Coronavirus: Zahnärzte behandeln Patienten nur noch eingeschränkt

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Sein Gesicht direkt vor dem Gesicht eines Fremden möchte gerade niemand haben. Für Zahnärzte und HNO-Ärzte ist das Berufsalltag. Schutzmasken in manchen Praxen sind aber knapp.

Castrop-Rauxel

, 05.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zahnschmerzen kennen das Coronavirus nicht. Nur weil die Zahl der Covid-19-Erkrankungen steigt, bedeutet das nicht, dass andere Erkrankungen nicht mehr auftreten. Zahnärzte und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (HNO) behandeln ihre Patienten naturgemäß nah am Gesicht und setzen sich einem höheren Infektionsrisiko aus.

Das hat auch Konsequenzen für die Behandlung, erzählt Zahnarzt Dr. Stefan Specht. Gemeinsam mit seiner Schwester hat er eine Praxis in der Castrop-Rauxeler Innenstadt. „Um eine Gefährdung für unsere Mitarbeiter und uns so gering wie möglich zu halten, folgen wir einer Empfehlung der Zahnärztekammer und führen Behandlungen, bei denen Aerosole entstehen, aktuell gar nicht mehr durch“, sagt Specht.

Aerosole sind der feine Nebel, der etwa bei der Behandlung mit hochrotierenden Bohrern oder Pulverstrahlgeräten entsteht. In diesem Nebel finden sich neben kleinen Tröpfchen auch Viren.

Infektionsrisiko ist bei Zahnärzten generell hoch

Specht sagt aber auch: „Unser Alltag ist ohnehin schon von einem erhöhten Infektionsrisiko bestimmt. Das Coronavirus beunruhigt mich da nicht.“ Er und seine Mitarbeiter hätten noch genug Material, um sich zu schützen, etwa mit Spritzschutzmasken, einer Art „Windschutzscheibe fürs Gesicht“, wie Specht sie nennt. Viele Patienten würden ihre Termine ohnehin absagen. „Wir empfehlen auch von uns aus, Termine zu verschieben, wenn es vertretbar ist, die Behandlung später durchzuführen.“

Weil sie weniger Patienten haben, fordern einige Zahnärzte eine von der Politik angeordnete Schließung der Praxen. Dann könnten sie Ersatzansprüche geltend machen. Specht kann das nachvollziehen. „Das sind ja auch betriebswirtschaftliche Überlegungen. Dass wir eine Gemeinschaftspraxis haben, verschafft uns Luft“, sagt er. Er selbst plane keine Schließung - auch, um die Notversorgung zu gewährleisten.

Die Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis von dr. Thomas Dördelmann ist auch noch geöffnet. Allerdings nur für Notfälle drei Stunden am Tag. „Zum Schutz meiner Mitarbeiter haben wir ab dem 1. April auf den Notdienst umgestellt“, sagt Dördelmann. Das gelte vorerst für den kompletten April. In dieser Zeit führe er nur noch Schmerzbehandlungen durch. Alle anderen Termine seien verschoben worden.

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Viele Patienten sagen ihre Termine ab

„Wir haben auch nur noch zwei Behandlungszimmer geöffnet, die wir nach der Behandlung immer durchlüften und achten generell auf die Personenzahl in der Praxis“, sagt Dördelmann.

Thomas Dördelmann behandelt in seiner Zahnarztpraxis aktuell nur noch Schmerzpatienten.

Thomas Dördelmann behandelt in seiner Zahnarztpraxis aktuell nur noch Schmerzpatienten. © privat

Er wünscht sich eine einheitliche Regelung der Politik für die Zahnarztpraxen. „Ich denke da an meine Mitarbeiter. Da hängen Existenzen dran“, sagt Dördelmann. Im April habe er für sie Kurzarbeit anmelden müssen. „Es kann ja niemand sagen, wie lange das noch geht. Am Ende kann man die Kosten nicht mehr tragen.“ Der Schutz von Patienten und Mitarbeitern sei aber der wichtigste Faktor.

Fünf Masken für eine Praxis

Das findet auch HNO-Arzt Dr. Dr. Quang Minh Bach. Doch sei dieser Schutz angesichts fehlender Schutzkleidung gar nicht so leicht zu gewährleisten. Fünf FFP2-Masken gibt es für ihn und seine Mitarbeiterinnen in der Praxis. Besser wären Masken mit dem Schutzstandard FFP3, sagt Bach, aber die seien aktuell nur schwer zu bekommen.

„Endoskopische Untersuchungen führen wir nur noch durch, wenn sie notwendig sind. Das Ansteckungsrisiko ist bei solchen Untersuchungen extrem hoch, weil wir dabei ganz nah am Gesicht des Patienten sind“, erklärt Bach. „Wenn der Verdacht auf einen Tumor besteht, müssen wir sie natürlich trotzdem durchführen.“

Die Zahl der Patienten sei auch bei ihm zurückgegangen, seine Mitarbeiter müsse er trotzdem weiter bezahlen. Die Kassenärztliche Vereinigung habe einen Zuschuss versprochen. Schließen werde er nicht, sagt er. „Wir müssen die Patienten, gerade die Notfälle, ja schließlich weiter versorgen.“

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