geworden. Die Wege zur Führung sind kurz, wir wissen, dass wir uns auf den Verein verlassen können. Auch der Kontakt zu den Fans ist eng. Wir sind eine große Familie.

Hatten Sie in der vergangenen Saison, als der BVB zwischenzeitlich um den Klassenerhalt bangen musste, Sorge, die Familie, wie Sie sagen, könnte zerbrechen? Bei jedem anderen Verein wäre sie zerbrochen. Und zwar komplett. Aber in Dortmund hat das große Ganze dafür gesorgt, dass dies nicht passiert ist. Die Mannschaft hat sich wieder aus dem Tief empor gekämpft. 

Sie wurden von Jürgen Klopp ins zweite Glied versetzt... Ja, es war für jeden einzelnen Borussen ein schweres Jahr. Heute können wir das anders - emotionsloser - analysieren, was damals passiert ist. Es war wichtig, schnell die Kurve zu kriegen. Das ist uns gelungen. Wir spielen eine sensationelle Saison, sind in den Pokalwettbewerben noch voll dabei. Das ist eine tolle Leistung.

Sie sagen "für jeden einzelnen Borussen". Eine Formulierung wie diese würde man eher von einem Fan als von einem Profi erwarten. Ich bin Borusse durch und durch. Ich habe hier doch alles miterlebt. Ich fühle mich nicht nur als Angestellter.

Sie wirken sehr gefestigt und bei sich - obwohl sie inzwischen nicht mehr Stammkeeper des BVB sind. War es schwierig für Sie, sich mit Roman Bürki, der neuen Nummer 1, zu arrangieren? Nein, unser Verhältnis zueinander war vom ersten Moment an sehr offen.  An seiner Stelle hätte ich mich doch genauso entschieden. Wenn Borussia Dortmund ruft, dann sollte man das Angebot auch annehmen. Deshalb gab es keinen Grund. Als ich 2002 gekommen bin, habe ich auch Jens Lehmann genervt. (lacht) Er war Nationaltorwart, trotzdem wollte ich seinen Job haben. So ist es in diesem Geschäft eben.

Jetzt lesen

Roman Bürki musste in seinen ersten Monaten in Dortmund viel Kritik einstecken. Konnten Sie sich in ihn hineinversetzen in dieser Zeit? Schließlich haben Sie zu Beginn Ihrer Zeit in Dortmund ganz Ähnliches erlebt. Ich war 21 Jahre als ich zum BVB gewechselt bin. Aber auch ich habe damals die Erfahrung gemacht, dass es ein Unterschied ist, bei einem vergleichsweise kleineren Klub im Tor zu stehen oder eben bei Borussia Dortmund. Hier stehst du nicht nur Samstag im Blickpunkt, sondern die ganze Woche. Sportlich wie medial. Die Drucksituation ist eine ganz andere. 

Sie haben Ihre neue Rolle als Nummer zwei und Europapokal-Keeper voll angenommen, werden dafür von Thomas Tuchel regelmäßig öffentlich gelobt. Ist es Ihnen schwer gefallen, in diese Position hereinzuwachsen? Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem man die Dinge anders einschätzen kann als mit Anfang 20. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, diesen Weg  mit dem BVB zu gehen. Ich habe  in meinem Sportlerleben viel erreicht, ich muss niemandem etwas beweisen. Ich stelle meine Erfahrung zur Verfügung und habe auch noch immer den Ehrgeiz, jedes Spiel im Tor zu stehen. Aber ich akzeptiere, dass der Trainer eine andere Entscheidung getroffen hat.

Zumal Sie in der Europa League ja noch einige schöne Partien erleben durften - und noch erleben. Nach Porto und Tottenham kommt jetzt der FC Liverpool nach Dortmund. Und mit ihm Jürgen Klopp.. Das ist natürlich eine besondere Situation, aber wir dürfen nicht den Fehler machen und denken, wir würden gegen Jürgen Klopp spielen. Wir spielen gegen den FC Liverpool. Wir müssen sie in zwei Partien schlagen. Das allein ist unser Auftrag. Deshalb sollten wir die Emotionen komplett raushalten.

Ist das überhaupt möglich bei dieser Paarung? Ich denke schon. Von Profis kann man schon erwarten, dass sie unabhängig von äußeren Umständen ihrem Job nachgehen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller

Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.
19.01.2016
/
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa
Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© Foto: dpa

Verspüren Sie die Lust, es dem Trainer, der Sie damals aus dem Tor nahm, noch einmal richtig zu zeigen? Nein, mir geht es einzig und allein darum, weiterzukommen.

Die Abnabelung des BVB von Jürgen Klopp ist erstaunlich zügig über die Bühne gegangen. Vor allem sportlich, aber auch abseits des Rasens. Hat Sie das überrascht? Es war eine außergewöhnliche Zeit, die wir alle gemeinsam hatten. Aber ich denke, man sieht an der Entwicklung, die seit der Trennung im Sommer stattgefunden hat, dass jede Personalie im Fußball austauschbar ist. Das gilt sowohl für den Torwart als auch für den Trainer. So schlimm das auch klingen mag.

Lesen Sie jetzt