15 Euro für den kürzesten Weg zum Arzt bezahlt

CASTROP-RAUXEL 15 Euro soll Sabine Ertel zahlen, weil sie am 21. August am Münsterplatz auf dem leeren Taxistand geparkt hat, um ihren 81-jährigen Vater - Dialysepatient - nach einem Oberschenkelhalsbruch zu Dr. Farazandeh zu bringen.

von Von Julia Grunschel

, 28.09.2007, 08:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Mein Vater kann gerade fünf, sechs Schritte gehen", regt sich Sabine Ertel über das Knöllchen auf, gegen das sie Widerspruch eingelegt hat. "Rund um die Praxis war kein Parkplatz zu bekommen, aber der lange Taxistreifen, auf dem mehrere Autos stehen können, war komplett frei", erinnert sich Ertel. In ihrer Not sah sie sich gezwungen, das Auto dort abzustellen. "Ich musste meinen Vater doch irgendwie auf kürzestem Weg in die Praxis bringen", erzählt sie.

Park-Dilemma

Da sie Kontrollen durch Politessen erwartete, legte sie die Parkerleichterung für schwerbehinderte Menschen, die ihr Vater hat, hinter die Windschutzscheibe. "Mir ist klar, dass damit so mancher sein Schindluder treibt, aber ich wusste mir nicht anders zu helfen", sagt die Frau. Doch der gelbe Schein half nicht, das Knöllchen kassierte sie.

In der Praxis von Dr. Faranzandeh besorgte sich Sabine Ertel eine Bescheinigung darüber, dass und wie lange sie mit ihrem Vater beim Arzt war. Am 5. September legte sie Widerspruch gegen das Knöllchen ein und schilderte ihr Park-Dilemma ausführlich. Doch im Ordnungsamt stieß sie auf taube Ohren. Der Widerspruch wurde abgelehnt. "Auch meine persönlichen, durchaus nachvollziehbaren Gründe könnten leider nicht dazu führen, eine zurecht erteilte Verwarnung einzustellen, hieß es", fasst die Recklinghäuserin zusammen und fragt sich ernsthaft: "Was hätte ich denn machen sollen?"

Frecher Vorschlag

Kurz anhalten, ihren Vater auf die Bank am Taxistand setzen, das Auto auf einem Parkplatz abstellen und den Vater holen - das schlug ihr ein Ordnungsamtsmitarbeiter in einem Telefonat vor. Diese Frechheit habe sie sprachlos gemacht, regt sich Ertel auf.

Die 15 Euro überwies sie gestern, um keinen Bußgeldbescheid zu bekommen. "Ich hatte gehofft, man würde Gnade vor Recht ergehen lassen und einer Angehörigen, die ihren schwerkranken Vater pflegt, nicht noch mehr Steine in den Weg legen."

Das Ordnungsamt selbst hält sich bedeckt. In einem laufenden Verwarngeldverfahren sei es aus Datenschutzgründen nicht möglich, öffentlich Stellung zu beziehen, hieß es im Rathaus.

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