Arabische Moschee-Gemeinde aus Castrop-Rauxel nimmt Corona-Krise hin

mlzVor dem Ramadan

Zur Al-Rahman-Moschee im Castrop-Rauxeler Norden kommen etwa 100 Muslime wöchentlich zum Freitagsgebet. Zurzeit ist sie geschlossen. Wie informieren sich die Gemeindemitglieder zu Corona?

Castrop-Rauxel

, 01.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Konkret und offen: Das sagt Khalid Fariad über die interne Kommunikation in der Al-Rahman-Moschee-Gemeinde von der Victorstraße. In Rauxel und Bladenhorst sei aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Gemeindearbeit auf ein Minimum heruntergefahren, erklärt der Sprecher der Gemeinde. Aber wie hält man hier Kontakt?

„Wir chatten in Gruppen, mehr als sonst“, sagt Khalid Fariad, der selbst 46 Jahre alt ist. WhatsApp, Skype - all diese Mittel zum Zweck des Kontakthaltens sind auch in der überwiegend marokkanischen Gemeinde inzwischen üblich geworden und nicht mehr unbedingt eine Generationenfrage. Versammlungen gibt es nicht mehr.

Als sich die Krise vor drei Wochen abzeichnete, da wollte die Gemeinde noch bei einem geplanten Sternmarsch mitmachen: Damals war der Terroranschlag von Hanau noch in aller Munde, und das Bündnis für Demokratie und viele Vereine wollten sich an einem Gedenk-Marsch zum Rathaus beteiligen.

Der wurde abgesagt. Donnerstags, erinnert sich Fariad, habe man noch über das Freitagsgebet des nächsten Tages diskutiert: „Da kommen sonst so um die 100 Leute“, so Fariad. Der Gemeindevorstand entschloss sich zu einer Absage. Das liegt jetzt drei Wochen zurück.

Infos erreichen (fast) alle Mitglieder

In der Gemeinde sprach sich die Absage laut Khalid Fariad binnen zwei Stunden herum. Am Freitag war er mit zwei anderen Vorstandsmitgliedern an der Moschee: Es seien nur vier, fünf Leute gekommen, die das nicht mitbekommen hätten. Der Informationsfluss unter den rund 50 beitragszahlenden Gemeindemitgliedern laufe also einwandfrei.

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„Wir informieren uns ganz pragmatisch“, erzählt Fariad, der selbst in Waltrop wohnt: „Es wird über die Generationen kommuniziert. Die Älteren werden über die Jüngeren informiert und aufgeklärt. Dazu gibt in jedem Hause die Medien, über Satellit empfängt man auch arabische Sender.“ Das Coronavirus sei ja weltweit ein Thema: „Es gibt kein Land, das nicht betroffen ist.“

Klar, manch einer sei schon etwas sturer als manch anderer. Aber das sei in der Gemeinde nicht anders als im Rest von Castrop-Rauxel. „Das sind bei uns die Ausnahmen“, sagt Fariad. „Bei den Mitgliedern ist schon angekommen, dass die Situation kein Wunschkonzert ist.“ Der Vorstand versuche, wichtige Aufrufe und glaubhafte Videos zu streuen und über die internen Kanäle zu verteilen.

Ein anderer Ramadan

Kurz nach Ostern, Ende April, beginnt für die Muslime der Fastenmonat Ramadan. Khalid Fariad glaubt, dass auch über den 20. April hinaus Restriktionen und Maßnahmen gelten. „Das akzeptieren wir selbstredend. Wir gehen davon aus, dass sich die Lage bis zum Beginn des Ramadan nicht entspannt. Die Moschee ist geschlossen, wird auch geschlossen bleiben.“

Man werde dann zu Hause fasten. Das Abendgebet könne man daheim verrichten. Vielleicht werde man auch Gebetsimpulse im Internet übertragen, aktuell machen man das aber noch nicht.

In der Moscheegemeinde, in der auch viele aus Syrien geflüchtete Menschen zu den Freitagsgebeten gehen, stehe gerade ein Generationswechsel an. „Die Moschee gibt es seit 15 Jahren, wir organisieren uns intern gerade um und richten uns neu aus. Aber der Prozess leidet gerade darunter, dass wir uns nicht versammeln können.

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