Joachim Bücker hat für das Foto kurz die eigene FFP-2-Maske abgesetzt. Er rechnet mit einem großen Ansturm. Zurzeit hat er keine einzige FFP-2-Maske vorrätig. © Ronny von Wangenheim
Coronavirus

Apotheken sollen kostenlos FFP-2-Masken verteilen – aber haben keine

Die Bundesregierung verspricht kostenlose FFP-2 Masken für Ältere und Kranke. Castrop-Rauxeler Apotheken allerdings wissen nicht, wie die Aktion laufen soll. Und Masken habe manche auch nicht.

Rund 27 Millionen Bundesbürger sollen mit FFP-2-Masken ausgestattet werden. Das teilte die Bundesregierung am Mittwochabend (9.12.) mit. Profitieren sollen Menschen über 60 Jahre oder mit Vorerkrankung. Sie sollen noch im Dezember jeweils drei der Mund-und Nasen-Schutzmasken erhalten, die die Luft so gut filtern wie es die meisten anderen Masken nicht können. Und zwar in der Apotheke vor Ort. Dort aber weiß man gar nicht, wie das gehen soll.

Joachim Bücker hat in seiner Pallas-Apotheke in Rauxel gerade ein paar Masken an einen älteren Herrn verkauft. Es sind die einfachen, 80 Cent das Stück. FFP-2-Masken hat er nicht vorrätig. Ob er sie bis Mittwoch (16.12.) bekommt, weiß er nicht. Zurzeit wartet er auf eine turnusmäßige Bestellung. Aber ob die ausreichen wird? Das glaubt er nicht. Aus Erfahrung weiß er, dass neue Bestellungen eine Laufzeit von mehreren Wochen haben.

„Wir sind ursprünglich davon ausgegangen, dass wir die Masken zugeteilt bekommen und dann verteilen“, sagt der Apotheker. Jetzt sehe es so aus, dass die Apotheken die Masken selbst besorgen und dafür in Vorkasse treten müssen. Wie das Ganze abgerechnet werden soll, wann das Geld vom Bund kommen wird, weiß Joachim Bücker nicht.

Wie die Verteilung kontrolliert werden kann, ist unklar

Und es gibt weitere offene Fragen: Soll er Daten jedes Einzelnen festhalten, um nachzuweisen, dass er sie kostenlos nur an die genannten Personenkreise herausgegeben hat? Was bedeutet das für den Datenschutz? Die Vorbereitungszeit ist für ihn viel zu kurz.

Auch Claus Ehrensberger von der Glückauf-Apotheke auf Schwerin, Sprecher der Castrop-Rauxeler Apotheker, wurde von der Ankündigung der neuen Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung überrascht. Er sieht noch ein anderes Problem: Die Apotheken könnten gar nicht nachhalten, ob sich jemand nicht schon in einer anderen Apotheke kostenfreie FFP-2-Masken geholt habe. Die Versorgung könnte irgendwann zum Problem werden. Grundsätzlich sei die Nachfrage ohnehin immer noch riesig.

Besser geregelt wird die Verteilung erst im Januar. Dann soll der betroffene Personenkreis zwei weitere Pakete mit jeweils sechs FFP-2-Masken erhalten. „Die Krankenkassen werden ihren Versicherten dazu fälschungssichere Coupons zuschicken. Diese können mit einer Eigenbeteiligung von 2 Euro in der Apotheke eingelöst werden“, heißt es in der Mitteilung der Bundesregierung.

Gestuftes Verfahren für die Vorweihnachtszeit

Neben Menschen über 60 Jahren sind es Menschen mit Vorerkrankungen wie der Lungenkrankheit COPD oder einer Herzinsuffizienz. Wie diese das zumindest für die erste Verteilung vor Weihnachten nachweisen sollen, darauf gibt es noch keine Antwort.

Wichtig sei Gesundheitsminister Jens Spahn, so heißt es in der Pressemitteilung des Bundes, dass noch in der Vorweihnachtszeit die Versorgung mit FFP-2-Masken gesichert werden könne – daher das gestufte Verfahren für die Abgabe. Spahn betonte allerdings: „Auch FFP-2-Masken bieten keinen 100-prozentigen Schutz vor dem Coronavirus. Sie sind kein Freifahrtschein dafür, unachtsam zu sein. Aber sie senken das Risiko erheblich.“

2,5 Milliarden Euro will der Bund für die Maßnahme aufbringen.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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