Beherbergungsverbot: Was sind meine Rechte?

Coronavirus

Das Beherbergungsverbot für Touristen aus Corona-Risikogebieten in einigen Bundesländern sorgt für Irritationen bei Urlaubswilligen. Reiserechtsexpertin Beate Wagner beantwortet Fragen dazu.

Castrop-Rauxel

15.10.2020, 16:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Beherbergungsverbot gilt in einigen Bundesländern für Menschen, die wie aus dem Kreis Recklinghausen in Risikogebieten leben.

Das Beherbergungsverbot gilt in einigen Bundesländern für Menschen, die wie aus dem Kreis Recklinghausen in Risikogebieten leben. © picture alliance/dpa

In Bande-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen gilt seit Donnerstag (15.10.) kein Beherbergungsverbot mehr für Touristen aus deutschen Risikogebieten. Doch in anderen Bundesländern sind davon noch viele Menschen betroffen. Die Verbraucherzentrale erreichen dazu viele Anfragen. Beate Wagner, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, gibt Antworten auf die wichtigsten, rechtlichen Fragen.

? Was bedeutet das Beherbergungsverbot aus rechtlicher Sicht für eine aktuell geplante Reise?

Da das „Beherbergungsverbot“ nicht für Personen gilt, die einen negativen Coronatest aus den vergangenen 48 Stunden vorlegen können, handelt es sich letztlich nicht um ein Verbot, sondern um eine Pflicht zum Nachweis eines negativen Testergebnisses. Daraus ergeben sich rechtliche, bislang ungeklärte Fragen.

? Können Verbraucher, die nun nicht mehr reisen können oder wollen, die Unterkunft wegen eines Beherbergungsverbots kostenfrei „stornieren“?

Falls aus eigenem Antrieb die Reise nicht angetreten wird, ist ein kostenfreier Rücktritt vom Beherbergungsvertrag nach deutschem Recht nur dann möglich, wenn diese Möglichkeit vorab vertraglich vereinbart wurde. Andernfalls ist die Stornierung mit Kosten verbunden. Die Kosten reduzieren sich dann nur um die Aufwendungen, die dem Hotelier oder Vermieter durch die Stornierung der Unterkunft nicht entstehen werden. Als Faustformel für die Reduzierung können je nach Verpflegung bei Unterkünften folgende Prozentsätze als Orientierung dienen: 40 Prozent bei Vollpension, 30 Prozent bei Halbpension, 20 Prozent bei Übernachtung mit Frühstück und 10 Prozent bei bloßer Übernachtung.

? Muss die Unterkunft auch für die Tage bezahlt werden, an denen Verbraucher sie nicht nutzen können, weil sie beispielsweise nicht rechtzeitig einen negativen Coronatest nachweisen können?

Nein, diese Tage müssen nach Ansicht der Verbraucherberatung nicht bezahlt werden. Denn die Reise ist bei bestehendem Beherbergungsverbot nur mit dem Nachweis eines negativen Testergebnisses möglich. Das gilt jedoch nur, wenn der Reisende unverschuldet das Testergebnis nicht rechtzeitig vorlegen konnte, etwa weil die Kapazitäten der Teststellen nicht ausreichen oder der Heimatort erst sehr kurz vor Reisebeginn als Risikogebiet eingestuft wurde.

Informationen

  • Persönliche Beratung zum Thema Reiserecht gibt es nach Terminvergabe in der Beratungsstelle Castrop-Rauxel, Mühlengasse 4, Tel. (02305) 69879-01.
  • Weitere Hinweise rund um viele Corona-Fragen im Verbraucheralltag gibt es online unter www.verbraucherzentrale.nrw/corona

? Müssen Verbraucher die gebuchte Unterkunft bezahlen, wenn sie wegen eines positiven Testergebnisses nicht reisen können?

Ein positives Testergebnis fällt wie eine Erkrankung, derentwegen nicht gereist werden kann, in die Risikosphäre des Verbrauchers. In diesem Fall ist bei individuell gebuchten Unterkünften die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen zu zahlen.

? Was empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW?

Es ist sinnvoll, sich an den Hotelier oder Vermieter der Unterkunft zu wenden und sich zu erkundigen, ob eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann. Denkbar ist eine Umbuchung auf einen anderen Termin oder doch eine kostenfreie Stornierung, da Unterkünfte in Deutschland nach wie vor sehr stark nachgefragt werden.

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