Zweites Bekennerschreiben - Islamistischer Hintergrund?

Explosionen am BVB-Mannschaftsbus

Nach drei Explosionen neben dem BVB-Teambus hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Inzwischen sind zwei Bekennerschreiben aufgetaucht für den Anschlag, bei dem BVB-Verteidiger Bartra und ein Polizist verletzt wurden. Derzeit prüft die Polizei einen islamistischen Hintergrund. Ein mögliches Bekennerschreiben nimmt offenbar Bezug auf einen Tornado-Einsatz in Syrien, das andere kommt aus der Antifa-Szene. Das Champions-League-Spiel gegen AS Monaco wird heute nachgeholt.

DORTMUND

12.04.2017, 01:43 Uhr / Lesedauer: 4 min
Zweites Bekennerschreiben - Islamistischer Hintergrund?

Der Mannschaftsbus des BVB wurde bei dem Anschlag beschädigt.

Hier informieren wir im Live-Ticker über die aktuellen Entwicklungen: 

 

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR beginnt das am Tatort aufgefundene Schreiben mit den Worten: "Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen." Die  Ermittler der Polizei haben laut der Deutschen Presseagentur aber auch gewaltbereite Fans oder andere Täter im Blick. 

Allerdings ist auch ein zweites Bekennerschreiben aufgetaucht, das möglicherweise aus der antifaschistischen Szene kommt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird in dem am späten Dienstagabend im Internet verbreiteten Schreiben in Antifa-Duktus erklärt, der Bus sei mit eigenes für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als „Symbol für die Politik des BVB“ attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze.

Die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Weitere Informationen will sie am frühen Nachmittag bekanntgeben, wie die Behörde in Karlsruhe am Mittwoch mitteilte. 

Neben Bartra auch ein Polizist schwer verletzt

Nach der Explosion von drei Sprengsätzen neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund musste das Champions-League-Spiel gegen AS Monaco am Dienstagabend kurzfristig abgesagt werden. BVB-Profi Marc Bartra wurde bei dem Vorfall schwer an der Hand verletzt und wurde noch am Abend operiert. Auf die Frage nach dessen Zustand sagte Watzke: „Ich weiß auch nur, dass er gerade operiert wird und dass er erstmal nicht einsatzfähig sein wird.“

Die Polizei teilte am frühen Mittwoch mit, dass neben BVB-Verteidiger Marc Bartra auch ein Beamter durch die drei Explosionen  neben dem Mannschaftsbus verletzt worden war. Der Polizist fuhr auf einem Motorrad vor dem Bus, um ihn zum Stadion zu begleiten, wie ein Sprecher sagte. Er habe ein Knalltrauma und einen Schock erlitten und sei nicht dienstfähig. Die Ermittler sicherten in der Nacht weiter Spuren.

Unseren Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier:

Die Polizei sprach bereits bei einer Pressekonferenz am späten Abend von einem gezielten Angriff auf das Dortmunder Fußball-Team und ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes. Hinweise auf einen Terroranschlag hatten die Sicherheitsbehörden zunächst nicht. In der Nähe des Tatorts wurde ein mögliches Bekennerschreiben gefunden. Die Echtheit werde „intensiv geprüft“, sagte Staatsanwältin Sandra Lücke am Dienstagabend. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Angaben zum Inhalt machte die Staatsanwaltschaft aber zunächst nicht.

Das Video der Pressekonferenz sehen Sie hier:  

Die ausgefallene Partie soll bereits am Mittwoch um 18.45 Uhr stattfinden. Dann sei man mit einem Großaufgebot vor Ort, sagte Polizeipräsident Greogor Lange. Für das Nachholspiel werden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Der BVB hatte unmittelbar nach der Absage bekannt gegeben, dass die gekauften Tickets ihre Gültigkeit behalten.

