Baden im Kanal: Ist das, was auch viele Kinder tun, eigentlich erlaubt?

mlzRhein-Herne-Kanal

Am Vatertag ist der Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel Hotspot gewesen: Biergärten, Radfahrer, Sonnenanbeter - und Jugendliche, die tatsächlich schon im Kanal badeten. Darf man das eigentlich?

Henrichenburg

, 28.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir titelten „Am Kanal ist der Sommer ausgebrochen“: An Christi Himmelfahrt 2020 war so ein herrlicher Tag bei 25 Grad und reinstem Sonnenschein, dass am Rhein-Herne-Kanal im Norden Castrop-Rauxels der Bär los war. Auf den Wegen entlang des Kanals schlängelten sich Radfahrer an Spaziergängern vorbei. Sogar Bollerwagen-Touren gab es zu sehen, obwohl die wegen des Coronavirus nicht unbedingt legitim sind, wenn sich mehr als zwei Haushalte um einen Bollerwagen versammeln.

In der Kanalböschung oberhalb der Spundwände hatte sich so mancher mit Matten und Kühlbox eingerichtet, um die Sonne zu genießen. In den drei Biergärten auf der Wartburginsel und ganz in der Nähe am Haus Hölter ließen sich bei ausreichenden Abständen zwischen den Tischen die Gäste kühle Getränke reichen. Die ersten Privat-Yachten fuhren zwischen den Frachtkähnen den Kanal rauf oder runter. Und dazwischen badeten Jugendliche unterhalb der Brücke Wartburgstraße.

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Eine Gruppe von sechs Minderjährigen genoss hier das kühle Wasser. Sie planschten und lachten, machten ihre Späße untereinander und waren dann aber auch recht schnell wieder draußen: So warm ist das Wasser ja zurzeit noch nicht. Aber ist das eigentlich erlaubt, im Kanal zu baden? Oder ist es viel zu gefährlich? Und was ist mit den riskanten Sprüngen von Spundwänden oder gar Brücken? Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hat uns diese Fragen beantwortet.

? Ist das Baden im Kanal erlaubt?

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich, das auch für Castrop-Rauxel zuständig ist, teilt dazu mit: „Das Baden im Kanal wird grundsätzlich geduldet, ist aber in bestimmten Bereichen verboten.“

? In welchen Bereichen ist das Baden verboten und warum?

100 Meter ober- und unterhalb von Brücken, im Bereich von Wehren und Hafenanlagen sowie im Schleusenbereich ist das Baden verboten. Im Bereich von Schleusen entstehen starke Sogwirkungen und Strömungen, aus denen selbst geübte Schwimmer nicht entkommen können. Ebenso ist es im Bereich von Wehren.

? Ist es gefährlich gleichzeitig mit einem Schiff im Wasser zu sein?

Ja! Schiffe mit spitzem Bug verdrängen das Wasser zur Seite. Der Schwimmer könnte gegen eine steinige Uferböschung oder eine Spundwand gedrückt werden. Ein Schiff mit einem stumpfen Bug verdrängt das Wasser nach unten, sodass der Schwimmer unter das Schiff gezogen werden könnte. „Er wird zwangsläufig vom Schiffsrumpf erfasst, mit zumeist tödlichen Folgen“, teilt das WSA mit. Zudem können Schwimmer leicht in die Schiffsschraube gezogen werden, da durch diese eine Sogwirkung entsteht.

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? Könnte der Schiffsführer im Notfall bremsen oder ausweichen?

Schiffe können nicht wie ein Auto einfach abrupt abbremsen. Der Bremsvorgang dauert mehrere hundert Meter. Im Notfall wäre das zu spät. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Schiffsführer sein Schiff vom Heck aus steuert und somit zum Teil eine Schiffslänge von über 100 Metern vor sich hat. Einen Schwimmer kann er aus dieser Distanz kaum wahrnehmen.

? Darf man von einer Brücke ins Wasser springen?

Es ist nicht explizit verboten, aber sehr gefährlich. Die Wassertiefe beträgt maximal vier bis fünf Meter, sodass durch einen Sprung aus über 20 Metern Höhe tödliche Verletzungen beim Aufprall drohen. Im Wasser treibende Gegenstände wie zum Beispiel leere Flaschen oder spitze Holzstücke werden leicht übersehen.

? Gibt es eine Strafe, wenn man in einem verbotenen Bereich schwimmt?

Die Wasserschutzpolizei ist gerade im Sommer verstärkt im Einsatz und kann Platzverweise, Verwarnungen und Bußgelder aussprechen. Es droht auch ein Strafverfahren.

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