Wer hat im Topspiel die Nase vorn? BVB und Bayern im direkten Duell

Borussia Dortmund

Wie schlägt sich Lukasz Piszczek gegen Jerome Boateng? Wer hat im Stürmerduell zwischen Erling Haaland und Robert Lewandowski die Nase vorn? Wir beleuchten die Teams von BVB und FCB.

Dortmund

, 26.05.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 5 min
Duell auf Augenhöhe: Julian Brandt (l.) und Serge Gnabry.

Duell auf Augenhöhe: Julian Brandt (l.) und Serge Gnabry. © imago

Von gehobenem Niveau bis zur Weltklasse: Wenn Borussia Dortmund und Bayern München aufeinandertreffen, schicken beide Mannschaften eine Top-Elf auf den Rasen.

Borussia Dortmund gegen FC Bayern München - Torhüter:

Roman Bürki (0): Neunmal blieb er in dieser Bundesliga-Saison bereits ohne Gegentor, nur Manuel Neuer ist ihm da knapp voraus (11.). Der Schweizer im BVB-Tor spielt keine überragende Saison, er hatte schon mehr Paraden, aber er agiert konstant und zuverlässig. Das Zusammenspiel mit seinen Vorderleuten stimmt. Gegen die Bayern wäre es Zeit für einen Auftritt wie gegen Sparta Prag.

Manuel Neuer (1): 34 Jahre alt, immer noch auf Weltklasse-Niveau. Seine Vertragsverlängerung vor einer Woche unterstreicht das große Vertrauen der Bayern in ihn, der Ex-Schalker rechtfertigt es mit konstanten Leistungen. Wie er 35 Meter vor dem Tor am Sonntag einen Frankfurter Konter unterband, das macht keiner so wie er.

Borussia Dortmund gegen FC Bayern München - Abwehr:

Achraf Hakimi (1): In seiner zweiten Saison bei seiner Leihstation in Dortmund spielt er noch stärker als in seinem Premierenjahr. Ein Antritt wie ein 100-Meter-Sprinter, dazu torgefährlich, nimmermüde und „unkaputtbar“. Er gehört zu den Dortmunder Dauerbrennern und könnte, mit der Absicherung im Rücken, ein entscheidender Faktor für den BVB werden.

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Benjamin Pavard (0): Einmal schonte ihn Hansi Flick, einmal fehlte er wegen einer Gelbsperre. In allen anderen Bayern-Pflichtspielen stand der französische Weltmeister die volle Zeit auf dem Platz. Schaffte den Sprung vom VfB Stuttgart in die Stammformation mühelos. Drei Tore, drei Vorlagen steuerte er auch bei. Seit Joshua Kimmich im Zentrum spielt, rechts gesetzt. Auch innen und links sammelte er in der Abwehr schon Erfahrung.


Lukasz Piszczek (0,5): Vom Kilometerfresser an der Seitenlinie zum Strategen in der Abwehrkette - aufs Altenteil hat sich der Pole, der in der Vorwoche seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert hat, noch längst nicht gelegt. Seine Erfahrung macht ihn ungeheuer wertvoll, er gilt auch innerhalb der Mannschaft als absoluter Führungsspieler. Sechs Mal hat er die Bayern in der Bundesliga bezwungen. Folgt der siebte Streich?

Jerome Boateng (0,5): Die Klasse vergangener Tage hat er nicht mehr, Boateng hat an Tempo und Ballsicherheit eingebüßt. Mehrfach kurz vor der Aussortierung hält sich der 31-Jährige aber immer noch im Kader. Im Sommer dürfte jedoch Schluss sein. Seine präzisen Diagonalbälle sind immer noch gut, aber er ist für den BVB ein möglicher Schwachpunkt beim Gegner.


Mats Hummels (0,5): An ihm orientieren sich die Mitspieler, er ist der Leitwolf in Borussias manchmal noch ungestümer Horde. Auch mit über 30 Jahren zweikampfstark (66 Prozent gewonnene Duelle) und ohne Motivationsprobleme. Mit seinem Offensivspiel hält er sich öfter zurück - gegen seinen Ex-Klub könnte er mal wieder einen gut getimten Außenristpass anbringen.

