64-jähriger Bau-Unternehmer zu Geldstrafe verurteilt

CASTROP-RAUXEL Die schleppende Zahlungsmoral einiger Auftraggeber hatte dem kleinen Bau-Unternehmen den Rest gegeben: Trotz guter Auftragslage geriet die Firma des 64-jährigen Angeklagten ins Trudeln, musste schließlich Insolvenz anmelden. Ans Aufgeben dachte er allerdings nicht.

von Von Gabriele Regener

, 24.06.2008, 15:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
750 Euro muss der verurteilte Stiefvater zahlen.

750 Euro muss der verurteilte Stiefvater zahlen.

Denn da die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt, hatte der Mann im Jahr 2006 die Sozialabgaben für seine beiden Arbeiter nicht bezahlt, hatte auf Begleichung der Außenstände gehofft. Stattdessen Insolvenz. Aufgeben wollte er noch immer nicht und fand sein – vermeintliches – Glück im Internet. Bei Ebay. Ersteigerte ein „Rundum-sorglos-Paket“. 

Das „Sorglos“-Paket, das der Angeklagte ersteigerte, sah so aus: Geboten wurde die Gründung einer Firma nach britischem Recht, eine „Ltd“. Gegründet wurde die Firma durch einen Berliner Rechtsanwalt, Firmensitz war Cardiff in Cornwall, dem Europastädter wurde eine Generalvollmacht erteilt. „Ich habe Aufträge eingeholt, Arbeiter eingestellt und Material gekauft“, umriss er im Amtsgericht seine Tätigkeiten.

30.000 Euro Abbuchung Die Finanzen seien in Berlin abgewickelt worden. Und genau da hat es gehakt. Wieder wurden Sozialabgaben nicht gezahlt, was den Fall vor das Gericht gebracht hat. Lohn gab es auch nicht. Dafür eine Abbuchung von 30.000 Euro vom Firmenkonto, was das Gros eines Geldeingangs ausmachte, für die die Castroper „Limited“ umfangreiche Arbeiten geleistet hatte. Der Angeklagte ging leer aus, die zweite Insolvenz war nicht abzuwenden. Jetzt ist der Mann wohl endgültig am Ende. Ist arbeitslos. Im Gegensatz zu der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung forderte, ließ der Amtsrichter Milde walten. Er verhängte eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je zehn Euro. Die muss der Angeklagte nur zahlen, wenn er es innerhalb von zwei Jahren nicht schafft, den beiden geschädigten Krankenkassen je 500 Euro zu zahlen und darüber hinaus Sozialarbeit zu leisten.

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