Abitur in Zeiten des Coronavirus: Schulen fahren „immer auf Sicht“

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Seit 13. März sind die Schulen geschlossen. 14 Tage später verschiebt das Schulministerium das Abitur in den Mai. Was heißt das für die Gymnasien und die Gesamtschule in Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel

, 03.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diesen Freitag, den 13., werden Schüler und Lehrer so schnell nicht vergessen. Während des Unterrichts verkündet die Landesregierung die sofortige Schließung aller Schulen wegen des Coronavirus. Für die Abiturienten am Adalbert-Stifter-Gymnasium (ASG) und am Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) sowie an der Willy-Brandt-Gesamtschule (WBG) war es der letzte Unterrichtstag. Ende, Aus – von jetzt auf gleich.

Genau zwei Wochen später verkündete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die Verschiebung des Abiturs um drei Wochen – mit Unterricht nach den Osterferien.

Wie organisieren die drei Schulen mit Oberstufe in der Europastadt die überraschende Situation? Wann gibt es die Vorklausuren zurück? Was bedeutet die Verschiebung für die Zeitplanung bis zum Entlasstag?

Schulen interpretieren das Betretungsverbot unterschiedlich

„Alle Schülerinnen und Schüler der Q2 haben die Vorklausuren längst geschrieben“, sagt Joachim Höck auf Anfrage der Redaktion. Wann sie die Klausuren zurückbekommen, sei noch offen, sagt der Leiter des Adalbert-Stifter-Gymnasiums (ASG). Derzeit dürften die Schulen nicht betreten werden. Das ASG werde auch keine Sonderaktion wie an einem Dortmunder Gymnasium starten.

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„Wir wollen erst gar keinen Anlass bieten, dass sich Gruppen bilden.“ Und damit gegen das Kontaktverbot verstoßen. Die Beratungslehrer hätten aber mittlerweile alle Schüler angerufen und sie über den Leistungsstand informiert. „Das war eine ziemlich aufwändige Aktion.“

Joachim Höck ist seit August 2019 Schulleiter am Adalbert-Stifter-Gymnasium.

Joachim Höck ist seit August 2019 Schulleiter am Adalbert-Stifter-Gymnasium. © Matthias Stachelhaus

Pragmatisch hat das EBG die Rückgabe der Vorklausuren und auch der Klassenarbeiten der anderen Jahrgangsstufen organisiert. Die Schüler konnten die korrigierten Arbeiten gegen Unterschrift im Sekretariat abholen. „So eng haben wir das Betretungsverbot nicht ausgelegt“, sagt Schulleiter Dr. Friedrich Mayer.

Es gab keinen Konflikt mit dem Kontaktverbot

„Es findet ja auch eine Betreuung statt und Schulbescheinigungen müssen ausgestellt werden.“ Konflikte mit dem Kontaktverbot habe es nicht gegeben. „Wenn mal zwei Schüler zusammen kamen, war das schon die Ausnahme.“ Das Kollegium des EBG habe es „für wichtiger gehalten, dass die Schüler informiert werden, wie sie abgeschnitten haben“.

An der Willy-Brandt-Gesamtschule hatten die meisten der 52 Abiturienten ihre Vorklausuren bereits korrigiert zurück bekommen, erklärt Heinz-Hermann Tophoven. Den geringen Rest will der Abteilungsleiter für die Sekundarstufe II den Schülern am 8. Mai zurückgeben. Dann erfahren sie, ob sie für das Abitur zugelassen sind. Tags zuvor tagt der Zentrale Abiturausschuss.

Abi 2020: Der neue Zeitplan

  • Am Mittwoch (1.4.) hat das Schulministerium NRW den neuen Zeitplan für das Abitur 2020 veröffebntlicht.
  • Do, 7.5.: Erste Sitzung Zentraler Abiturausschuss (Entscheidung über die Zulassung)
  • Fr, 8.5.: letzter Schultag
  • Di, 12.- Mo, 25.5.: schriftliche Abiturprüfungen in den einzelnen Fächern.
  • Di, 26.5.-Di, 9.6.: Nachschreibtermine in den einzelnen Fächern.
  • ab Di, 26.5.: mündliche Prüfung 4. Abiturfach
  • Fr, 26.6.: letzter Tag der mündlichen Prüfung 1. bis 3. Abiturfach
  • Sa, 27.6.: letzter Tag Zeugnisausgabe
Vorbereitung in kleinen Lerngruppen

Wie es nach den Osterferien weiter geht, weiß niemand im Land sicher. Joachim Höck hofft darauf, dass nach dem 20. April der Schulbetrieb wieder anläuft. Am ASG gibt es für die Abiturienten zwei Szenarien: die Wiederaufnahme des Unterrichts bis zu den Prüfungen nach Stundenplan oder eine Vorbereitung in kleinen Lerngruppen entsprechend der Prüfungsfächer.

Dr. Friedrich Mayer, Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, fährt bei den weiteren Planungen des Abiturs "auf Sicht".

Dr. Friedrich Mayer, Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, fährt bei den weiteren Planungen des Abiturs "auf Sicht". © Thomas Schroeter

Solange stünden die Fachlehrer mit den Abiturienten in Kontakt und versorgen sie mit speziellen Aufgaben. Aufgrund des verdichteten Prüfungszeitraums habe Höck Lehrer und Abiturienten aufgefordert, schon jetzt auch mit der Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen zu beginnen.

Schulleiter hofft auf einheitliche Regelung

Dr. Friedrich Mayer hofft für die drei Wochen zwischen Ferienende und Beginn der Abi-Prüfungen auf eine einheitliche Regelung des Schulministeriums, wie der Unterricht für die Abiturienten erfolgen soll. Generell macht er sich um den Prüfungserfolg dieses Ausnahmejahrgangs keine Sorgen. „Das wird schon werden, sofern die Schüler in die Schule kommen dürfen.“

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