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Joshua Kimmich (0,5): Die Bayern haben ihn auserkoren, das Gesicht der Zukunft zu werden. Kimmich hat die Klasse und die Ausstrahlung, um diesen Anspruch zu erfüllen. Die Ballsicherheit ist seine große Stärke, bringt für die zentrale defensive Mittelfeldposition auch Aggressivität mit. Mit 25 Jahren schon sehr erfahren.


Manuel Akanji (0,5): Seinen Status als unumstrittene Stammkraft hatte der Schweizer Abwehrmann zwischenzeitlich an Dan-Axel Zagadou verloren. Seit dem Re-Start der Bundesliga gefällt der 24-Jährige mit durchweg konzentrierten Leistungen. Wenn er die Spannung hoch hält, hat er das Zezug zu einem Klasse-Innenverteidiger.

David Alaba (0,5): Der Österreicher ist auch als Aushilfs-Innenverteidiger konstant gut und erledigt den Job, als habe er nie etwas anderes gespielt. Mit 27 Jahren auf dem Zenit seiner Karriere, muss sich Alaba überlegen, ob er noch einmal etwas anderes machen will. Sein Bayern-Vertrag läuft in einem Jahr aus, seine Verhandlungsposition ist außerordentlich gut.

Borussia Dortmund gegen FC Bayern München - Mittelfeld:

Raphael Guerreiro (1): Im vergangenen Sommer saß er bereits auf gepackten Koffern, jetzt spielt er seine bisher stärkste Saison für die Borussia. Als vorgezogener Linksverteidiger kann er seine Qualitäten im Offensivspiel perfekt einbringen. Regelmäßig ist er an Toren beteiligt, entweder als Schütze oder als Vorbereiter. Nicht weniger wichtig: seine Ballsicherheit und die Gabe, fast alle Situationen spielerisch aufzulösen.

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Alphonso Davies (0): Die Nachwuchs-Sensation aus Kanada. Unglaublich sein Vorwärtsdrang, beeindruckend seine Abgebrühtheit im Alter von nur 19 Jahren. In ihm hat der Rekordmeister einen Diamanten - Ziel des BVB muss sein, seine defensiv bisweilen erkennbaren Schwächen auszunutzen und ihn hinten zu binden. Kann er das Spiel mit ankurbeln, ist er nur schwer zu stoppen.


Emre Can (0,5): Endlich schlugen die Dortmunder zu, als der Nationalspieler im Winter einmal mehr auf dem Markt war. Seine fußballerischen Qualitäten helfen der Borussia, noch wertvoller sind seine Eigenschaften als nimmermüder und unerbittlicher Kämpfer und Antreiber. Er bringt die Mentalität mit, die manchen Schwarzgelben fehlte, und steckt damit andere an.

Leon Goretzka (0,5): Verletzungen bremsten ihn auch in dieser Saison aus, das kannte man schon aus seiner Schalker Zeit. Behauptet sich aber gut im Starensemble der Bayern, dem er in der Zentrale wichtige Laufarbeit und Torgefahr bringt. Hat ein gutes Auge für die Situation, bringt sich damit immer wieder in Abschlusspositionen. Stark auch bei Standards. Sechs Tore, sieben Assists - starke Werte des Achters.


Mahmoud Dahoud (0): Selten konnte er in seiner bisherigen Dortmunder Zeit die hohen Erwartungen erfüllen. Axel Witsels Ausfall macht ihn wichtig, und Dahoud füllt die Rolle vor der Abwehr richtig gut aus seit dem Neustart. Er gehört womöglich zu den Profiteuren der Geisterspiele: Es kommt nur auf die fußballerischen Fähigkeiten an - und die sind bei ihm reichlich vorhanden.

Thomas Müller (1): Erlebt unter Flick seinen x-ten Frühling. Seine unkonventionelle Art macht ihn unberechenbar, sein Torriecher macht ihn brandgefährlich. Hat dafür gesorgt, dass sich Coutinho mit der Bank anfreunden musste, dabei war Müller unter Nico Kovac schon abgeschrieben. Das Bayern-Gesicht schlechthin, und noch ist kein Ende in Sicht.

