22-jähriger Castrop-Rauxeler Dealer kommt mit blauem Auge davon

Landgericht Bochum

Das war knapp: Obwohl er im großen Stil mit Drogen gehandelt hat und dabei sogar eine Waffe im Spiel war, ist ein Azubi (22) aus Castrop-Rauxel am Bochumer Landgericht noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen – denn die Richter urteilten nach Jugendstrafrecht.

Castrop-Rauxel

, 15.11.2017, 17:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Am Bochumer Landgericht wurde ein junger Dealer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Am Bochumer Landgericht wurde ein junger Dealer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. © dpa

Zwei Jahre Jugendhaft auf Bewährung: So lautete das milde Urteil der 3. Strafkammer. Als Bewährungsauflage wurde einerseits festgelegt, dass der im Prozess voll geständige Drogendealer die von ihm bereits freiwillig begonnene Drogentherapie fortführen muss. Anderseits stellten die Richter den 22-Jährigen unter besondere Überwachung: Sie dürfen ihn nämlich laut Urteil künftig jederzeit spontan zu einem Drogentest schicken. Im Normalfall sieht das Gesetz bei Erwachsenen für bewaffneten Drogenhandel mindestens fünf Jahre Haft vor.

Gericht wendet „Gnaden-Vorschrift“ an

Dem 22-Jährigen kam am Ende jedoch eine Art „Gnaden-Vorschrift“ im Jugendgerichtsgesetz (JGG) zugute. Weil der Castrop-Rauxeler einen Großteil der Drogendeals noch als so genannter „Heranwachsender“ (unter 21) eingestielt hat, kam am Ende einheitlich das Jugendstrafrecht zum Zuge. Und danach sind die gesetzlichen Mindeststrafen, in diesem Fall fünf Jahre Haft, für die Richter nicht bindend. Im Prozess ging es um fast 70 Drogendeals, die allesamt durch einen WhatsApp-Chatverlauf rekonstruiert werden konnten. Danach hatte der 22-Jährige in Castrop-Rauxel und Umgebung knapp eineinhalb Jahre lang Marihuana und Ecstasy verkauft – teilweise an minderjährige Schüler. Am 11. Februar 2017 war der Mann aufgeflogen. Weil bei dem letzten Deal in seinem Rucksack ein Teleskopschlagstock gefunden werden konnte, lautete das Urteil auch auf bewaffneten Drogenhandel.

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