„Breche dir alle Knochen“: Chef einer Handwerksfirma droht Familie Abitz nach Pfusch am Bau

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Handwerker hinterlassen Hohlräume und drohende Setzrisse in einer Doppelhaushälfte. Diesen Albtraum erlebte Familie Abitz aus Castrop-Rauxel. Hinter der Firmenadresse steckt eine Privatwohnung.

Castrop-Rauxel

, 05.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fabian Abitz wirkt sauer und verzweifelt. Und das Ganze, obwohl sein Vater Jürgen Abitz (58) eigentlich nur seinen Keller sanieren lassen wollte. „Wir wohnen in einem Altbau“, erzählt der, „und haben im Internet ein Bauunternehmen aus der Umgebung gesucht, um unseren Keller durch eine Unterfangung zu sanieren.“ Damit ging das Elend los.

Bauunternehmen aus Castrop-Rauxel wirkt zunächst kompetent

Abitz kontaktierte mehrere Bauunternehmen, einige seien jedoch gar nicht erst zum Termin erschienen, um sich über die geplante Maßnahme zu unterhalten. Eine Firma aus Castrop-Rauxel aber schon.

„Die Internetseite hat einen seriösen Eindruck gemacht und der Chef ist wie verabredet zu unserem Termin erschienen. Er hat direkt gesagt, dass seine Leute in zwei, drei Wochen anfangen können. Und dann hat er uns ein gutes Angebot in den Briefkasten geschmissen“, erinnert sich Abitz. „Bis dahin lief alles gut.“

Die Mitarbeiter seien dann auch zur Ausführung der Arbeiten erschienen, „jedoch ohne das erforderliche Werkzeug und Material mitzubringen“, erzählt Fabian Abitz.

„Breche dir alle Knochen“: Chef einer Handwerksfirma droht Familie Abitz nach Pfusch am Bau

Die betroffene Stelle im Keller. © Fabian Abitz

Aufgefallen sei dies nur, weil Jürgen Abitz „den Profis mal über die Schulter schauen“ wollte, wie er selbst erzählt. „Ich habe ihnen dann mein eigenes Werkzeug gegeben und ich als Laie musste ihnen sogar zeigen, wie die Arbeiten richtig auszuführen sind.“

„Billig-Chemie-Zeugs“ statt des abgesprochenen Materials

„Außerdem wurde nicht das Material verfüllt, welches vorher extra mit einem Statiker abgestimmt wurde, also Quellmörtel“, so Jürgen Abitz. „Das war irgendein Billig-Chemie-Zeugs aus Säcken.“

In seiner Verzweiflung habe er dann den Chef angerufen. „Der ist auch sofort gekommen – allerdings nur, um mir zu sagen, dass ich seine Leute zufrieden lassen soll. Sonst würden sie die Baustelle räumen. Ich solle lieber mit meiner Frau und meinem Hund spazieren gehen und darauf vertrauen, dass sie das ordentlich machen.“ Das habe Abitz dann auch getan – leider, wie er heute weiß.

Drohende Setzrisse in der Hauswand und beim Nachbarn

Denn: „Bei einer späteren Probebohrung durch einen Statiker hat sich herausgestellt, dass zwar Beton verfüllt wurde, aber dahinter durch die mangelhafte Ausführung unzählige Hohlräume entstanden sind,“ erzählt Fabian Abitz.

„Breche dir alle Knochen“: Chef einer Handwerksfirma droht Familie Abitz nach Pfusch am Bau

Probebohrungen durch einen Statiker zeigten: Beton wurde zwar verfüllt, dahinter sind durch die mangelhafte Ausführung aber unzählige Hohlräume entstanden. © Volker Engel

Die Folge nach einer Bewertung durch den Statiker: „Es drohen Setzrisse in der Hauswand. Da es sich um eine Doppelhaushälfte handelt, drohen sogar Setzrisse bei dem angrenzenden Nachbarn. Möglicher Schaden: mehrere 10.000 Euro.“

Familie Abitz habe versucht, Termine mit dem Bauunternehmen zu vereinbaren, die seien jedoch seitens der Baufirma erst versäumt worden, anschließend habe dort niemand mehr auf Anrufe und Nachrichten reagiert.

