Pärchen setzte Schüler (17) im Bus übel zu - Zeuge: „Habe Schläge und Tritte gesehen“

mlzGericht

Das Pärchen im Bus der Linie 482 fiel dem Fahrer sofort auf: Es war laut und aggressiv. Das bekam ein 17-Jähriger zu spüren, und zwar körperlich. Das Gericht urteilte nun - allerdings milde.

Castrop-Rauxel

, 06.11.2019, 04:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 44-jährige Angeklagte und seine 35-jährige Partnerin saßen im September 2018 schon im Bus, als der 17-jährige Schüler in Habinghorst hinzustieg. Als die beiden herumpöbelten, mischte er sich ein.

Daraufhin hatten die beiden den schmächtigen Jungen auf dem Kieker. „Sie kamen auf mich zu, haben mich bedrängt und gerüttelt“, sagte er jetzt vor dem Amtsgericht aus. Die Frau soll ihn sogar an den Beinen gezogen und so zu Boden gebracht haben. Dort soll sie dem Jungen in den Bauch geboxt haben. Ihr Gefährte habe ihn gewürgt.

Tumult im Bus: Fahrer griff selbst ein

Den Tumult bekam der Busfahrer mit. Er blickte immer wieder in den Rückspiegel, mahnte das Pärchen bereits bei der lautstarken Auseinandersetzung per Mikro an, sich ruhig zu verhalten. An der Langen Straße schließlich stoppte er den Bus, verriegelte die Türen und ging nach hinten.

Dort hatte ein weiterer Fahrgast schon versucht, schlichtend einzugreifen. „Ich habe Tritte und Schläge gesehen, als der Junge auf dem Boden lag, die beiden waren extrem aggressiv“, erinnerte sich der 34-jährige Ergotherapeut.

Nothahn entsperrt und ausgestiegen

Der 59-jährige Busfahrer, dem in seiner langen Berufslaufbahn ein solcher Vorfall nicht unbekannt war, ließ über seine Leitstelle die Polizei rufen. Da entsperrte der Angeklagte den Nothahn und verließ mit seiner Begleitung den Bus. Ein Vorfall, den der Ergotherapeut mit seinem Handy filmte.

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Bei der Befragung stritt das Paar die Übergriffe zunächst ab, machte seine spezielle Situation als Drogensüchtige bzw. Ex-Drogenkonsument geltend. Sie hätten auch Alkohol konsumiert. An diesem Tag seien sie auf dem Weg zu einer Beratungsstelle gewesen.

Lange Suchtkarriere mit juristischen Folgen

Diese Abhängigkeit prägte bereits seit vielen Jahren das Leben der beiden. So gab der 44-Jährige, der derzeit clean ist und einen Job hat, zu, 30 Jahre drogensüchtig gewesen zu sein.

Auch mit juristischen Folgen: Es gab mehrere Verurteilungen, er saß etliche Jahre im Gefängnis. Zudem steht der Mann unter laufender Bewährung.

Für seine Partnerin stand ebenfalls viel auf dem Spiel. Sie ist ebenfalls mehrfach vorbestraft und absolviert derzeit eine Therapie als Alternative für eine Haftstrafe.

Entschuldigung erst nach einer Beratungspause

Mit einer Entschuldigung beim Geschädigten taten sich beide schwer. Erst in einer kurzen Beratungspause wandten sie sich an den Schüler. Das wurde trotzdem positiv aufgenommen.

Mit einer halbjährigen Bewährungsstrafe legte das Gericht dem angeklagten 44-Jährigen keinen Stein in den beruflichen Weg. Seine Partnerin, für die zudem noch ein Diebstahl verhandelt wurde, bekam sieben Monate Haft ohne Bewährung. Diese Strafe kann durch die Therapie abgegolten werden. Der Richter sagte, er wolle dem Paar die Zukunft nicht verbauen.

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