30 Jahre aktiv für Menschen, die Probleme mit Drogen haben - Franz Niewelt im Interview

HABINGHORST „Da bin ich mal weg“, sagt Franz Niewelt (58). Das bedeutet für den langjährigen Chef der Drob den Ausstieg aus dem Job. Im Interview mit Ilse-Marie Schlehenkamp erzählt Franz Niewelt aus seinem fast 30-jährigen Dienstleben.

von Von Ilse-Marie Schlehenkamp

, 03.03.2009, 16:23 Uhr / Lesedauer: 3 min
30 Jahre aktiv für Menschen, die Probleme mit Drogen haben - Franz Niewelt im Interview

Franz Niewelt, eine Erinnerung: "Unterwegs mit 200 Jahren Heroinerfahrung und einem Köfferchen Methadon".

Man muss loslassen können. Sonst würde man in der Gänze verrückt. Wenn Du Dich mit jedem Einzelnen voll emotional engagieren würdest, geht das nicht. Naütürlich bist Du voller Trauer und fühlst mit auf der Beerdigung von Klienten, denkst, schade, dass es so gekommen ist, wenn Du versuchst hast, gemeinsam eine Perspektive zu finden, einen Weg, zu überleben – auch mit Drogen.

Sie ist als eine der ersten Zehn in NRW 1972 in Recklinghausen eingerichtet worden. Damals gab es eine Groß-Disko in Recklinghausen, sie galt als Szene-Treffpunkt der Jugendkultur. Damals wurde die Drob gegründet als verlängerter Arm der Jugendhilfe, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Menschen zu anderen Drogen griffen als Bier, Wein und Zigaretten. Damals dachte man, das sei in ein paar Monaten vorbei, es ging ums Kiffen, der Markt hatte schnell seine Unschuld verloren, dann war Schluss mit lustig.

Da war Heroin das dominierende Thema. Wir in Hochlarmark bemühten uns, den Klienten mit offenen Armen anzunehmen, Drogenhilfe war immer mit Jugend- und Kulturarbeit verbunden, Hauptsache, wir hatten Projekte wie Teppichknüpfen oder Musik machen im Keller, bei den Hippies von damals war es so, dass sie Postbeamte wurden oder andere gesellschaftliche Koordinaten fanden, der Nachwuchs im Drogenbereich hatte anderen Bedarf wie Entgiftung oder Knastvermeidung.

Was das Land angeht, hatten wir riesige Hilfe. Der damalige Landesdrogenbeauftragte Hüsken hat uns richtig nach vorne gebracht, er unterstützte auch niederschwellige Angebote wie das Kam In in Ickern, da waren wir in NRW mit die Vorreiter. Der Kreis hat eine Stelle für Nachsorge eingerichtet, mit der Stadt gabs Theater wegen des Automaten für Einwegspritzen und Kondome.

Aber sicher, der ist jetzt am Bunker in der Altstadt. Nicht mehr in Ickern, an der Ecke Recklinghauser- /Vinckestraße.

Wir haben es verlagert, statt an der Hugostraße ist es jetzt in Recklinghausen installiert, aber es läuft nach wie vor. 2008 haben wir 32 000 Spritzen im Tausch zurück bekommen. Wir verstehen unser Angebot immer als pragmatisch, unsere Fahrrouten stehen im Internet. Wir warten nicht auf den goldenen Regen, wir entwickeln Eigeninitiative. Wie bei der Substitution. Auch dabei gab es Gegenstimmen. Wir haben die Substitution mit Methadon begriffen als Möglichkeit, um die Klienten, für die Abstinenz kein Weg ist, in der Spur zu halten. Damit bin ich vor die Betonwände der Verwaltung geknallt, bis es Haarrisse gab, an denen ich einhaken konnte.

Als wirs möglich gemacht haben, mit den Klienten Exkursionen zu unternehmen, raus aus dem Trott, nach Holland und Spanien. Unterwegs mit 200 Jahren Heroinerfahrung und einem Köfferchen Methadon. Im Ernst: das Leben mit den Klienten anders anzugehen, in der Gemeinschaft ihnen andere Möglichkeiten aufzuzeigen.

Wir sind Dienstleister. Wir bieten das Rund-um-Programm an Begleitung und Beratung. Wir sind der kurze Weg für alle Betroffenen und ihre Angehörigen, und wir arbeiten in der Prophylaxe, in der Aufklärung. Wir haben keine Wartezeiten. Wir sind da, wenn wir gebraucht werden. Wir sind nicht der gnadenlose Anwalt der Entrechteten, sondern versuchen, uns einzufühlen, in die Interessenlage von Abhängigen. Um eine Perspektive aufzuzeigen.

Viel. Die harten Drogen sind seit der Substition nicht mehr das beherrschende Thema. Heute kommen viele Eltern zu uns, die mit dem Kiffen ihrer Kinder nicht mehr klar kommen und Hilfe suchen.

15 bis über 62. Darunter solche, die sagen, das mit dem Kiffen hätten sie im Griff, aber das mit dem Alkohol kriegten sie nicht auf die Reihe.

Etwa 500. Sie bedeuten ganz viel Beratungs- und Begleitungsarbeit. Darüberhinaus rund 150 Familienangehörige und Lebenspartner. Für sie haben wir neue Programme entwickelt.

Die Zeit der repressiven Politik ist vorbei. Es gibt eine hohe Akzeptanz der unterschiedlichen Arbeitsansätze. Die Polizei tut ihre Arbeit, wir unsere. Wir akzeptieren wechselseitig unseren Job. Die früheren Ressintements sind Schnee von gestern. Außerdem haben wir ein Zeugnisverweigerungsrecht.

1. Der Schwerpunkt liegt auf Familie und Kulturarbeit, die Arbeit von „Save the planet“ ist mir wichtig. Und ich will gucken, was soziokulturell auf den Weg gebracht werden kann. 2. Mit grünem Tee. Oder mit Mate, nach südamerikanischer Art getrunken. Da kannst du voll durchstarten.

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