28-jähriger Syrer will als TV-Journalist Fuß fassen

Flüchtling in Castrop-Rauxel

Er war TV-Journalist in Syrien. Dann musste er vor dem Krieg flüchten und kam nach Deutschland. Jetzt lebt der 28-jährige Sehroo Sehab in Castrop-Rauxel. Der Mann will arbeiten, sich eine Basis für ein neues Leben schaffen. Gut ausgebildet ist er. Aber er spricht die deutsche Sprache nicht. Trotzdem geht er seinen Weg.

CASTROP-RAUXEL

, 10.01.2016, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kommunikation mit Sehroo Sehab funktioniert auf mehreren Ebenen. Mit Händen und Füßen, über Zeichnungen, über die Mimik, über seinen Freund Amer Sahan, der ein paar Brocken Deutsch und ein bisschen Englisch spricht.

Sehroo Sehab, ein Flüchtling aus Syrien, versucht mit allen Mitteln Fuß zu fassen in Castrop-Rauxel, seiner neuen Heimat. Sehroo Sehab ist seit vier Jahren Journalist und gar nicht so schlecht ausgebildet, wie viele über die Flüchtlinge behaupten. Schwierig ist es für den 28-Jährigen dennoch.

Das Leben neu ordnen

Was ist das für ein Mensch, der in seiner Heimat geordneten Verhältnissen nachging und sein Leben jetzt wieder ordnen muss, mitten in Castrop-Rauxel?

Arbeit. Das ist für Sehroo Sehab der erste Schlüssel zu einem neuen Leben. In der Europastadt will er wieder seinem Beruf nachgehen, den er in Syrien erlernt hat. Er will wieder Videos drehen und Fotos machen. Für den „GK-Channel“ in Syrien berichtete er über politische Themen, über bunte Geschichten, aber auch über den Krieg.

Arbeiten ohne Sprachkenntnisse

Aber wie soll das hier funktionieren, in Deutschland, ohne fundierte Sprachkenntnisse? „Notfalls erst einmal ohne Lohn, als Praktikant“, sagt der 28-Jährige.

Derzeit wohnt Sehroo Sehab zusammen mit elf weiteren Männern in einer Wohnung an der Wartburgstraße. Acht Syrer und vier Iraker teilen sich dort ein paar Zimmer. Gekannt haben sich die Männer vorher nicht. „Das Leben ist trotzdem gut dort“, sagt Sehroo  Sehabs Mitbewohner Amer Sahan, der in Syrien als Ingenieur arbeitete. „Welche Wahl haben wir sonst?“, fügt er an.

Gefährliche Flucht

Seit Juli 2015 lebt Sehroo Sehab in Castrop-Rauxel. Seine gefährliche Reise nach Deutschland begann im nordsyrischen Amude, seinem Heimatdorf, das in Sichtweite zur türkischen Grenze liegt. Über Kobane, der syrischen Kurdenhochburg, reiste er in die Türkei. Von dort aus wagte er sich in einer berüchtigten wie gefährlichen Schlauchbootüberfahrt auf die griechische Ferieninsel Kos.

Mit einem großen Kreuzfahrtschiff folgte die Überfahrt nach Athen, von wo aus Sehroo Sehab über die sogenannte Balkanroute – Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich – nach Deutschland reiste. In das gelobte Land.

Warum Deutschland?

Und warum sollte es gerade Deutschland sein? „Hier haben wir Freunde und wir wussten, dass die Regierung uns Flüchtlinge aufnimmt, uns vor dem Krieg beschützen würde“, sagt Sehroo Sehab. Seine Frau mit den zwei Töchterchen hat er in Syrien zurücklassen müssen. Zu gefährlich wäre die Reise gewesen. So schnell wie möglich sollen sie aber nach Deutschland kommen. Am besten mit dem Flugzeug oder dem Schiff.

Inzwischen hat Sehroo Sehab erste Kontakte in Castrop-Rauxel geknüpft. Beim Bürgerfernsehkanal CasTV machte der 28-Jährige seine ersten journalistischen Schritte auf deutschem Boden. Schneiden, Filmen, Fotografieren – das Handwerk beherrscht er.

Kommunikation ohne Worte

Das weiß auch CasTV-Vorsitzender Jochen Affeldt. „Man braucht ihm nur eine Kamera in die Hand zu drücken und er weiß, was zu tun ist – er macht einfach tolle Aufnahmen“, sagt Affeldt.

Demnächst wolle Sehroo Sehab einen Film drehen, für junge, arabischstämmige Flüchtlinge. Darin wolle er ihnen beibringen, wie das Leben in Deutschland sein kann. Die Kommunikation mit Händen und Füßen, sie mag für Sehroo Sehab funktionieren. Viel eher aber spricht der leidenschaftliche Fotograf durch Linse und Objektiv.    

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