Wir beantworten die wichtigsten Derby-Fragen

BVB gegen Schalke

Noch drei Tage: Am Sonntag steigt das 147. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Für die Polizei ist es ein Risikospiel. Seit Donnerstag sind Einzelheiten zum Sicherheitskonzept bekannt. Interessant: Im Vorfeld lehnten beide Vereine gleich mehrere Forderungen der Polizei ab. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Derby.

DORTMUND

, 05.11.2015, 13:11 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mit welcher Strategie geht die Polizei ins Derby?

Die Polizei zieht sich aus dem Stadion zurück und ist zur Stelle, wenn der BVB als Veranstalter eine Gefahr nicht alleine abwehren kann. Weniger Polizei im Stadion – neu ist das in Dortmund nicht. Das hat die Polizei bereits bei einigen Bundesliga-Partien zuvor gemacht. Die Kräfte werden beim Revierderby erst einmal woanders gebraucht, etwa in der Innenstadt, wo zusätzliche Polizisten den verkaufsoffenen Sonntag und den Hansemarkt sichern.

Setzt die Polizei dann weniger Personal ein?

Nein. Sie ist wieder mit Personal in vierstelliger Höhe im Einsatz. Der verkaufsoffene Sonntag und der Hansemarkt führen mit dem Derby zeitgleich zu starken Besucherströmen in Dortmund. Die Polizei ist mit Hundertschaften in der Innenstadt präsent, um Dortmund-Gästen einen sicheren Aufenthalt zu ermöglichen.

Was sagt der Arbeitskreis Derby zu dem Thema?

Vor den beiden letzten Derbys hatte der Arbeitskreis die Öffentlichkeit auf einer gemeinsamen Pressekonferenz informiert. Vor dem aktuellen Derby verzichtet er darauf. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Polizei und Vereinen sind nach unseren Informationen zu groß. Die Stimmung war schon mal besser.

Wo gehen die Meinungen auseinander?

Die Polizei stellte vier Forderungen auf: Nur 4269 Gästekarten für den FC Schalke 04, ein personalisierter Kartenverkauf, durch den S04 organisierte Anreise in Bussen und der Ausschluss von Ultra-Problemgruppen. Damit konnte sich die Polizei jedoch nicht durchsetzen. 

Warum hat der BVB das Gästekartenkontingent nicht reduziert?

„Es gibt keine rechtliche Bindung“, betont Christian Hockenjos, BVB-Organisations-Direktor. Umgekehrt schreiben die DFL-Ligastrukturen vor, zehn Prozent der Tickets an Gäste abzugeben. „Wir sind ein Klub, der auswärts selbst das Interesse hat, diese zehn Prozent zu bekommen und möchten das normalerweise als Heimverein auch jedem Gast anbieten können“, sagt Hockenjos. Er sagt aber auch: „Wir können es nicht allen Beteiligten zu 100 Prozent recht machen.“ Man habe für das Derby unter Abwägung aller Aspekte hausintern eine für den BVB vertretbare Lösung gefunden. 

Und wie sieht diese Lösung aus?

Um aus Sicherheitsgründen Pufferzonen im Stadion schaffen zu können – gemäß DFB-Sicherheitsrichtlinien –, wollte der BVB das Kartenkontingent wie bei den vergangenen Derbys auf 8,5 Prozent reduzieren. Dieses Mal seien es sogar nur 7,5 Prozent, also etwa 6250 Karten.

Was hat dazu geführt?

DSW21 hat nach den Randalen im Februar entschieden, nur noch 250 statt 500 Schalker-Fans pro Stadtbahn mitzunehmen. Britta Heydenbluth von DSW21 sagt: „Um ein ähnliches Verhalten zu verhindern und für mehr Transparenz zu sorgen, werden die Bahnen deutlich weniger ausgelastet, auch wenn dies bedeutet, das im üblichen Zeitfenster weniger Gästefans mit der Stadtbahn über den Hauptbahnhof werden anreisen können.“

Also kommen 6250 Schalker nach Dortmund?

