Alter städtischer Fuhrpark gehört zu den Schandflecken in Castrop-Rauxel

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Ein Wohnhaus an der Bochumer Straße, Mehrfamilienhäuser in der Altstadt und ein gleich 11.000 Quadratmeter großer Dauer-Schandfleck an der Herner Straße: Die Gammel-Immobilien sammeln sich an.

Castrop-Rauxel

, 17.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu unserem Aufruf nach den Castrop-Rauxeler Gammelhäusern und -grundstücken hat es von Leserseite schon die ersten Rückmeldungen gegeben. Seit Jahren leer stehende Wohnhäuser, verwaiste Firmengelände oder überwucherte Grundstücke scheinen vielen Menschen ein Dorn im Auge zu sein. Castrop-Rauxeler Schandflecken eben.

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Michael Fritsch, der für die CDU bei der nächsten Kommunalwahl als Ratskandidat antritt, wies uns auf ein Haus an der Bochumer Straße kurz vor der Stadtgrenze hin. Die ehemaligen Eigentümer sind wohl verstorben. Es gebe zwar eine Erbengemeinschaft. Michael Fritsch: „Getan wird aber nix, der Altbau war in langer Eigenarbeit instand gesetzt und gehalten worden, der große abschüssige Garten zum Langeloh hin gut gepflegt. Jetzt verwildert und verwahrlost alles.“

An der Bochumer Straße kurz vor der Stadtgrenze: Das Haus steht leer, Zufahrt, Garten und Bordstein wuchern immer mehr zu.

An der Bochumer Straße kurz vor der Stadtgrenze: Das Haus steht leer, Zufahrt, Garten und Bordstein wuchern immer mehr zu. © Thomas Schroeter

Und Reiner Fuest wies uns darauf hin, dass wir auch im unmittelbaren Umfeld der Redaktion in der Altstadt jahrelange Leerstände feststellen können: „Schauen Sie sich einmal die Innenstadtgebäude Am Markt 26 und Lönsstraße 21 an. Hier sind nur die Erdgeschosse mit Einzelhandel genutzt. Die Wohnungen in diesen Gebäuden sind schon seit Jahren unbewohnt. Auch solch langjähriger Leerstand stellt dem Gesetz nach eine Zweckentfremdung dar.“

Der alte Fuhrpark an der Herner Straße hinter der HEM-Tankstelle. Die Gebäude gammeln vor sich hin.

Der alte Fuhrpark an der Herner Straße hinter der HEM-Tankstelle. Die Gebäude gammeln vor sich hin. © Thomas Schroeter

Wie Fuest erklärt, enthalte der von Bürgermeister Rajko Kravanja zu diesem Thema im Rat angeführte Leitfaden der Landesregierung „auch entsprechende allgemeine Verfahrenshinweise für die Verwaltungen, um zukünftigen vorhersehbaren Verwahrlosungen vorzubeugen“.

Ein innenstadtnaher Schandfleck großen Ausmaßes, der vor den Augen der meisten Castrop-Rauxeler gut verborgen etwas abseits der Herner Straße liegt, ist ein von der Stadt langfristig gepachteter: der seit Jahren still gelegte, ehemalige Fuhrpark des heutigen Stadtbetriebs EUV, 11.000 Quadratmeter groß.

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Der war nach dem Umzug des EUV zum Westring zwischenzeitlich mal an eine Garten- und Landschaftsbaufirma verpachtet, erregte bei den Nachbarn etwa durch eine 2016 eingestürzte Mauer für Unwillen, rottet inzwischen nur noch vor sich hin, wird immer wieder von ungebetenen Gästen heimgesucht.

Davon kündete nun, als wir uns das Gelände genauer ansahen, eine gesprengte Kette am Eingangs-Rolltor, das man über eine etwas versteckte Einfahrt neben der HEM-Tankstelle an der Herner Straße erreicht. Das Tor stand halb offen, auf dem Gelände fand sich ein relativ neu aussehender Einkaufswagen aus einem Supermarkt.

Das Tor des alten Fuhrparks war am Dienstag geknackt. Ungebetene Besucher gehen hier ein uns aus.

Das Tor des alten Fuhrparks war am Dienstag geknackt. Ungebetene Besucher gehen hier ein uns aus. © Thomas Schroeter

Auf dem Gelände stehen die Gebäude ansonsten noch so da, wie sie einst verlassen wurden. Alle Fenster aber sind zur Sicherheit beseitigt, große Schuttberge liegen zwischen dem ehemaligen Bürogebäude und den benachbarten alten Fahrzeughallen.

Noch immer ist unklar, was mit dem Gelände geschieht. Vor Ewigkeiten wurde das Gelände einmal in der Politik als Raum für eine Wohnsiedlung diskutiert, aber das ist längst Geschichte. Dabei ist die Stadt hier laut Fuest, der früher Geschäftsführer der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft GeWo war, „bis 2062 Erbpachtsnehmer und leistet dem Eigentümer jährliche Erbpachten sicherlich im fünfstelligen Bereich“.

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Warum dem Entwicklungspotenzial dieser Brachfläche mit einer ausgenommen guten Lage zur Altstadt von Verwaltung noch Politik offenbar keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist nicht nur für Reiner Fuest ein großes Rätsel.

Hier böten sich echte Quartiersentwicklung-Möglichkeiten an „und nicht nur im ständigen Siedlungsbau auf der grünen Wiese“, wie Fuest in Anspielung etwa auf das „Wohnen an der Emscher“ an der Heerstraße anmerkt.

Kennen Sie Gammelhäuser?

  • Kennen auch Sie leer stehende Gammelhäuser in der Stadt oder aufgegebene Gewerbeflächen, die sich zu Schandflecken entwickelt haben?
  • Dann lassen Sie uns an Ihrem Wissen teilhaben, schicken Sie uns Fotos und Infos zu den betreffenden Gammel-Immobilien per E-Mail an thomas.schroeter@lensingmedia.de
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