Alte Eiche: Mit so einer Wendung hätte vor Monaten wohl niemand gerechnet

mlzKommentar

Ein Gericht entschied „bloß“ über einen Eilantrag. Es gibt weitere laufende Verfahren. Und doch ist dieser Freitag wohl der entscheidende für die Alte Eiche in Habinghorst. Ein Kommentar.

Castrop-Rauxel

, 21.02.2020, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Freitag war ein Tag zum Jubeln für alle Freunde der Alten Eiche. Es gibt eine erste Gerichtsentscheidung, die eine sofortige Fällung unmöglich macht. Der Investor selbst hatte geklagt, um noch vor Ablauf des Februars eine Eilentscheidung zu bekommen.

Eine Antwort hat er jetzt: Er darf jetzt nicht fällen. Und von März bis Oktober sowieso nicht, da dann eine gesetzliche Frist zum Schutz der Tierwelt besteht.

Das ist aber bei weitem nicht alles. Denn es hängt sehr viel an diesem Entscheid: Er gibt einen Einblick in die weiteren laufenden Verfahren vor dem Verwaltungs- und dem Oberverwaltungsgericht. Und da sieht es nun tatsächlich so aus, als würde das Normenkontrollverfahren, in dem der BUND im Sommer 2019 die Verabschiedung des Bebauungsplans angefochten hatte, für den BUND entschieden. Also auch für die Eiche und ihre Freunde. Man muss das mit Bedacht sagen: Es sieht so aus.

In die Causa Alte Eiche kommt Bewegung

An dieser Stelle kommt Bewegung in die Sache: Oliver Lind als Bauausschussvorsitzender will nun ein von Bürgermeister Rajko Kravanja lange angebotenes Gespräch moderieren. Lind ist – nicht zufällig – auch Bürgermeisterkandidat der CDU und ärgster Konkurrent seines amtierenden SPD-Kontrahenten an der Stadtspitze.

Alle entscheidenden Vertreter sitzen kommenden Freitag laut Lind am Tisch: Investor, die noch recht neue Baurätin der Stadt, Eichenfreunde, BUND. Es ist schon eine Leistung, allein, dass dieses Gespräch stattfindet.

Das gelingt wohl nur unter dem Druck des Gerichtsentscheides. Es geschieht aber auch vor dem Hintergrund, dass bald Kommunalwahl ist. In diesem Augenblick sieht es fast so aus, als hätte plötzlich die CDU die besten Karten in der Hand, sich die Rettung der Eiche anzuheften. Das werden Grüne, Linke, FWI, vermutlich auch die SPD sicher anders sehen.

Alte Eiche lässt sich bestimmt in Wohnprojekt einbauen

Mit dieser Wendung hätte vor Monaten wohl auch niemand gerechnet. Denn das Abstimmungsverhalten der Politiker sah anders aus.

In jedem Fall gibt es jetzt eine gute Grundlage für alle Beteiligten, gemeinsam neue Pläne zu schmieden: Die Eiche lässt sich bestimmt irgendwie einbauen ins Projekt „Wohnen an der Emscher“, auch wenn es Geld kostet oder zumindest weniger rentabel wird. Vielleicht benennt man es nur noch um in „Wohnen an Emscher und Eiche“. Der Baum ist inzwischen ähnlich berühmt wie der Fluss.

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