Becklemer Unfall-Brücke: Zusätzliche Höhenportale erhitzen Gemüter

mlzLambertstraße

Erneut sorgt die Becklemer Brücke für Diskussionen. Diesmal krachte kein Pakettransport oder Rettungswagen in die Höhenbegrenzung. Neue Höhenportale mit Warnbaken sorgen für Zündstoff.

Henrichenburg, Becklem

, 10.06.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Willkommen in Becklem“, titelt ein Facebook-User in der Gruppe „Du bist Castrop-Rauxeler, wenn...“ am Samstag (6. Juni). Zusehen ist ein Höhenportal vor der Autobahnunterführung auf der Lambertstraße in Henrichenburg.

Aus zwei mächtigen Betonblöcken ragen zinnoberrote Doppel-T-Träger empor. Eine Traverse mit einer abgehängten rot-weißen Metallbake verbindet sie. Verbotsschilder weisen auf die 300 Meter entfernt beginnende Höhen- und Tonnagenbegrenzung für die Brücke über den Rhein-Herne-Kanal hin.

Kurz nach der Einmündung zur Straße Auf der FLur steht auf Becklemer Seite ein weiteres Höhenportal.

Kurz nach der Einmündung zur Straße Auf der FLur steht auf Becklemer Seite ein weiteres Höhenportal. © Uwe von Schirp

Das gleiche Bild auf der anderen Kanalseite in Becklem. Am Rande der Wohnbebauung, vor Beginn der Straßenrampe zur Kanalbrücke steht ein vergleichbares Konstrukt – gut 200 Meter vor der Brücke.

Schifffahrtsamt setzt Ankündigung um

Mit dem Errichten dieser Höhenportale setzt das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg eine Ankündigung nach einem Ortstermin mit CDU-Politiker Josef Berkel von Ende Februar um. Das WSA ist Eigentümer der schmalen Kanalbrücke. Zweimal war es hier zu schweren Unfällen gekommen.

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2013 stieß ein Paketwagen an die Höhenbegrenzung. Ende Januar verursachte ein Rettungswagen im Einsatz einen Unfall, bei dem die vier Insassen leicht bis mittelschwer verletzt wurden. Die Fahrerin des Rettungswagens hatte offenbar dem Navigationsgerät vertraut, das die verminderte Höhe nicht kannte.

Auf dem Weg ins Krankenhaus ist Ende Januar ein Rettungswagen an einer Höhenbegrenzunge hängengeblieben. Der Aufprall war so stark, dass ein Teil des Wagenaufbaus abgerissen wurde.

Auf dem Weg ins Krankenhaus ist Ende Januar ein Rettungswagen an einer Höhenbegrenzung hängengeblieben. Der Aufprall war so stark, dass ein Teil des Wagenaufbaus abgerissen wurde. © DPA

Die eigentlichen Höhenbegrenzungen aus Stahlträgern stehen direkt an den Brückenköpfen. Deren Missachtung führt unmittelbar mindestens zu Sachschäden an den Fahrzeugen. Die neuen vorangestellten Höhenportale sollen das verhindern.

Von den aus Bühnen- und Gerüstbau bekannten Quertraversen hängen an Ketten rot-weiß gestreifte Baken aus Metall. Fährt ein zu hohes Fahrzeug davor, bleibt der Schaden begrenzt. Der Fahrer hört aber den Schlag und wird gewarnt, dass sein Wagen zu hoch ist.

Kontroverse Diskussion auf Facebook

Noch immer kursieren – auch beim jüngsten Post vom Samstag – Bilder der zerstörten Fahrzeuge auf Facebook. User berichten auch von wiederkehrenden Irrfahrten, etwa als ein Lieferwagen rückwärts die Brücke wieder runter musste. Darum findet die Sicherung auch die Zustimmung vieler in der Facebook-Gruppe.

An den stählernen Höhenbegrenzungen auf den Brückenköpfen kam es schon zweimal zu schweren Unfällen.

An den stählernen Höhenbegrenzungen auf den Brückenköpfen kam es schon zweimal zu schweren Unfällen. © Uwe von Schirp

Andere beschweren sich, dass nicht längst der seit Jahren geplante Neubau der Brücke erfolgt ist. „Lächerlich“, lautet ein weiterer Kommentar. Und: „Ich lach mich schlapp, für so eine Scheiße wird Geld ausgegeben?“

Ein User verweist auf die Verbotsschilder: „Wer nicht lesen kann, ist selber schuld.“ Den nächsten stört der Standort vor der Autobahnbrücke. Und eine Facebook-Nutzerin echauffiert der Anblick des Höhenportals aus ihrem Garten.

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