Am Münsterplatz soll es mehr Platz und Sicherheit für Fußgänger geben

mlzNahmobilität

Die Stadtplaner wollen am Münsterplatz mehr Platz und Sicherheit für Fußgänger schaffen. Und es gibt viele weitere Ideen für die Altstadt. Es geht um Zebrastreifen und eine Fahrradstraße.

Castrop

, 29.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie kann man das Stadtzentrum von Castrop-Rauxel, die Castroper Altstadt, attraktiver für Fußgänger machen? Das Nahmobilitätskonzept für Castrop-Rauxel soll vor allem die Bedürfnisse der Bürger berücksichtigen.

Während eines Planungsspaziergangs vor Ort wurden kritische Punkte der Altstadt unter die Lupe genommen. Fast 30 interessierte Bürger machten sich am Freitag (28. August) zu verschiedenen Stationen auf den Weg. Wir begleiteten den Rundgang und erläutern die wichtigsten Themen.

Neugestaltung des Münsterplatzes

Der Münsterplatz gilt gemeinhin als das „Tor zur Altstadt“. Für Fußgänger ist es aber nicht ungefährlich, von dort aus die Ampel am Biesenkamp zu erreichen. Es gibt zwar Markierungen für Fußgänger, die befinden sich aber an der breitesten Stelle und bilden eine ebene Fläche. Sie sind somit für Sehbehinderte ein großes Problem.

Der Vorschlag der Stadtplaner sieht eine kleine und eine große Lösung vor. Die Minimallösung besteht aus einer Doppelquerung. Sie besteht aus unterschiedlich hohen Borden, die durch Rippen- und Noppenplatten ergänzt werden. Die Straßenquerung wird dabei in zwei Bereiche geteilt: eine schmale Nullabsenkung für Rollstuhl- und Rollatornutzende, die leicht überrollbar ist, und einen höheren Bord, der für sehbehinderte Langstocknutzende gut ertastbar ist.

Interessierte Bürger beim Planungsspaziergang in der Altstadt. Hier ging es unter anderem um die Querung des Biesenkamps.

Interessierte Bürger beim Planungsspaziergang in der Altstadt. Hier ging es unter anderem um die Querung des Biesenkamps. © Dieter Düwel

Viel Anklang unter den Bürgern fand die vom Planungsbüro vorgeschlagene große Lösung. Dazu Caroline Huth von der Planersocietät: „Der Münsterplatz eignet sich sehr gut für die Schaffung eines „Shared Space“. Man kann die Fahrbahn geradlinig und enger führen, um so mehr Platz für eine kreative Gestaltung des Platzes zu bekommen. Sitzmöglichkeiten und Grünanlagen sollen die Fußgänger zum Verweilen einladen.“

Generell wurde das Thema Sitzmöglichkeiten in der Altstadt diskutiert. Einhellige Meinung unter den Spaziergängern war, dass die Bänke kreativer gestaltet werden sollen. Ein positives Beispiel sind die Bänke auf dem Marktplatz, die sehr gut genutzt werden.

Mehr Sicherheit für Fußgänger

Wie kann man immer wieder auftretende Kollisionen zwischen Fußgängern und Radfahrern künftig verhindern? Am Biesenkamp wurde dieses Thema rege diskutiert.

Fahrradfahrer müssen zwar hier inzwischen den Schutzstreifen auf der Straße benutzen. Das ist aber offensichtlich für viele Radler zu gefährlich oder immer noch nicht bekannt, so dass sie immer noch auf den alten Radweg direkt neben dem Gehweg ausweichen und so Fußgänger in Gefahr bringen können.

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Aus dem Kreis der Spaziergänger schlug Anika Levin vor: „Man könnte auf dem Biesenkamp eine innerörtliche Fahrradstraße einrichten, wie es auch für die Lange Straße geplant ist. Das würde mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger bringen.“

Um das Thema Sicherheit zu diskutieren, wurde an weiteren Stationen Halt gemacht. Die für Fußgänger gefährliche Querung über den Brückenweg an der Fußgängerampel am Biesenkamp soll durch die Einrichtung einer Gehwegüberfahrt erleichtert werden. Kraftfahrer müssen dann über ein leicht erhöhtes Bord fahren.

Auch die Überquerung der Mühlenstraße in Höhe der Leonhardstraße birgt Gefahren für Fußgänger. Der Zugang zum Marktplatz oder zur Fußgängerzone in Richtung Busbahnhof wird vor allem von Schülern häufig genutzt. Ein Zebrastreifen soll hier künftig für mehr Sicherheit an dieser Stelle sorgen.

Die Querung der Mühlenstraße soll durch einen Zebrastreifen für Fußgänger sicherer werden.

Die Querung der Mühlenstraße soll durch einen Zebrastreifen für Fußgänger sicherer werden. © Dieter Düwel

Gefährliches Pflaster in der Fußgängerzone

„Das rote Pflaster ist zu glatt bei Feuchtigkeit, die schwarzen Abschnitte sind zu holprig für Rollatoren“, war die einhellige Meinung der Spaziergänger in der Fußgängerzone. Die Leitungskabel an Markttagen bilden zusätzliche Stolperfallen.

Aber eine Lösung ist nicht in Sicht. Bürgermeister Rajko Kravanja verwies auf den Ursprung des Pflasters im Bereich des Lambertusplatzes: „Die Gestaltung dieses Ortes mit der Skulptur von Jan Bormann wurde als Gesamtkunstwerk konzipiert. Zum Beispiel symbolisiert das schwarze und raue Natursteinpflaster Kohleflöze und erinnert so an die Geschichte unserer Stadt.“

Der Lambertusplatz wurde als Gesamtkunstwerk gestaltet, erläuterte Bürgermeister Rajko Kravanja.

Der Lambertusplatz wurde als Gesamtkunstwerk gestaltet, erläuterte Bürgermeister Rajko Kravanja. © Dieter Düwel

Mangel an öffentliche Toiletten

Ein stets aktuelles Thema sind öffentliche Toiletten. Zahlreiche Stimmen bemängelten die zu geringe Anzahl in der Altstadt. Auch hier ist eine befriedigende Lösung nicht in Sicht.

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Rolf Böhlke schlug daher aufgrund seiner Erfahrungen vor, in Cafés oder Restaurants zu fragen, ob man die Toiletten dort benutzen dürfe: „Da zeigt man sich zum Teil sehr offen. Ich war kürzlich in einer Eisdiele am Markt und durfte die Toilette benutzen. Es kommt immer darauf an, dass man freundlich anfragt. Der Ton macht die Musik!“

Lob für den Boulevard

Positive Stimmen gab es an der letzten Station des Planungsspaziergangs. Die Bürger waren sich einig, dass der neu gestaltete Boulevard zur Aufwertung des Marktplatzes beiträgt. Der großzügige Fußgängerbereich sorge für ein sicheres und entspanntes Verweilen. Wünschenswert seien allerdings mehr Grünflächen, die auch den Vorteil hätten, dass an heißen Tagen das Pflaster herunter gekühlt würde.

So geht es weiter

  • In den nächsten Tagen wird eine digitale Präsentation der bisherigen Bestandsaufnahme auf die städtische Homepage gestellt. Bürger können dann noch einmal Wünsche und Anregungen einbringen.
  • Am Ende des Jahres sollte der Ergebnisbericht der beiden Planungsbüros Planersocietät und VIA aus Köln fertiggestellt sein, so dass die Bewerbung um die Aufnahme in die „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden“ eingereicht werden kann.
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