1,3 Million Euro verschenkt – Das Finanzamt wusste offenbar von nichts

mlzLandgericht Bochum

Eine Frau aus Castrop-Rauxel bekommt von ihrer Mutter angeblich über eine Million Euro geschenkt – in bar. Jetzt stehen sie und ihr Mann vor Gericht. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung.

Castrop-Rauxel / Bochum

, 28.10.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den ersten Blick würde sicherlich niemand auf die Idee kommen, dass dieses Ehepaar steinreich sein soll: Als die 59-jährige Frau und ihr ein Jahr jüngerer Ehemann am Dienstag (27.10.) im Bochumer Landgericht erschienen, trugen sie Fleecejacken und übergroße T-Shirts. Ob sie sich extra für den Gerichtstermin so leger angezogen haben, um jeden Eindruck von Reichtum zu vermeiden, muss offen bleiben.

Schenkung von der Mutter

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar aus Castrop-Rauxel auf jeden Fall massive Steuerhinterziehung vor. Es geht allein um rund 1,3 Millionen Euro Bargeld, von dem das Finanzamt laut Anklage lange Zeit keine Ahnung hatte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte das Geld von ihrer Mutter geschenkt bekommen hat. Und zwar nachdem ihr Vater verstorben sei. Das war angeblich Ende 2011. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde der Betrag über viele Jahre hinweg von Mietkonten abgezogen und als Bargeld zur Seite gelegt. So wie es aussieht, verfügte die Familie nämlich über mehrere Immobilien.

Betrag nicht versteuert

Laut Anklage hätte die 59-Jährige die Schenkung spätestens drei Monate später dem Finanzamt anzeigen und den Betrag versteuern müssen. Nach Abzug von Freibetrag und Sicherheitsabschlag wären angeblich immer noch rund 150.000 Euro zusammengekommen, die dem Finanzamt als Schenkungssteuer zugestanden hätten. Doch diese Summe wurde bis heute nicht bezahlt.

Was Richter Markus van den Hövel auch sofort zum Anlass nahm, die Angeklagten darauf hinzuweisen, dass eine Schadenswiedergutmachung eine zu verhängende Strafe deutlich mildern würde. Natürlich nur im Falle einer Verurteilung.

Oldtimer, Motorräder, Modellautos

Das Geld soll die Castrop-Rauxelerin übrigens sofort an ihren Mann weitergeleitet haben – zur Finanzierung seiner teuren Hobbys. In der Anklage ist gleich von mehreren Sammlungen die Rede: von Motorrädern, Oldtimer-Autos, Kameras und Modellautos. Wörtlich hieß es dazu: „Sie überließ ihrem Mann schenkungsweise einen Großteil des Bargelds, um dessen Sammelleidenschaft zu unterstützen.“

Außerdem geht es vor Gericht um geschenkte Immobilien, die einen Wert von etwas mehr als 900.000 Euro gehabt haben sollen. Auch diese Schenkung wurde laut Anklage nicht versteuert.

Verteidiger zweifeln Berechnungen an

Das Ehepaar selbst äußerte sich zum Prozessauftakt vor der 2. Strafkammer des Bochumer Landgerichts noch nicht zu den Vorwürfen. Die Verteidiger ließen aber schon durchblicken, dass sie die Berechnungen der Steuerbehörde und des Finanzamts so nicht akzeptieren wollen.

An der Schenkung des Bargeld-Betrages besteht aber wohl kein Zweifel. Dieser Vorwurf soll wohl grundsätzlich eingeräumt werden.

Lesen Sie jetzt