Wollte die FDP den Ausflug der Recklinghäuser Schüler zur Alten Eiche verhindern?

mlzAlte Eiche Habinghorst

Schüler aus Recklinghausen haben in den vergangenen Tagen die Alte Eiche in Habinghorst besucht. Ein angebliches Schreiben der FDP an die Realschule hatte im Vorfeld für Aufregung gesorgt.

Castrop-Rauxel

, 14.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schüler einer Umwelt-AG aus Recklinghausen haben am Mittwoch (9. Oktober) die Alte Eiche und ihren Baumbesetzer „HambiPotter“ besucht. Eine Nachricht sorgte im Vorfeld für Aufregung bei dem Verein „Rettet die alte Eiche“.

Die Politik in Castrop-Rauxel sei nicht erfreut gewesen über den Ausflug der Schüler, hätte sich dagegen ausgesprochen - und das Treffen wäre wohl beinahe nicht zustande gekommen. Das war Wolfgang Schlabach, dem 2. Vorsitzenden des Vereins „Rettet die alte Eiche“, zu Ohren gekommen. „Es gibt dazu wohl auch ein Schreiben der FDP an die Schule“, so Schlabach. Dieses Schreiben liegt unserer Redaktion nun vor.

Von dem Ausflug abhalten wollte die Schüler niemand, betont der Schulleiter der Recklinghäuser Otto-Burrmeister-Realschule Lars Trzecinski: „Der Verfasser hat nur darum gebeten, das ganze Thema nicht zu einseitig zu beleuchten.“ Bei dem Verfasser des Schreibens handelt es sich um Nils Bettinger, Fraktionsvorsitzender der FDP.

FDP-Politiker möchte Schülern seine Position erläutern

In dem Schreiben des Politikers steht: „Unterricht soll ja immer auch ausgewogen sein. Deshalb biete ich mich an, als Ratsmitglied, das an der Entscheidung zur Entwicklung des Wohngebietes mitgewirkt hat, der AG ebenfalls eine Sicht auf das Gebiet zu eröffnen und die Beweggründe für die Entscheidung zu erläutern.“

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Und weiter: „Ich finde es schwierig, wenn nur eine beteiligte Seite im Rahmen der Schulbildung einer AG Impulse gibt. Dabei möchte ich nicht sagen, dass der Kollege nicht in der Lage ist, neutral zu agieren, aber ein gewisser Interessenskonflikt scheint mir nicht ganz abwegig.“ Denn, so erklärt Bettinger,: „Der AG-Leiter, Herr Hardt, ist selbst Bund-Aktiver und auch nicht Lehrer der Schule, sondern ehemaliger Lehrer, der nun eine AG leitet.“

Ratsmitglied: Warum sollen Blumen am Baum aufgestellt werden?

In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, rät Bettinger den Schülern nicht von dem Ausflug zur Alten Eiche ab. Er schreibt aber: „Mir erschließt sich beispielsweise nicht, warum Blumen am Baum aufgestellt werden sollen. Der Bund hat darüber hinaus Klagen angestrengt, und hält das Bauprojekt derzeit auf.“

Zusätzlich stellte der Politiker in Aussicht, die Schüler spontan zu begleiten: „Erlauben Sie mir bitte zusätzlich die Frage, zu welcher Uhrzeit diese AG den Besuch an der alten Eiche für heute eingeplant hat. Möglicherweise kann ich dort bereits still begleiten.“ Dazu kam es offensichtlich nicht.

Treffen zwischen Politiker und AG-Leiter

Weshalb er zusammen mit etwa 75 Prozent der anderen Ratsmitglieder für die Umsetzung des Baugebietes gestimmt hat – das möchte Bettinger den Schülern gerne persönlich erläutern. „Als Ratsmitglied ist es nach meiner Auffassung eben unter anderem auch meine Aufgabe, unsere Entscheidung öffentlich zu erklären.“ Ob es zu diesem Treffen kommen wird, ist allerdings noch unklar.

Stattdessen wird sich Bettinger zunächst einmal mit dem Leiter der AG zusammensetzen: „Herr Hardt hat sich heute bei mir gemeldet – wir haben vereinbart, nächste Woche gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen.“

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