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Westfalenstadion feiert 45. Geburtstag - Hindernislauf bis zur Eröffnung für Stadt und BVB

mlzZeitspiel

Das Ergebnis im Revierderby war erstmals nebensächlich - heute vor 45 Jahren wurde das Westfalenstadion eingeweiht. Dabei war der Weg bis zur Eröffnung ein spektakulärer Hindernislauf.

von Gerd Kolbe, Thimo Mallon

Dortmund

, 02.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der 2. April 1974, ein Dienstag, ist und bleibt für zahllose Fußballfans unvergesslich: Das Westfalenstadion, das erste reine Fußballstadion Deutschlands, wurde eröffnet. Eingebettet in ein buntes Unterhaltungsprogramm spulte sich ein Fußball-Volksfest par exellence vor 50.000 begeisterten Besuchern ab.

Natürlich gab es die obligatorischen Eröffnungsreden von Oberbürgermeister Günter Samtlebe und BVB-Präsident Heinz Günther, begeisterten die schmucken „Goldstar Majorettes“ aus Arnheim, war das obligatorische Polizeiorchester mit von der Partie, spielten die Damenmannschaften des TBV Mengede gegen den VfB Waltrop (1:2) sowie der BVB gegen den FC Schalke 04 (0:3).

Westfalenstadion feiert 45. Geburtstag - Hindernislauf bis zur Eröffnung für Stadt und BVB

Der Tag der Eröffnung: Mit 0:3 unterlag der BVB im Revierderby gegen Schalke - vor 50.00 Zuschauern. Danach stand in der Saison wieder trister Alltag in der Regionalliga West an - damals die zweithöchste Spielklasse. © imago

Das eigentliche Interesse aber galt selbstverständlich dem neuen internationalen Stadionhit namens „Westfalenstadion“. Die Faszination war riesengroß. Die Atmosphäre, die Nähe der Zuschauer zum Spielfeld, das Flutlicht, der Service für die Fans – superb! Selbst die kritische Presse erging sich in überschwänglichen Lobeshymnen. „Die sogenannten Dortmunder Drillinge – Westfalenhalle, Westfalenpark, Westfalenstadion – dürften neben dem Olympiapark in München das größte und bedeutendste Sportzentrum der Bundesrepublik sein“, schrieb die FAZ. „Ein tolles Stadion mit englischer Atmosphäre“, hieß es beispielsweise woanders.

Der steinige Weg bis zur Eröffnung des Westfalenstadions

Der Weg bis zur Eröffnung war aber kein leichter. Ein Rückblick: Die Kampfbahn „Rote Erde“ – Jahrgang 1926 - war mittlerweile eine „alte Stadion-Dame“. Die Stadt Dortmund plante deshalb bereits Mitte der 1960er eine reine Fußballarena als Zwillingsstadion.

Westfalenstadion feiert 45. Geburtstag - Hindernislauf bis zur Eröffnung für Stadt und BVB

Der Entwurf des Dortmunder Westfalenstadions für die WM 1974, wie er auf dem DFB-Bundestag 1969 in Düsseldorf vorgestellt wurde. In dieser Form ist er nicht verwirklicht worden. © imago

Mit diesem wegweisenden Gedanken trat man frühzeitig an den DFB heran und unterbreitete eine WM-Bewerbung für 1974. Dortmunds Sportdezernent und „Stadionvater“ Erich Rüttel brachte dann aus Montreal eine interessante Anregung mit: Dort hatte man kostengünstig ein Stadion in Fertigbauweise erstellt. Das wurde zum Vorbild für Dortmund und reduzierte die Baukosten von 60 Millionen auf 32 Millionen D-Mark. Die Finanzen stimmten jetzt. Nicht aber die Größe.

Und plötzlich waren die Zuschüsse weg

Dortmunds WM-Arena konnte nur 54.000 Besucher aufnehmen. 60.000 wurden aber für die WM gefordert. Rüttel bekam einen „blauen Brief“ der FIFA. Das hieß: keine WM-Stadt für 1974, keine finanzielle Unterstützung von Bund, Land und Glücksspirale.

Westfalenstadion feiert 45. Geburtstag - Hindernislauf bis zur Eröffnung für Stadt und BVB

So haben wir 1974 von der Eröffnung des Westfalenstadions berichtet. © Archiv

Da in dieser Phase der BVB sowohl sportlich als auch wirtschaftlich erheblich schwächelte, wurde es kommunalpolitisch eng. Es gab schließlich endlos viele städtische Aufgaben auf den verschiedensten Gebieten. War damit das Ende für die Stadionpläne gekommen? Nein! Denn im Oktober 1971 entschied der Rat der Stadt in einer spektakulären Sitzung den Bau des Westfalenstadions „auf eigene Kappe“ und ohne fremde Hilfe!

Dann die Wendung: Dortmund wird doch WM-Stadt

Das war kühn und richtungweisend! Sofort danach begann der Bau. Und dann die Sensation: Köln musste seine WM-Bewerbung aus finanziellen Gründen zurückziehen, und Dortmund bekam doch noch den Zuschlag. Als WM-Reservestadt quasi. Der Stadion-Hit der WM 1974 war geboren!

Westfalenstadion feiert 45. Geburtstag - Hindernislauf bis zur Eröffnung für Stadt und BVB

Das Dortmunder Westfalenstadion im Bau: Eine Aufnahme aus dem Oktober 1972. © imago

Vier spektakuläre WM-Spiele waren der Lohn des politischen Mutes, die Stadt bekam die erhofften WM-Gelder und der 1972 aus der Bundesliga abgestiegene BVB hatte eine neue Heimat und eine entscheidende Grundlage für den Wiederaufstieg 1976.

Die größte Stehplatztribüne Europas

Seitdem ist im und am Stadion viel passiert. Fünf Deutsche Meisterschaften konnte der BVB in seinem „Tempel“ feiern, regelmäßig fiebern mehr als 80.000 Fans bei Bundesliga-Spielen mit ihrem Verein mit. Seit 1995 entstand mit Platz für 25.000 Zuschauer die größte Stehplatztribüne Europas. Vor allem der Ausbau der vier Stadionecken im Vorfeld der WM 2006 katapultierte die Stadionkapazität in in Deutschland noch ungeahnte Sphären.

Westfalenstadion feiert 45. Geburtstag - Hindernislauf bis zur Eröffnung für Stadt und BVB

Der Signal Iduna Park fehlt in keiner Skyline der Stadt Dortmund. Die markanten Stahlträger in den Ecken des Stadions sind schon aus weiter Ferne zu sehen. © imago

Die kostspieligen Umbaumaßnahmen forderten aber auch ihren Tribut. Seit dem 1. Dezember 2005 heißt das Westfalenstadion offiziell „Signal Iduna Park“. Um die Existenz des Klubs zu retten, musste die BVB-Geschäftsführung die Namensrechte des Stadions abtreten. Für die meisten Anhänger heißt die Heimspielstätte ihres BVB aber weiter Westfalenstadion - oder einfach nur „Tempel“.

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