Abgetaucht im Corona-Schwall: Was ist mit CDU-Bürgermeisterkandidat Lind?

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Ist es die Corona-Krise? Sind es fehlende Themen? CDU-Bürgermeisterkandidat Oliver Lind müsste jetzt voll im Wahlkampf-Modus sein. Doch man hört wenig von ihm. Warum? Er nennt mehrere Gründe.

Castrop-Rauxel

, 18.06.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo ist Oliver Lind? Auf den Punkt gebracht kann man die Fragen an unsere Redaktion aus der politisch interessierten Stadtgesellschaft so verknappen. Der CDU-Bürgermeisterkandidat und aussichtsreichste Kontrahent des amtierenden SPD-Mannes Rajko Kravanja ist deutlich weniger öffentlich präsent. Ist es seine Strategie, die Themen die Hauptrolle spielen zu lassen und nicht die Person? Ist es die Corona-Pandemie, die alles überdeckt? Oder ist etwas anderes?

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Ja, sagt Oliver Lind am Telefon: Er sei eher der Mann der Themen als der Home-Story. „Und ich bin für Hinweise dankbar, was man in Corona-Zeiten machen soll. Der Amtsinhaber ist im Vorteil, er kann in Krisenzeiten glänzen“, so Lind. „Aber wir haben ein gutes Programm und eine Kampagne vorbereitet.“

„Die Zeit wird für uns sprechen“

Keine drei Monate sind es mehr bis zur Wahl am 13. September. Dann geben die Castrop-Rauxeler ihre Stimme ab für eine Partei im Kreistag und im Stadtrat, für den Landrat und für den Bürgermeister. „Die Zeit wird inhaltlich für uns sprechen“, mutmaßt Lind: „Im nächsten Monat werden wir über Jobs und die Frage reden, wie wir unsere freiwilligen Leistungen, die wenigen, die wir noch finanzieren können, verwenden.“

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Am Thema Camas habe er just gezeigt, „dass wir weiter kommen müssen. Ich habe schon in meiner Antrittsrede gesagt, dass nun die Zeit kommt, in der wir in die Rezession schlittern.“ Jetzt müsse man die Xscape-Fläche an der A42 / B235 entwickeln. „Denn wir können Unternehmern ja in dieser Phase nicht erklären, was alles nicht geht.“

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Lind sagt: Wenn er dort Betriebe ansiedeln könne, Regionalplan hin oder her, die Menschen beschäftigen wollen, „dann sind sie mir dreimal lieber als ein Ikea“. Dessen vermeintliches Ansiedlungsinteresse sei damals nur als Druckmittel eingesetzt worden, um die Fläche entwickeln zu können. Und noch viel lieber als eine Skihalle, die damals im Xscape-Plan angedacht war. „Das produzierende Gewerbe muss eine neue Lobby bekommen“, findet Lind.

„Wir hatten keine Termine“

Er scheue keine öffentlichkeitswirksamen Termine, um sich als Person zu positionieren. „Aber wir hatten ja keine“, sagt Lind. Und zu Themen wie dem Gänsekot-Problem am Gondelteich, die die CDU selbst medienwirksam verfolgt, aber oft Fraktionschef Michael Breilmann als Hauptakteur zitiert, sagt der Baurechts-Fachmann: „Ich will diese Probleme nicht schmälern, vielleicht muss ich mich da auch ändern. Ich stehe dann nicht jeden Tag in der Zeitung, aber ich habe eben mehr Spaß, mit Herrn [Camas-Chef Markus, Anm. d. Red.] Schmudde eine Stunde lang über eine Ansiedlung des Betriebes Camas nachzudenken, als mit unserem Staatssekretär die Henrichenburg zu besuchen.“

Die Xscape-Fläche sei für ihn zentral - „und jeder Job, den man hier ansiedeln kann“. Dazu wiederholt er, dass Castrop-Rauxel die einzige Stadt dieser Größe sei, die keine schlagkräftige Standort- und Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft habe.

Der Corona-Modus überdecke seine Arbeit. „Aber das Ende ist ja nahe, die zweite Welle, die kommt, wird wohl eine Pleitewelle sein“, so Lind. „Daher gehe ich davon aus, dass unsere Themen Arbeitsplätze und Entwicklungsmöglichkeiten in Castrop-Rauxel an Bedeutung gewinnen.“

Der verheißungsvolle Start mit dem „Lind-Plan“

Anfang Januar schien es, als wäre der Wahlkampf eröffnet: Oliver Lind brachte sich im Fall der Alten Eiche in Stellung. Öffentlich hob die CDU ihn auf den Eichenretter-Schild. Der „Lind-Plan“ machte die Runde. „Wir haben gezeigt, dass man in vernünftiger Verhandlung mit einem Vorhabenträger etwas erreichen kann“, sagte Lind damals und wiederholt es heute, da es still um ihn geworden ist.

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„Warum ist das nicht schon vorher geschehen? Unser Politikansatz ist: Es soll nicht alles schon unterschriftsreif sein, ehe es in die Politik kommt. Wir wollen Stadtgestaltung anders aufstellen: über grobe Ziele öffentlich diskutieren und dann in die Einzelplanung einsteigen.“

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