Angst auf dem Schulhof: Angepöbelt, bespuckt und beschimpft an der Elisabethschule

mlzWeitere Details bekannt

Dass Kinder auf dem Schulhof in Angst sind, weil Jugendliche sie vertreiben, haben wir berichtet. Nun melden sich Mitarbeiter der Elisabethschule und sagen sogar: Es wird immer schlimmer.

Obercastrop

, 02.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

In einem offenen Brief wenden sich nun Christiane H. und Susanne N. an unsere Redaktion. Sie hatten unseren Bericht gelesen über die besorgte Großmutter, deren Kind weinend nach Hause gelaufen kam. Kein Problem der Schule, sondern nur des Schuldgebäudes, wie ein Kritiker bei Facebook kommentierte? Jetzt liegen Belege vor: Es ist ein Problem mehrerer Organisationen - auch der Schule.

„Wir arbeiten in der Elisabethschule“, heißt es in einer ausführlichen E-Mail an unsere Redaktion. „Unsere Erfahrungen haben wir zu Papier gebracht. Es wäre schön, wenn diese veröffentlicht werden könnten.“ Und: Die vollständigen Namen sollten nicht genannt werden. „Wir wohnen in unmittelbarer Nähe der Schule und haben auch Kinder.“ Man sei man im Vorstand des Fördervereins aktiv und Mitarbeiter in der Schule.

Diese Details stehen im Beschwerdebrief

Im Brief heißt es dann: „Die im Artikel beschriebene Problematik ist seit Jahren bekannt und hat sich in den vergangenen Monaten immer mehr zugespitzt.“ Man habe auch immer wieder das Gespräch mit den jugendlichen und jungen Erwachsenen gesucht, darauf hingewiesen, dass der Schulhof ein Spielort für Kinder sei. „Wir verstehen einfach nicht, dass wir so ziemlich allein auf weiter Flur sind. Es muss doch möglich sein, diese Situation gemeinsam mit den Anwohnern in den Griff zu bekommen.“

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Doch was ist eigentlich das Problem? Die Schilderungen der Großmutter des Schulkinds, das in den Ferien mit seinem Freund dort spielte und dann weinend nach Hause kam, weil ihm Prügel angedroht worden seien, decken sich in etwa mit dem, was die beiden Frauen nun schildern.

Abfallcontainer angezündet und weitere 600 Euro Schaden angerichtet

Garage aufgebrochen, hochwertige Spielgeräte geklaut, Blumen aus dem Schulgarten gerissen, Deko durch die Gegend geworfen - diese Dinge allein summierten sich auf 600 Euro Sachschaden, viel Ärger und auch ehrenamtliche Arbeitsstunden. „In den Herbstferien wurden alle Abfallcontainer angezündet“, heißt es weiter.

Angst auf dem Schulhof: Angepöbelt, bespuckt und beschimpft an der Elisabethschule

Dieses Schild steht am Eingang zum Schulhof der Elisabethschule Obercastrop. © Marcel Witte

Man sei sehr oft abends auf dem Schulgelände wegen der ehrenamtlichen Arbeit: „Und wir sind so gut wie immer auf den bereits genannten Personenkreis gestoßen.“ Habe man sie angesprochen, sei man als Nazis oder Afd-Wähler tituliert worden - „Respekt oder Achtung wurde uns nie entgegengebracht“. Die Jugendlichen seien „völlig beratungsresistent“. Mitglieder vom dort probenden Trommlerkorps seien für ihre Musik verhöhnt worden.

Angepöbelt, bespuckt und beschimpft

Und dann kam das Lichterfest im November 2018 im Schulgarten: Besucher, die den Schulgarten verließen, wurden „angepöbelt, bespuckt und beschimpft“. An diesem Abend habe man dann erstmals die Polizei gerufen. 15 Jugendliche waren beim Eintreffen der Polizei vor Ort, man sprach „zum x-ten Mal mit den Jungs“. Die Polizei sagte, sie hätten auf dem Schulgelände nichts verloren. Sie nahm auch die Personalien auf.

„Von einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs haben wir damals abgesehen, weil wir die Hoffnung hatten, dass sie einsichtig sind. Waren sie nicht. Wir könnten noch endlos berichten...“, heißt es.

Strafanzeigen erstattet - kann ein Streetworker helfen?

Im Mai kam es wieder zu einem Eklat. Die Polizei fuhr mit mehreren Streifenwagen vor, nahm Personalien auf - und diesmal erstatteten die Zeuginnen Anzeige. „Wir stehen immer wieder in Kontakt mit der Polizei und der Stadtverwaltung. Es sollten Streetworker eingesetzt werden.“ Vielleicht sei auch ein Gespräch mit den Eltern sinnvoll.

„Wir möchten ein respektvolles Miteinander“

Jeder einzelne sei nun gefordert: Anwohner, Mitarbeiter, die Polizei, die Stadt. Die Polizei bittet darum, stets die 110 zu wählen, wenn der Personenkreis auf dem Gelände ist, damit sie schnell vor Ort sei. „Wir möchten ein friedliches, respektvolles Miteinander, kein weiteres Entfremden der verschiedenen Kulturen“, heißt es im Brief. „In den vergangenen fünf Jahren hat sich Obercastrop schleichend sehr zum Negativen verändert.“

Auf Anfrage unserer Redaktion erläutert die Stadt nun, wie sie auf die Probleme reagiert. Sprecherin Nicole Fulgenzi sagt, die Aufsuchende Jugendarbeit der Stadt habe „bereits vor den Sommerferien Gespräche mit der Elisabethschule geführt.“

Der Kommunale Ordnungsdienst sei im ganzen Stadtgebiet unterwegs - und regelmäßig am Wochenende mehrmals am Abend an einer Schule unterwegs, dies allerdings im Wechsel an allen Schulen.

„In unregelmäßigen Abständen“

„An der Elisabethschule sind mehrfach Getränkeflaschen und Müll von Fastfood-Produkten wahrgenommen worden“, so Fulgenzi. Zudem habe das Immobilienmanagement die defekten Garagen repariert bzw. ausgetauscht. Bereits seit einigen Jahren sei zusätzlich zum Engagement der Polizei und des Kommunalen Ordnungsdienstes ein privater Wachdienst beauftragt, „in unregelmäßigen Abständen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten in den Abendstunden an Schulen bzw. auf den Schulhöfe nach dem Rechten zu sehen“.

Wenn man dem Schreiben der Fördervereins-Vorstandsmitglieder und der Erzählung der Großmutter glauben schenken darf, dann hat das noch keine Wirkung gezeigt.

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