25 Jahre Rasselbande: Von der Elterninitiative zum expansiven Unternehmen

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Beruf und Familie unter einen Hut bekommen: Das war ihr Antrieb. Angelika Kirstein gründete vor 25 Jahren in Castrop-Rauxel das Kinderhaus Rasselbande, heute eine der flexibelsten Kitas in NRW.

Castrop-Rauxel

, 08.11.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Oktober 1995 setzte Angelika Kirstein aus Castrop-Rauxel ihre Vorstellungen von zeitgemäßer und familienfreundlicher Kinderbetreuung in die Wirklichkeit um. Damals war Sie selbst Mutter von zwei Söhnen im Alter von einem und drei Jahren. Mit dem dritten Kind war sie gerade schwanger. Heute ist sie Geschäftsführerin der gemeinnützigen Kinderhaus Rasselbande GmbH, ihr erwachsener Sohn arbeitet in dem expansiven Unternehmen mit.

Angelika Kirstein, Gründerin und Erfinderin des Kinderhauses Rasselbande.

Angelika Kirstein, Gründerin und Erfinderin des Kinderhauses Rasselbande. © Tobias Weckenbrock

Angelika Kirstein stand vor der gleichen Herausforderung wie viele andere Mütter: Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Vor allem der Wunsch, nur dann Betreuung in Anspruch nehmen zu müssen, wenn diese auch wirklich benötigt wird, der veranlasste sie dazu, ein eigenes Angebot ins Leben zu rufen. Eines, das Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern schenken sollte.

So gründete sie in Castrop-Rauxel die Elterninitiative „Rasselbande e.V.“, die später in die „Kinderhaus Rasselbande GmbH“ umgewandelt wurde: der Beginn einer 25-jährigen Geschichte.

Freie Betreuungszeiten

Kernangebot der Elterninitiative war damals die Möglichkeit für Eltern, ihre Betreuungszeiten frei wählen zu können und nicht fest vorgegebene Zeitfenster nutzen zu müssen. Eltern sollten die Möglichkeit haben, die Betreuungszeiten ihrer Kinder monatlich anzupassen – besonders attraktiv für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten.

Die individuelle Stundentafel war erfunden. Diese Flexibilität bei der Verteilung der Stunden über die Woche, eine Randzeiten- oder Samstagsbetreuung kosten die Eltern einen Extra-Beitrag. Der ist aber überschaubar.

So sieht eine beispielhafte Stundentafel für die Betreuung eines Kindes im Kinderhaus Rasselbande aus: Donnerstag gar nicht, Dienstag von 8.30 Uhr bis 19 Uhr, Freitag von 12.30 bis 18 Uhr. Die Eltern buchen die 25 Stunden als Basiskontingent und buchen weitere Stunden monatsweise hinzu. Diese Flexibilität kostet einen Eigenanteil, aber liegt meist unter dem Satz, den Eltern für die Buchung von 35 Stunden nach Kibiz zahlen müssten.

So sieht eine beispielhafte Stundentafel für die Betreuung eines Kindes im Kinderhaus Rasselbande aus: Donnerstag gar nicht, Dienstag von 8.30 Uhr bis 19 Uhr, Freitag von 12.30 bis 18 Uhr. Die Eltern buchen die 25 Stunden als Basiskontingent und buchen weitere Stunden monatsweise hinzu. Diese Flexibilität kostet einen Eigenanteil, aber liegt meist unter dem Satz, den Eltern für die Buchung von 35 Stunden nach Kibiz zahlen müssten. © kinderhaus-rasselbande.de

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Auch die pädagogische Ausrichtung war bei der Rasselbande immer anders als in vielen anderen Kitas. Neben der offenen Arbeit, also dem Verzichten auf feste Gruppen, war die Merklinder Rasselbande damals vor allem mit dem Angebot der Betreuung für unter-dreijährige Kinder ihrer Zeit weit voraus.

„Hilf mir, es selbst zu tun“

„Hilf mir, es selbst zu tun“: Das ist bis heute der prägende Leitspruch im Kinderhaus Rasselbande. Die Kinder sollen und können im Alltag vieles selbst entscheiden: zum Beispiel, ob und wann sie am gleitenden Frühstück teilnehmen oder welches der im Morgenkreis vorgestellten pädagogischen Angebote sie wahrnehmen möchten.

2007 bei einer Gartenaktion der Rasselbande in Merklinde: Die Eltern waren gerade zu Beginn stark einbezogen in die Arbeiten, so, wie das bei einer Elterninitiative als Träger einer Kita eben so ist.

