70.000 englische Fans und eine Macherin mittendrin: Wer ist die TBG Bettina Lenort?

mlzTechnische Beigeordnete

Bettina Lenort ist die erste weibliche Technische Beigeordnete in Castrop-Rauxel. Nach Wahl-Wirbel ist die Frage nun: Wie ist sie? Aus Gelsenkirchen kommen Vorschuss-Lorbeeren.

Castrop-Rauxel

, 27.07.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ließ aufhorchen im Rat: Bettina Lenort nannte die Diskussion um ihre Bewerbung und die Stellenbesetzung des Technischen Beigeordneten Anfang Juli „irritierend“. „Hätte ich nicht so ein dickes Fell“, sagte die Henrichenburgerin kurz vor ihrer Wahl im Rat, „andere wären vielleicht schon gegangen.“

Ein krachender Start in ihre achtjährige Amtszeit an der Spitze der Bereiche Bauen und Stadtplanung, Immobilienmanagement und Vermessung. „Treten Sie zur Wahl an?“, hatte Bürgermeister Rajko Kravanja Bettina Lenort gefragt. Das „Ja“ kam erst am Ende ihrer kurzen Rede: „Ich bleibe bis hier und bin gespannt auf das Ende der Wahl.“ Lenort wurde gewählt - mit 36 Ja-Stimmen bei 10 Gegenstimmen und einer Enthaltung. Sie war die einzige Kandidatin.

Aber wer ist diese Frau eigentlich?

Diplom-Ingenieurin Bettina Lenort arbeitet seit 2000 in Führungspositionen bei der Stadt Gelsenkirchen. Zuvor war sie vier Jahre im Dortmunder Stadtbauamt. „Sie hat sich in stadtübergreifenden Arbeitskreisen, Fachkommissionen, Versammlungen sowie bei mehreren Projekten und Vorhaben einen Namen als hoch qualifizierte Fachfrau gemacht“: Das formuliert die Pressestelle der Stadt Gelsenkirchen auf Anfrage.

Die jetzigen Entscheider, die Ratspolitiker in Castrop-Rauxel, fanden nach den Vorstellungsgesprächen, „sie geht keiner Frage aus dem Weg“, sei „sehr motiviert, bezieht Stellung, zeigt keinerlei Scheu vor schwierigen Aufgaben“. Auch „Frau mit Format“, die „frischen Wind“ ins Rathaus bringe und „die Bürger mitnimmt“ sowie „taff“ und „hochqualifiziert“ waren Attribute der Ratspolitiker.

Wirbel um die Wahl im Stadtrat

Wirbel um die Wahl hatten die Grünen ausgelöst. Sie wunderten sich über das Vorgehen von SPD und CDU, die wenige Tage zuvor ein Schreiben veröffentlichten, in dem ihre Ja-Stimmen zugesagt wurden. „Zum Schutz der Kandidatin, die gewählt wird, wollen wir den Antrag stellen, das Bewerbungsverfahren neu aufzurollen - mitsamt einer neuen Ausschreibung“, sagte Grünen-Chef Wagener. Personenwahlen seien geheim, eine bestimmte Person vorzuschlagen sei „unüblich“.

70.000 englische Fans und eine Macherin mittendrin: Wer ist die TBG Bettina Lenort?

Bettina Lenort ist die neue Technische Beigeordnete in Castrop-Rauxel. Der Rat wählte sie mit deutlicher Mehrheit. © Tobias Weckenbrock

Bürgermeister Rajko Kravanja sagte, dass der Rat „ein ganz schlechtes Bild abgebe“, es „ein Trauerspiel“ sei und er „sich dafür schäme“. Nils Bettinger (FDP) meinte, dass der Bürgermeister „Kritik am Verfahren aushalten“ müsse.

Schnee von gestern, zurück zur Person: Sie habe maßgeblichen Anteil am Gelingen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Gelsenkirchen gehabt. Zu der Zeit war Lenort Abteilungsleiterin Verkehr und hatte die Projektleitung zur WM für den Bereich Transport und Verkehr.

Erlebnis mit 70.000 englischen Fußballfans

Seit der WM gehörte sie dem ständigen Verwaltungsstab und Krisenstab der Stadt an. „Mit ihrer ruhigen, besonnenen, aber auch bestimmten Art wurden auch nicht vorhersehbare Ereignisse gemeistert“, so Oliver Schäfer von der Pressestelle der Stadt. 70.000 englische Fußball-Fans reisten zum Viertelfinale an. „Man konnte sehen, wie effizient Verwaltung und die vielen ehrenamtlich mitarbeitenden Bürger zusammenarbeiten können. Das hat zum Super-Ereignis Fußball-WM beigetragen.“

Ein Glanzstück, findet Schäfer noch heute, und berichtet von einem besonderen Ereignis: „Wir saßen im Krisenstab in der Feuerwache an der Seestraße zusammen. Da erfuhren wir, dass die Engländer sich zu Fuß von der Glückauf-Kamfbahn aus über die Kurt-Schumacher-Straße zur Arena aufmachen.“ Lenort sagte: „Dann begleiten wir das halt! Wir gehen mit!“ Sie selbst ging vorweg.

Kita-Ausbau, Green-City-Plan und ein Bedauern

2011 übernahm Bettina Lenort die Referatsleitung Hochbau und Liegenschaften. Offensiv betrieb sie unter anderem den Neu- und Ausbau vieler Kindertagesstätten und die Sanierung von Schulen. 2016 wurde die Henrichenburgerin vom Kapitänsweg Referatsleiterin Verkehr. Der Blick der Stadtverwaltung fiel auf Vereinbarkeit von Mobilität, Stadtentwicklung, Klimaschutz und Luftreinhaltung. Ein Green-City-Plan, verabschiedet 2018, schuf eine Grundlage für ein „wegweisendes Mobilitätskonzept“, heißt es.

„Die Stadt Gelsenkirchen bedauert den Weggang sehr“, so Oliver Schäfer, „ist aber dankbar für ihre wertvolle Arbeit.“ Im August soll sie dort wohl noch ein paar Dinge zu Ende bringen, so der stellvertretende Pressesprecher. Dann kann sie sich Castrop-Rauxel widmen.

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