Die Lieferung ist da: Auf dutzenden Europaletten stapelt sich Donnerstag Toilettenpapier neben dem Ratssaal im Keller des Castrop-Rauxeler Rathauses. Anlass für eine Milchmädchen-Rechnung.

07.04.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Rathaus der Stadt Castrop-Rauxel werden pro Jahr etwa 22.000 Rollen Toilettenpapier verbraucht. Das wurde am Rande der Ratssitzung am Donnerstagabend in einer Unterbrechung für die Öffentlichkeit bekannt. Das wurde auch höchste Zeit...

Die Redaktion musste die Pressekabine der vierstündigen Ratssitzung für zehn Minuten verlassen, weil im Saal über eine Angelegenheit aus der Rechnungsprüfung debattiert wurde. Gelegenheit, mit einem der beiden Hausmeister, Axel Wittich, über die Lagerstätte im Außenbereich des Ratssaals im Untergeschoss des Rathauses zu sprechen: Wir wunderten uns über Toilettenpapier europalettenweise, der Reporter schätzte die Menge auf weit über 10.000.

Axel Wittich erklärte, dass es sich dabei in etwa um den Jahresverbrauch handle: 22.000 Rollen. Die rund 800 Mitarbeiter, die in der Stadtverwaltung im Rathaus selbst tätig sind, brauchen also...

Die Milchmädchen-Rechnung: Der Durchschnitts-Verbrauch

Genügend Zeit für eine grobe Rechnung blieb auch noch, die Pause dauert an: 22.000 bei grob 1000 Mitarbeitern (wenn wir die Besucher von Bürgerbüro, Jobcenter, Standesamt und anderer öffentlicher Behörden hinzuziehen), dann hat jeder Mitarbeiter pro Jahr 22 Rollen zur Verfügung. Bei grob 44 Dienstwochen im Jahr abzüglich Urlaub hat jeder Mitarbeiter eine Rolle also für zwei Arbeitswochen.

Und die Eigenschaften? Laut Verpackung hat das zweilagige Papier zwei von fünf Punkten bei Weichheit, drei von fünf für Rissfestigkeit, zwei von fünf bei der Weiße und vier von fünf Punkten in der Umweltverträglichkeit. Hier geht also offenbar Gewissen vor Gefühl.

Weitere Recherche zu diesem Thema? Keine Zeit!

Mit dieser investigativen Recherche im Kopf ging es zurück in die Pressekabine. Die Pause war sinnvoll und journalistisch überbrückt. Für weitere Recherchen wie „Wenn man all diese Rollen ausrollen würde, käme man 137 Mal von der Erde bis zum Mond und zurück“ war leider keine Zeit mehr. Da müssten wir schätzen – aber diese Arbeit kann nun mal unser Leser übernehmen.

Diese Geschichte ergab sich im Ernst während der Unterbrechung der Ratssitzung am Donnerstag, 4. April 2019, für die Öffentlichkeit, und entstand aus einem beiläufigen Gespräch mit dem Bürgermeister. Unser Reporter diktierte sie auf der Heimfahrt nach der Sitzung in sein Smartphone. Sie erscheint am 6. April 2019 in der Kolumne „Unter uns“, in der Woche für Woche Platz für Nachdenkliches, Kommentierendes oder manchmal auch Humoristisches ist.

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