2007 bei einer Gartenaktion der Rasselbande in Merklinde: Die Eltern waren gerade zu Beginn stark einbezogen in die Arbeiten, so, wie das bei einer Elterninitiative als Träger einer Kita eben so ist. © privat

Das Personal nimmt dabei eine unterstützende und beobachtende Rolle ein. Den Kindern werde durch dieses Konzept Selbst- und Eigenständigkeit vermittelt, heißt es im pädagogischen Konzept. Ein offenes, das heute auch in anderen Einrichtungen weit verbreitet ist.

Das flexible Buchungssystem der Rasselbande wurde in den 25 Jahren stets weiterentwickelt. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das Angebot von Angelika Kirstein heute auch für Unternehmen interessant, die für ihre Mitarbeiter Vorteile bieten möchten.

Kontakt

2003 gründete Angelika Kirstein dafür eine weitere Firma: die do.it projekt-management GmbH & Co. KG. Sie berät Unternehmen zu Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kernangebot des Beratungsunternehmens ist der Aufbau von Unternehmensnetzwerken, die sich finanziell an neuen Rasselbande-Kinderhäusern beteiligen und sich so für ihre Mitarbeiterinnen Betreuungsplätze sichern. Jüngst umgesetzt zum Beispiel an der Holzstraße, wo in einem Trakt der Geros-Seniorenresidenz nun die zweite Rasselbande von Castrop-Rauxel zu Hause ist. Pflegepersonal von Geros, oft Mütter jüngerer Kinder, kann hier seine Kinder in die flexible Betreuung geben.

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Neben Projekten für das Arbeits- und Familienministerium NRW beriet Angelika Kirstein als Protagonistin auch zahlreiche Unternehmen im Saarland zur flexiblen Kinderbetreuung. Gemeinsam entwickelte man Betreuungslösungen für die Beschäftigten.

Kirstein arbeitete an neuem Kibiz mit

Zuletzt wirkte Kirstein im Beirat auf Landesebene daran mit, dass Aspekte der flexiblen Kinderbetreuung in eine neue, seit 1. August 2020 geltende Gesetzesgrundlage mit aufgenommen wurden.

Architektonisch ist eine der neusten Einrichtungen des Kinderhauses Rasselbande an der Adolph-Kolping-Straße in Schwerte-Westhofen ein Schmuckkästchen. Die Erfolgsgeschichte der Rasselbande begann vor 25 Jahren in Castrop-Rauxel.

Architektonisch ist eine der neusten Einrichtungen des Kinderhauses Rasselbande an der Adolph-Kolping-Straße in Schwerte-Westhofen ein Schmuckkästchen. Die Erfolgsgeschichte der Rasselbande begann vor 25 Jahren in Castrop-Rauxel. © Reinhard Schmitz

Heute, nach 25 Jahren, betreibt das Kinderhaus Rasselbande als Träger zehn Kitas in NRW. Rund 490 Kinder werden in Ahaus, Castrop-Rauxel, Dülmen, Gelsenkirchen, Grevenbroich, Recklinghausen, Schwerte und Vreden von 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Erweiterungen und neue Kinderhäuser seien derzeit in Planung, heißt es aus dem Rasselbande-Büro der Kirsteins in Merklinde.

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Per Gesetz (Kibiz) können Eltern ein Stundenkontingent von 25, 35 oder 45 Betreuungsstunden pro Monat nutzen und buchen das für ein ganzes Kita-Jahr. Wer sein Kontingent nicht voll ausschöpft, weil er zum Beispiel sein Kind nicht schon um 7 Uhr, sondern erst um 8.30 Uhr bringt, zahlt trotzdem den kompletten Elternbeitrag an die Stadt.

Eltern können Stunden ansparen und online buchen

Das Kinderhaus Rasselbande hat 2020 sein Buchungssystem dahingehend erweitert, dass Eltern die nicht genutzten Stunden ansparen und bei spontanem Mehrbedarf dann einsetzen können, wenn sie zusätzliche Betreuung benötigen. Dies sei ohne Mehrkosten möglich, heißt es aus der Rasselbande-Gesellschaft.

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Im Zuge dieser Erweiterung des Buchungssystems setze man vermehrt auf

Digitalisierung: Seit diesem Jahr können Eltern ihre Stundenbuchung in einem Elternportal online verwalten und monatlich anpassen.

„Innovation seit 25 Jahren“, nennt das Gründerin Angelika Kirstein. Und formuliert ihre Mission so: „Wir wollen eine Weiterentwicklung für Familien und Kinder und die Kinderbetreuungsinfrastruktur nicht nur in NRW mitgestalten.“

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