Beeindruckender Abend mit Margot Käßmann

Lutherkirche

Mit Paulus würde sie gerne mal diskutieren, sagt Margot Käßmann kampfeslustig. Auch wenn der die Losung ausgab "Das Weib schweige in der Gemeinde". Das ist nun Käßmanns Sache gar nicht, wie sie bei ihrem Besuch in der Lutherkirche einmal mehr bewies.

CASTROP

von Von Ilse-Marie Schlehenkamp

, 20.10.2011, 13:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Margot Käßmann liest aus ihrem Buch "Sehnsucht nach Leben".

Margot Käßmann liest aus ihrem Buch "Sehnsucht nach Leben".

Gemeinde war reichlich da, als die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands Mittwochabend in der gut gefüllten Lutherkirche aus ihrem Buch „Sehnsucht nach Leben“ vorlas. Und sich tief beeindruckt äußerte: „Ich bin begeistert, wie lebendig Kirche ist, ich glaube, das wird unterschätzt in diesem Land.“ Zwölf Kapitel umfasst das zweite Buch Käßmanns. Die zentralen Botschaften aus den fünf Kapiteln Leben, Heimat, Mut, Trost und Liebe richtete Käßmann gestenreich von der Kanzel ins Publikum. „Sehnsucht stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach einem bewussten Leben in Verantwortung vor sich selbst, den Mitmenschen und vor Gott“, formulierte sie und mahnte, das Leben mit seinen Weggabelungen anzunehmen und der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben Raum zu geben.

Heimat, verdeutlichte Käßmann, die Hilde Domin als ihre Lieblingsdichterin bezeichnete, finde der, der in sich selbst Wurzeln trüge. Und natürlich: Wer im Glauben verwurzelt sei, werde auch in der Fremde Heimat finden. Im Gottesdienst, in Liedern. Mut beginnt für Käßmann im Kleinen. „Und wir bekommen immer eine zweite Chance, auch wenn wir schwach waren.“ Wie Petrus etwa, der Jesus in tiefer Mutlosigkeit verriet und dann doch zum Erbauer der Kirche wurde. „Dein ist die Kraft, beten wir im Vaterunser“, betonte Käßmann, „wir können diese Kraft finden.“ Vielleicht am stärksten ihre Gedanken zum Trost – nach einer Fünf-Minuten Pause vor dem zweiten Teil der insgesamt 60 Minuten langen Lesung, in der sie in sich gekehrt unter der Kanzel sitzt.

„Es ist ein gutes Gefühl, trösten zu dürfen“, sagt die Mutter vier erwachsener Töchter. Und zeichnet durchaus das Bild von „Gott als tröstender Mutter“. Wer Trost brauche, befinde sich in ungeschützter Lebenslage. Nicht nur in Kondolenzgesprächen als Pfarrerin hat sie erfahren, wie der Glaube trösten kann. Und wie wichtig es ist, nicht nur über das Leben, sondern eben auch über den Tod zu sprechen. Käßmann: „Wer es wagt, die Verletzlichkeit eines Menschen im Angesicht des Todes zu erleben, wird Frieden finden.“ Glaube, Liebe, Hoffnung, da war die Kirchenfrau wieder bei Luther. Ja, die Liebe ist die Größte unter ihnen. Und alle sind wir Geschöpfe Gottes, die, die wir mögen wie die, die wir nicht mögen. Käßmann: „Wenn Gott mich liebt, dann werde ich mich auch selber lieben können.“

Lesen Sie jetzt