Abgetauchte Männer - Ehemalige Schiffshebewerker trafen sich wieder

Mitarbeitertreffen

HENRICHENBURG Alle drei, vier Wochen ging Artur Gartz einst am Alten Schiffshebewerk auf Tauchstation. Das ist jetzt rund ein halbes Jahrhundert her. Aber wenn er davon erzählt, leuchten auch heute noch seine Augen. „Ich war immer gerne unten“, sagt der 78-Jährige aus Meckinghoven. Nun haben sich die ehemaligen Mitarbeiter des Hebewerkes zum ersten Mal wieder getroffen.

von Von Markus Wessling

, 13.10.2009, 13:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Artur Gartz (r.) mit seinen ehemaligen Kollegen vor der Kulisse des Alten Schiffshebewerkes.

Artur Gartz (r.) mit seinen ehemaligen Kollegen vor der Kulisse des Alten Schiffshebewerkes.

Mit dabei war auch Artur Gartz. Zu seinen Aufgaben gehörte es, eine schmale Schlammrinne vor den Hebewerkstoren zu säubern, in der sich Dreck angesammelt hatte. Im schweren Taucheranzug („180 Pfund hat der inklusive der Gewichte wohl gewogen“) und per Sprechfunk mit dem Kollegen an Land verbunden, tauchte er die rund 3,50 Meter hinab, bugsierte den Dreck mit einer Kohleschüppe in einen Eimer, der dann an einem Seil hochgezogen wurde. Kollege und Freund Wilfried Gomann (heute 82) stand oben, nahm den Eimer entgegen, passte auf, dass nichts passierte. Beim nächsten Mal wurden die Rollen getauscht, denn tauchen wollte jeder mal: „Das war wie eine Sucht“, sagt Gomann.

Ganz ungefährlich war die Arbeit nicht: Bei einem Tauchgang hat sich Artur Gartz mal mit einer kaputten Bierflasche das Handgelenk verletzt. „Unter Wasser hat der Druck das Blut zunächst zurückgehalten. Als ich dann an Land war, hat es dann richtig gespritzt“, erinnert sich Gartz. „Im Krankenhaus hat die Schwester dann jede Menge Jod auf die Wunde geschmiert.“ So schmerzhaft das damals gewesen sein muss – heute können Gartz und Gomann über die Geschichte lachen: „Jaja, du hast öfter ’ne Flasche Bier mit da runter genommen“, stichelt Wilfried Gomann seinen Kollegen von damals.

Nicht nur zum Reinigen waren Gartz und Gomann als Taucher eingesetzt. „Wir hatten eigentlich schon Feierabend, da sind wir zu einem Einsatz nach Herne gerufen worden“, erinnert sich Gartz. Es galt, einen nagelneuen Opel Kadett, der erst 300 Kilometer auf dem Tacho hatte, zu bergen. „Da war die Polizei und hat gesagt, wir sollten mal gucken, ob wir Leichen im Wasser finden.“ Sie fanden zum Glück keine. Später stellte sich heraus: Das Auto war gestohlen worden, der Dieb hatte den Tank leer gefahren und den Kadett kann in den Kanal rollen lassen. Auch mit Schneide- und Schweißwerkzeug waren die Taucher unter Wasser – etwa, wenn sich ein Seil in einer Schiffsschraube verfangen hatte.

Doch Gartz und Gomann hatten noch viele andere Aufgaben. Sie haben noch die Zeiten erlebt, als das staatliche Schlepper-Monopol bestand: Dampfbetriebene Schlepper brachten Verbände von je drei bis fünf Kähnen zum Hebewerk, wo sich dann die dort beschäftigte Mannschaft ihrer annahm. Erinnerungen an diese Zeit tauschten die Ex-Hebewerker auf Einladung von Willi Pollmüller (72) aus. Er hatte die Adressen recherchiert. „Ich hab’ ein paar Leute vergessen“, hat Pollmüller jetzt festgestellt. Heißt: Es wird bald noch ein Treffen geben. Museumsleiter Herbert Niewerth freut sich schon drauf. Und Gartz und Gomann sind dann sicher wieder mit von der Partie.

Lesen Sie jetzt