„Wir hängen seitdem in der Luft“

„Wir hängen seitdem in der Luft, wurden immer wieder vertröstet“, erzählt Abitz. Als letzten Versuch sei Fabian Abitz gemeinsam mit seiner Mutter zu der Firma gefahren, um vor Ort alles zu klären.

„Die Seriosität eines Betriebes ist im Vorfeld nicht oder nur schwer zu erkennen.“
Dirk Haarmann von der Handwerkskammer Dortmund
„Breche dir alle Knochen“: Chef einer Handwerksfirma droht Familie Abitz nach Pfusch am Bau

Dirk Haarmann © HWK Dortmund

„Bei der Fahrt zur angegebenen Firmenadresse stellte sich heraus, dass es sich um eine reine Privatwohnung in einem Drei-Familien-Haus handelt und nur eine Garage für die Lagerung der Geräte genutzt wird“, berichtet Abitz.

Aber es sei noch dicker gekommen, erzählt Jürgen Abitz: „Nachdem Fabian und meine Frau vor Ort waren, hat mich der Chef angerufen und mir damit gedroht, dass er mir alle Knochen brechen wird, wenn wir noch mal kommen.“

Für einen allerletzten Schlichtungsversuch ohne Gericht hat Familie Abitz nun die Handwerkskammer Dortmund kontaktiert. „Man wies uns auf die Möglichkeit eines Verfahrens bei der Schlichtungsstelle hin, bei der sich jedoch beide

Seiten bereit erklären müssen“, erzählt Abitz.

Handwerkskammer bietet Vermittlungsverfahren an

Auch Dirk Haarmann von der Handwerkskammer Dortmund betont: „Sofern Probleme mit einem Handwerker aufgetreten sind, kann es sinnvoll sein, nicht sofort rechtliche Schritte einzuleiten, sondern zunächst im Wege vorgerichtlicher Verfahren eine Lösung zu finden.“ Bei solchen Verfahren fände man häufig schnellere und kostengünstigere Lösungen als bei einem klassischen gerichtlichen Verfahren.

Die Vermittlung ziele auf eine einvernehmliche Einigung unter den Beteiligten ab. Haarmann betont aber auch: „Maßnahmen können aber mangels einer aufsichtsrechtlichen Stellung der Handwerkskammer gegenüber ihren Betrieben nicht ergriffen werden. Auch Ansprüche des Kunden können seitens der Handwerkskammer nicht durchgesetzt werden.“

„Breche dir alle Knochen“: Chef einer Handwerksfirma droht Familie Abitz nach Pfusch am Bau

Jürgen Abitz zeigt in seiner Wohnung alle Unterlagen und Verträge. © Volker Engel

Der Weg übers Gericht kann teuer werden

Generell empfiehlt er allen, sich vor der Beauftragung des Betriebes an die Handwerkskammer zu wenden, „um zu klären, ob und mit welchem Handwerk der Betrieb verzeichnet ist, um so sicherzustellen, dass die Leistungen von dem Betrieb auch ausgeführt werden dürfen“.

Laut Haarmann ist der Betrieb, mit dem Familie Abitz sich streitet, nicht negativ aufgefallen: „Der Betrieb ist in die Handwerksrolle eingetragen. Bisher sind uns keine ähnlichen oder anderen Vorfälle im Zusammenhang mit diesem Betrieb zugetragen worden.“

Nun hofft Familie Abitz auf das Schlichtungsverfahren. Ob man ansonsten tatsächlich den gerichtlichen Weg einschlagen wird? Da sind sie sich die Abitz‘ noch unsicher – denn das könnte teuer werden.

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