Auf den Spuren der Geschichte Henrichenburgs: Was ist mit dem Burgplatz?

mlzLandschaftsarchäologischer Park

Für den Landschaftsarchäologischen Park gibt es Geld vom Land. Er soll aber gar nicht die Keimzelle Henrichenburgs gewesen sein, sagt der Henrichenburger Thomas Krämerkämper. Was dann?

Henrichenburg

, 18.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu unserem Bericht „Keimzelle wird aufgemöbelt“, in dem es um den Landschaftsarchäologischen Park geht, hat der Henrichenburger Dr. Thomas Krämerkämper eine andere Sicht der Dinge. Krämerkämper sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin schon sehr lange dabei, die Geschichte Henrichenburgs detailliert aufzuarbeiten.“

Die Darstellung der Henrichenburger Burgstrukturen mittels Hecken und Bäumen wertet Krämerkämper als eine städtebaulich gelungene Erinnerung an einen wichtigen Teil der Geschichte. Jedoch steche es dem Henrichenburger ins Herz, wenn offenkundig falsch über das Dorf berichtet werde. Und offenkundig sei für jeden Henrichenburger, dass der sogenannte Burgplatz nie das Zentrum des Dorfes war, liege er doch auffällig abseits aller anderen Dorfstrukturen.

„Bitte die Henrichenburger Geschichte richtig erzählen“

Krämerkämper: „Wenn also nun eine neue Infotafel dort aufgestellt wird, soll bitte die Henrichenburger Geschichte auch richtig erzählt werden. Keineswegs sei der Burgplatz nämlich die „Keimzelle von Henrichenburg“. Stattdessen war die dort nachgezeichnete Burg die „neue“ Henrichenburg. Der Name Henrichenburg ist jedoch mindestens ein Jahrhundert älter, als diese neue Burg - und auf dem Gebiet standen schon mehrere ältere Burgen, zum Beispiel die Burg Kainhorst.

Die wahre Keimzelle Henrichenburgs und die älteste bekannte Henrichenburg habe südwestlich der alten St.-Lambertus-Kirche gelegen, zwischen der Kirche und der B235 (für Alt-Henrichenburger: nördlich der ehemaligen Metzgerei Silken). Errichtet wurde diese ältere Burg wahrscheinlich im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert. Die aus einem befestigten Turm bestehende Anlage stand auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, umgeben von einem breiten Burggraben.

Die ursprüngliche Henrichenburg lag noch südlich der Emscher

Zu dieser Burg gehörte auch eine kleine Kapelle. Damals lag Henrichenburg auch noch südlich der Emscher. Burghügel und -graben dieser alten Henrichenburg waren noch im 19. Jahrhundert gut sichtbar, Reste sogar bis 1918. Zu dieser Zeit war die neue Burg längst wieder abgerissen. Aus der Burgkapelle ist die alte Henrichenburger St.-Lambertus-Kirche entstanden. Der alte Burgplatz und die Kirche wurden währenddessen die eigentliche Keimzelle des Dorfes, um die sich nach und nach weitere Häuser gruppierten.

Streit lieferte den Grund zum Bau einer stärkeren Festung

Wohl durch den Streit der Henrichenburger mit dem Grafen von der Mark entstand erst im 14. Jahrhundert, also mindestens Jahrzehnte nach der ersten bekannten urkundlichen Erwähnung Henrichenburgs 1263, der Bedarf nach einer stärkeren Festung. Diese sollte zusätzlich durch die Emscher nach Süden gedeckt sein und ein größeres Gebiet nördlich der Emscher nach Süden sichern können.

Daher wurde rund 600 Meter westlich des Dorfkerns die neue Henrichenburg am nördlichen Emscherufer gebaut - dem heutigen „Burgplatz“. Dort stand sie über die nächsten vier Jahrhunderte recht isoliert in der Landschaft, deutlich getrennt vom Dorf Henrichenburg.

Schwerter zu Pflugscharen in Groß

Erst eine kluge Frau, Franziska Christine, habe schließlich entschieden, eine Festung wie die neuere Henrichenburg könne wenig zu ihren sozialen Projekten beitragen. Sie ließ 1787 diese neuere Burg abreißen und errichtete aus dem Baumaterial stattdessen ein großes Landwirtschaftsgut - das heutige Haus Henrichenburg - zur Versorgung ihres Waisenhauses in Essen-Steele. Schwerter zu Pflugscharen in Groß, sozusagen. Zu diesem Gut gehörten übrigens auch die Alte Eiche und die umliegenden Wiesen.“

Stadtarchivar Thomas Jasper hält es ohnehin nicht für ausgeschlossen, dass die Alte Eiche in grauer Vorzeit möglicherweise ein Ort der Gerichtsbarkeit in Henrichenburg gewesen sein könnte. Belege dafür existieren aber nicht.

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