Borussia Dortmund gegen FC Bayern München - Sturm:

Julian Brandt (0,5): Mit seinen Raffinessen bringt er Fußballerherzen zum Hüpfen. Genial gegen Schalke vor zehn Tagen. Manchmal aber auch sehr diskret, zum Beispiel in der Zweikampfführung. Wenn er ein Großer werden will, muss er sich auch gegen die Bayern häufiger durchsetzen. Das Potenzial bringt er allemal mit.

Serge Gnabry (0,5): Mit Coman bildet er eine nur schwer zu stoppende Flügelzange. 18 Treffer, zwölf Assists, Gnabry ist die perfekte Waffe auf Außen. Stark im Eins-gegen-Eins, reißt gegnerische Abwehrreihen immer wieder auseinander. Dass er am Dienstag wieder in der Kaffeetasse rührt, muss der BVB unbedingt vermeiden.


Thorgan Hazard (0,5): Schon 18 Scorerpunkte - er gehört zu den effektivsten Offensivspielern der Liga. Weil er seinen Dienst oft so unauffällig und gewissenhaft versieht, fliegt er trotzdem noch manchmal unter dem Radar. Klasse erste Saison in Dortmund, aktuell in Topform. Auch im Topspiel benötigt der BVB seine Läufe und seine Zuarbeit.

Kingsley Coman (0,5): Im Eins-gegen-Eins einer der besten Außenbahnspieler der Bundesliga - immer wieder aber durch Verletzungen gebremst, weil Gegenspieler ihn nur unfair stoppen können. Wenn er sich auf der Seite gegen Hakimi oder Guerreiro durchsetzen kann, steigen die Siegchancen der Bayern sprunghaft. Als Vorlagengeber ebenso wichtig wie als Torschütze.


Erling Haaland (0): Unverfroren formuliert er seinen Anspruch, einer der besten Stürmer der Welt zu werden. Das Tempo und die Torgefahr bringt er mit, seine Wucht bei 1,94 Meter Körpergröße stellt viele Verteidiger vor Probleme. Im Sechzehner schon jetzt richtig gut, im Raum zwischen der Mittellinie und der Box muss er noch zulegen im Vergleich mit seinem Bayern-Pendant, vor allem beim Mitspielen und Antizipieren. Aber er ist ja auch erst 19. Und hat schon zehn Bundesliga-Tore erzielt in zehn Spielen seit dem Winter.

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Robert Lewandowski (1): Über den Polen muss man nicht mehr viele Worte verlieren, in Dortmund kennt ihn ohnehin jeder gut. Im Alter von 31 Jahren hat er nichts an Titel- und Torhunger eingebüßt, 41 (!) Pflichtspieltreffer in dieser Saison sprechen für sich. Achtung: Gegen den BVB trifft Lewandowski besonders gern, 18 Mal schon in 19 Partien. Jeder Treffer war ein Stich ins Dortmunder Herz.

Borussia Dortmund gegen FC Bayern München - Trainer:

Lucien Favre (0,5): Den größten Rückhalt verspürt der manchmal sperrige Trainer in Dortmund nicht. Doch die überzeugende Bilanz seiner ersten Saison und der starke Aufwärtstrend im Verlauf des zweiten Jahres sprechen für den detailversessenen Fußball-Analysten. Viele Beobachter schauen auf das, was ihm nicht so liegt (Motivation, Präsenz, Ansprache). Das blockiert den Blick für seine großen Kompetenzen (Analyse, Korrektur, Taktik).

Hansi Flick (0,5): Vom Übergangstrainer zum Chef: Als „Co“ von Vorgänger Niko Kovac führte er die Mannschaft von Erfolg zu Erfolg und freut sich über einen neuen Vertrag bis 2023. Er gibt den Stars klare Anweisungen und lässt ihnen trotzdem ihre Freiheiten. Die Bayern danken es mit Spaß-Fußball und Toren am Fließband.


Die Bayern entscheiden den direkten Vergleich knapp mit 6,5:5,5 für sich.

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