In eigener Sache bzgl. Tickets. #bvbasmpic.twitter.com/0aXTqUi2vi

— Borussia Dortmund (@BVB)

Das das Spiel nachgeholt werden soll, legte die UEFA nach Rücksprache mit beiden Mannschaften schnell fest. „Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Wir müssen versuchen, das in irgendeiner Weise zu kanalisieren. Das wird nicht einfach, wir müssen morgen spielen. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Polizei sucht mit Drohne

Um 19.15 Uhr - unmittelbar nach der Abfahrt des Fußball-Bundesligisten vom Teamhotel zum Stadion - waren in der Nähe des Mannschaftsbusses die Sprengsätze in einer Hecke explodiert. Die Sicherheitskräfte suchten die Umgebung mit einer Drohne ab. Wenig später teilte die Polizei mit, dass ein weiterer verdächtiger Gegenstand gefunden worden sei. Dieser stellte sich jedoch „als Müll“ heraus. Das Landeskriminalamt sperrte das Gelände ab und begann mit der Untersuchung des Fahrzeugs.

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„Meine Gedanken sind bei der Mannschaft“, wurde Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Abend über den Twitter-Account seines Ministeriums zitiert. „Jetzt gilt es die Hintergründe aufzuklären. Ich hoffe, dass morgen wieder der Fußball im Mittelpunkt steht.“

Schreckmomente für die Mannschaft

Auch Trainer Thomas Tuchel habe die Attacke direkt mitbekommen, berichtete Watzke: „Thomas war natürlich auch geschockt, weil eine der Explosionen wohl direkt an seiner Seite stattgefunden hat.“ Der BVB-Bus wurde an zwei Stellen beschädigt. Auf Bildern war zu erkennen, dass die hinterste Scheibe auf der rechten Seite zersplittert war. Bartra wurde in ein Krankenhaus gebracht. Er habe eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk und diverse Fremdkörpereinsprengungen im Arm, sagte BVB-Pressesprecher Sascha Fligge.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Explosionen am BVB-Bus in Dortmund-Höchsten

Bilder zu den Explosionen am BVB-Bus in Dortmund-Höchsten sowie aus dem Signal Iduna Park.
11.04.2017
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Bilder zu den Explosionen am BVB-Bus in Dortmund-Höchsten sowie aus dem Signal Iduna Park.© Foto: dpa
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Schlagworte BVB , Borussia Dortmund

BVB-Torhüter Roman Bürki berichtete von den Schreckmomenten. „Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde“, sagte der Profi der Schweizer Zeitung „Blick“. „Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab - eine regelrechte Explosion“, sagte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. „Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.“ Bereits am Mittwoch kommender Woche ist das Rückspiel in Monaco angesetzt. Am Samstag steht für die Borussia das Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an.

Kräfte bündeln

Schnell müssen die BVB-Profis ihre Konzentration bündeln. BVB-Präsident und Ligapräsident Reinhard Rauball äußerte die Hoffnung, dass das Team zu einer Trotzreaktion fähig sei. „Das wäre das Allerschlechteste, wenn durch eine derartige Handlung heute Abend diejenigen auch noch Erfolg haben, dass die Mannschaft sich beeinflussen lässt. Ich bin überzeugt, dass Trainer und Mannschaft genau den richtigen Weg gehen werden und morgen eine bestmögliche Leistung abrufen werden“, sagte Rauball.

Große Anteilnahme gab es aus der ganzen Sportwelt: Der FC Barcelona twitterte vor seinem Champions-League-Spiel bei Juventus Turin am Abend: „Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans“. Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng hoffte, dass „alle okay“, seien. Auch Schalke 04 drückte seine Anteilnahme aus. „In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen“, schrieben die Schalker.

In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen: #S04 wünscht @MarcBartra gute Besserung, allen Fans eine sichere Heimreise. #BVBASM

— FC Schalke 04 (@s04)

Der Ort der Explosionen wurde weiträumig abgesperrt. Die Mannschaft sollte zunächst mit einem anderen Bus zum Stadion gebracht werden. Mehrere Spieler hielten sich vor der Unterkunft auf. Nach der Absage kehrte das Team in das Hotel zurück, bevor die Spieler zu ihren Familien fuhren. Das für Mittwoch geplante öffentliche Training wurde abgesagt.

Material von dpa

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