Nein. Die Schalker Ultras haben zum Derby-Boykott aufgerufen, weil sie nicht das vollständige Kontingent von mehr als 8000 Karten bekommen.  850 Karten hat Schalke bereits an den BVB zurückgeschickt . Mindestens 1000 weitere Ultras haben zwar Karten, wollen aber nicht kommen. Dann blieben „nur noch“ 4400 Fans übrig. Wie viele Fans nun wirklich kommen, werde sich am Spieltag zeigen, sagt Anja Kleine-Wilde, Sprecherin bei Schalke. Die Polizei rechnet mit einem unkalkulierbarem Risiko. Die Einsatzkräfte sind auf verschiedene Szenarien eingestellt. Auch auf eine konspirative Anreise der Schalker, die einen illegalen Fanmarsch durch die Innenstadt planen könnten.

Wie sieht es für die Zukunft aus?

Wenn es friedlich bleibt, könnte das Kartenkontingent künftig wieder aufgestockt werden. Das sei auch die Erwartungshaltung der Fans, sagt Christian Hockenjos. „Es ist unser Wunsch, uns den zehn Prozent wieder zu nähern und nicht weiter zu reduzieren, sobald es die sicherheitsrelevanten Umstände zulassen.“

Warum stimmte Schalke gegen einen personalisierten Kartenverkauf?

„Der FC Schalke 04 hat entschieden, seinen Anhängern keinen verbindlichen Anreiseweg vorzuschreiben und lehnt die Einführung von personalisierten Eintrittskarten mit Vouchern ab“, sagte Anja Kleine-Wilde. Schalke bietet aber – auch wegen der DSW21-Entscheidung – einen Bus-Shuttle-Service an. Man gehe davon aus, das 700 Fans diesen nutzen werden, sagt die Schalke-Sprecherin.

Gibt es wieder getrennte Anreisewege für BVB- und Schalke-Fans?

Ja. Die Schalker Fans nutzen wieder die Parkplätze A 3, A 4 und D 2 und die Stadtbahn-Haltestelle Westfalenhallen. Sie laufen über den Wirtschaftsweg zwischen den Westfalenhallen zum Stadion. Die Fußgängerbrücke an der Lindemannstraße über die B 1 ist deshalb für BVB-Fans gesperrt, ebenso die Grünanlage an der Signal-Iduna-Versicherung. Das gilt auch für die Abreise.

Was sollten BVB-Fans beachten?

Wer kann, sollte früh anreisen – und das mit Bus und Bahn. Durch das Anreisekonzept könnte es länger dauern. In Dortmund wird’s zudem richtig voll. In der City sind verkaufsoffener Sonntag und Hansemarkt. Wer kann, bittet die Polizei, sollte aus der Richtung anreisen, in der er seinen Platz im Stadion hat: Wer im Westen sitzt oder zumindest ins Stadion geht, komme über die Wittekindstraße oder mit der U 42, wer im Osten sitzt, komme über die Hohe Straße oder mit der U 45. So kreuzen sich die Wege von BVB- und Schalke-Fans weniger. Hintergrund: Möglicherweise muss die Polizei Sperrungen auf dem Stadionvorplatz vornehmen, um die Fanströme zu lenken.

Müssen die BVB- und Schalke-Fans die gleichen Eingänge benutzen?

Nur – wie bei jedem anderen Spiel – an den Eingängen Nord-Mitte und Nord-Ost. Der BVB hat sich deshalb etwas überlegt: Es gibt am Eingang Nord-Mitte – wie am Ende der vergangenen Saison schon getestet – vorgezogene Sicherheitskontrollen. Schalke-Fans gehen dort auf der linken Seite rein, BVB-Fans auf der rechten. Für die Schalke-Fans werden vor den Schleusen mannshohe Drehkreuze aufgestellt. 

Die letzten beiden Derbys sind kurz nach dem Abpfiff als friedlich dargestellt worden. Warum jetzt diese neue Sicherheitsdiskussion?

Absolut friedlich war das letzte Derby im Februar 2015 eben nicht. Schalker Ultras veranstalteten einen illegalen Fanmarsch. Sie überrannten eine Kontrollstelle, beeinträchtigten die Anreise anderer Fans und zerstörten U-Bahnen. Der Nahverkehr stand kurz vorm Zusammenbruch. Die Zahl der Straftaten ist von 35 (März 2014) auf 119 (Februar 2015) angestiegen.

So sollen die Fanlager getrennt werden:

Gelbe Flächen sind für BVB-Fans reserviert. Blaue Flächen kennzeichnen die Wege der Schalke-Fans. Rote Flächen sind gesperrt. Sicherheitsregelungen rund um das Revierderby auf einer größeren Karte anzeigen  

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