Abzocke im Mobilfunkshop? Castrop-Rauxeler Ehepaar erhebt schwere Vorwürfe

mlzVerbraucherzentrale warnt

Ein Ehepaar erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Mobilfunkshop in der Castrop-Rauxeler Innenstadt. Laut Verbraucherzentrale ist das betroffene Geschäft schon mehrfach auffällig geworden.

Castrop-Rauxel

, 18.11.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Menschen ziehen die persönliche Kaufberatung der Online-Variante vor. So auch Horst und Waltraud Parucha aus Henrichenburg. Das Ehepaar schloss in einem Mobilfunkshop in der Innenstadt trotz eines bestehenden Kabel-Vertrages einen zusätzlichen DSL-Vertrag ab. Ein Widerrufsrecht? Fehlanzeige. Bei der Verbraucherzentrale ist das Geschäft bestens bekannt.

Schwierigkeiten mit der Vodafone-Abrechnung

Mitte September besuchten Horst und Waltraud Parucha den Telekom-Shop an der Münsterstraße in Castrop-Rauxel. Weil sie sich über eine mögliche Alternative zu ihrem im Juni 2021 auslaufenden Vodafone-Vertrag informieren wollten, ließen sich die beiden Henrichenburger neu beraten.

„Wir haben den Vodafone-Vertrag im Jahr 2015 abgeschlossen und sind auch eigentlich sehr zufrieden, aber weil wir jetzt einige Schwierigkeiten mit der Abrechnung hatten, haben wir zuerst mit Vodafone gesprochen und wollten uns anschließend bei der Telekom nach einem ähnlichen Vertrag erkundigen“, erklärt der 81-jährige Horst Parucha.

Im Telekom-Shop habe man ihnen dann mitgeteilt, dass man den aktuellen Vodafone-Vertrag zweifellos kündigen und direkt einen neuen DSL-Vertrag einrichten könne. „Wir hatten dann noch einen Arzttermin und waren etwas in Eile, deshalb habe ich darum gebeten, später noch einmal vorbeikommen zu können und dann zu unterschreiben“, so Waltraud Parucha.

Vorkommnisse sind kein Einzelfall

Daraufhin habe der Mitarbeiter sie aber derart zu einer Unterschrift gedrängt, dass sie ohne weitere Überlegungen den Vertrag eingegangen seien, sagt die 82-Jährige.

Laut Rose Sommer von der Verbraucherzentrale NRW ein schwerwiegender Fehler: „Wir hatten vor zwei Jahren schon mehrere Beschwerden über diesen Telekom-Shop und nun war erst vor Kurzem wieder ein älterer Herr bei uns, der ebenfalls einen vollkommen überflüssigen DSL-Vertrag in dem Shop abgeschlossen hat.“

Jetzt lesen

Das Ehepaar Parucha ist somit kein Einzelfall. Laut Sommer handele es sich bei dem Vorgehen des Shops „freundlich ausgedrückt um eine Falschberatung“.

Beim Beschwerdemanagement der Telekom stieß die Verbraucherzentrale allerdings auf wenig Entgegenkommen. „Dort wurde uns gesagt, dass derzeit Aussage gegen Aussage stehe und es sich um zwei rechtsgültige Verträge handele. Das ist auch richtig, aber die Praxis ist trotzdem diskutabel“, betont Sommer.

Den Paruchas bleibe nun lediglich, eine Anzeige wegen Eingehungsbetruges zu erstatten und letztlich eine gerichtliche Auseinandersetzung anzustreben. Oder aber die Angelegenheit hinzunehmen.

Mitarbeiter nicht mehr in der Filiale

Dieser Fall sei Sommer zufolge ein warnendes Beispiel. „Den Menschen muss klar sein, dass ein Vertrag, den man in einem Geschäft abschließt, absolut rechtsbindend ist und es normalerweise kein Widerrufsrecht gibt.“

Deshalb empfehle man den Kunden, dass man sich im Geschäft immer das Produktinformationsblatt genau durchlese. „Dieses Blatt muss einem auf jeden Fall ausgehändigt werden und da stehen sämtliche Kosten drauf, die auf den ersten Blick möglicherweise gar nicht auffallen“, unterstreicht Sommer.

Im Telekom-Shop erklärte man derweil, dass der betroffene Mitarbeiter mittlerweile nicht mehr in der Filiale arbeite und man deshalb keine detaillierten Angaben machen könne. „Grundsätzlich achten wir aber natürlich darauf, dass wir unsere Kunden sinnvoll beraten und keinesfalls überflüssige Verträge abschließen“, sagt ein Angestellter im Geschäft.

Indes hoffen Horst und Waltraud Parucha auf ein Zugeständnis der Telekom. „Wenn man uns wenigstens so entgegenkommen würde, dass wir den DSL-Vertrag erst nach Ablauf unseres alten Vertrages bezahlen müssten, könnten wir ja noch damit leben. Denn bis zu diesem Zeitpunkt beziehen wir ja auch keine Leistung von der Telekom“, so Waltraud Parucha.

Lesen Sie jetzt