Als BVB-Fan in München: So bitter schmeckt die FCB-Heimat für eine Exil-Castrop-Rauxelerin

mlzBayern - BVB

Samstag trifft der BVB auf den FC Bayern. Die gebürtige Castrop-Rauxelerin und BVB-Fan Marcia Köhler berichtet von ihrem schweren Stand in München - und wie sie doch einen Ausweg fand.

von Marcia Köhler

Castrop-Rauxel

, 08.11.2019, 19:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

München also...“: Das waren die Worte meiner Familie, als ich im April diesen Jahres meinen Umzug bekannt gab. Zugegeben, auch meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, als ich erfuhr, dass ich für meinen Job dort hinziehen muss.

Es gibt Städte, in die möchte man als BVB-Fan einfach nicht ziehen. München steht da ganz weit oben auf der Liste.

Ich als Journalistin habe schon immer damit gerechnet, für meinen Job wegziehen zu müssen. Meine Heimat Castrop-Rauxel ist nun mal leider nicht die größte Medien-Metropole. Aber München? Man hat ja so seine Vorurteile gegenüber den Münchnern. Alle eher arrogant, alles Schickimickis und grantig von Kopf bis Fuß. Ganz zu schweigen von der Fußballmannschaft mit ihren Erfolgsfans.

Ein Kind des Ruhrgebiets

Ich bin durch und durch ein Kind des Ruhrgebiets. Ein Pils und ein Mettbrötchen, schon bin ich zufrieden. Auch die Ruhpott-Schnauze kann ich mir nicht verkneifen. In der Münchner Schickeria bin ich also fehl am Platz. Aber man lebt sich ja überall irgendwie ein. Dachte ich. Aber als ich beim Bäcker eine Brezel bestellte und mir energisch der Satz: „Des heißt Brez’n, mir sind’s hier in Bayern“ entgegnet wurde, war mir klar: Hier werde ich wohl nie dazugehören.

Ständig muss ich mir anhören, das Bier in Bayern sei viel besser - und Fußball könnten wir ja auch nicht spielen, auf ewig blieben wir Vize-Meister. Zum Glück könne ich mir ja in München jetzt mal richtigen Fußball anschauen. Nun gut - das Vorurteil Arroganz wäre damit schon mal bestätigt.

„Seit ich denken kann, ist mein Herz schwarz-gelb“

Das mit dem richtigen Fußball ist allerdings so eine Sache. Seit ich denken kann, ist mein Herz schwarz-gelb. Mein Onkel und mein Bruder stehen jedes Heimspiel auf der Süd und auch ich schaue jedes Spiel - wenn möglich im Stadion. Gemeinsam starten wir an der Möllerbrücke, ziehen mit dem Wegbier von Kiosk zu Kiosk und es wimmelt nur so von Dortmund-Fans. Die ganze Stadt ist voll mit euphorischen Fans in schwarz-gelber Kluft.

Angekommen auf der Tribüne umarmen sich Jung und Alt, Freunde und Fremde. Alle gemeinsam stimmen „You‘ll never walk alone“ an - dann bekommt auch der Zuschauer in der hintersten Ecke Gänsehaut. Eine solche Stimmung habe ich bisher nirgendwo anders erlebt.

In München: kaum Gesänge, keine Dynamik

Der Besuch zum Saison-Auftakt im Stadion in München hingegen war eine ganz andere Erfahrung. Schon der Weg dorthin begann unspektakulär. In die volle Bahn eingestiegen, bis zur Arena gefahren, ein kurzes Stück zu Fuß und ich war drin.

Insgesamt erschreckend wenig Fan-Bekleidung auf dem Weg und auch im Stadion. Generell war es sehr leer. Kaum Gesänge und keine Dynamik auf den Rängen.

Trotz aller Antipathien, die ich gegen die Bayern hege, habe ich mir da mehr erhofft. Mit Sicherheit gibt es auch dort eine Fan-Kultur - doch ich hatte bisher nicht das Vergnügen, sie kennenzulernen.

Ein Stück Heimat in der Ferne

Einen einzigen Ort gibt es aber, an dem ich mich auch in München heimisch fühle. Das Barschwein in Schwabing. Es ist keine offizielle Dortmund-Bar, aber der Treffpunkt des Fanclubs „Münchner Borussen“. Schon auf dem Weg dorthin begegnet man etlichen Borussia-Fans.

Bei meinem ersten Besuch war ich alleine dort. Ich wurde begrüßt, als würde ich schon ewig dazugehören. Ich stellte mich in eine Ecke mit gutem Blick auf einen der Bildschirme. Keine zehn Minuten später sprach mich eine Gruppe junger Leute an. Sie gaben mir ein Bier und sagten, ich solle mich zu ihnen setzen und mit ihnen das Spiel schauen. Es wurde gesungen, gegrölt, gejubelt und geschimpft - genau dort fühlte ich mich wohl. Inmitten von völlig Fremden war ich endlich ein bisschen zu Hause.

Lesen Sie jetzt