Bei der Premiere der WLT-Rock-Revue „Musikladen“ regnet es Retro-Hits

mlzWestfälisches Landestheater

Mit der Openair-Rock-Revue „Musikladen“ ist dem Westfälischen Landestheater (WLT) ein beglückender Abend gelungen, der gespickt war mit den Hits der 70er-Jahre.

Castrop-Rauxel

, 06.06.2020, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum man die Musik der 70er-Jahre lieben muss? Weil nach der stürmischen Innovation der 60er viele Stile in voller Blüte standen, die in ihren Genres Hits, Hits, Hits abwarfen, die zu Evergreens reiften.

Zugegeben: Nostalgische Verklärung der eigenen Jugend ist auch ein Grund, warum wir am Freitag in Castrop-Rauxel Momente der Verzückung erlebten: Am Westfälischen Landestheater (WLT) ging der „Musikladen“ über die Openair-Bühne, eine Hit-Revue, die keine Wünsche offen ließ: Perlen von Roxy Music, David Bowie, Sparks, Nazareth, Slade, Madness, The Police, The Ramones, Stevie Wonder und noch mehr.

Erste WLT-Produktion nach der Corona-Pause

Mit Fug und Recht nennt Regisseur und Chef-Musikus Tankred Schleinschock die erste WLT-Produktion nach der Corona-Pause „eine musikalische Wundertüte“. Rock trifft Pop, Funk trifft Punk, Disko steht neben Blödel-Nummern von Insterburg und Co., für jeden etwas dabei.

So wie damals in der Glotze, als Radio Bremen 1972 mit dem „Musikladen“ auf Sendung ging und ähnlich erfolgreich war wie mit dem „Beatclub“, den Schleinschock auch schon feierte.

Im „Musikladen“ sangen die WLT-Darsteller auf Abstand

250 Gäste kamen in den Genuss einer fidelen Show, deren Unterhaltungswert durch die Corona-Regeln nicht gemindert wurde. „Alles halb so wild. Nur schade, dass wir nicht beieinander sitzen“, meint Besucher Franco Vit in der Pause.

Die WLT-Premieren-Besucher wurden nicht nur von den Darstellern und der Musik beglückt, sondern auch von einem wunderschönen Regenbogen.

Die WLT-Premieren-Besucher wurden nicht nur von den Darstellern und der Musik beglückt, sondern auch von einem wunderschönen Regenbogen. © Michael Fritsch

„Dann würde man auf Tuchfühlung gehen oder sogar schunkeln.“ Auch das Ensemble musste auf Abstand singen, jonglierte aber regelrecht mit Trennwänden aus Plexiglas, und das Lippe-Saiten-Orchester ist durch die Unterbringung in zwei separaten Containern nicht aus dem Takt zu bringen.

Im Gegenteil: Dem Regen zu Vorstellungsbeginn setzen die Musiker einen Regen von Retro-Hits entgegen, ein Knaller jagt den nächsten. Jawohl, es ist eine Nummernshow, aber eine mit Stil, Humor und Klasse.

Band unter Tankred Schleinschock bewegt sich dicht am Originalsound

Auswahl und Arrangements der Songs kann man nur exquisit nennen. Die Band unter Schleinschock bewegt sich dicht am Originalsound. Sie meistert vertrackte Nummern wie „This Town Ain‘t Big Enough“ und „Virginia Plain“, besticht durch superbe Bläsersätze („Superstition“), räumt härtere Bretter ab („The Jean Genie“, „Gudbuy T‘Jane“, „You Ain‘t Seen Nothin‘ Yet“), hält aber auch Balladen wie „Love Hurts“ hoch.

Dass Tankred Schleinschock absolut in der Materie ist, beweist er mit Tim Currys „I Do The Rock“. Endlich jemand, der diese fabelhafte Nummer auf dem Kieker hat, besten Dank! Gesungen wird sie von Hannes Staffler, der vorher den Bryan Ferry gab und nun Currys exaltierten Zungenschlag perfekt imitiert.

Es sind die singenden Darsteller, die den Arrangements das Sahnehäubchen aufsetzen: Stark, wie Jessica Kessler den Operettengesang von „Barracuda“ stemmt. Patrick Sühl ist eine Allzweckwaffe im Fach des Rockers, sattelfest auch in höheren Lagen.

Zungenflink im Duett

Franziska Ferrari verkörpert Joan Jett, im Duett mit Mike Kühne galoppiert sie als zungenflinke „Inge Insterburg“ durch die umgetextete Version von „Ich liebte ein Mädchen“. Mario Thomanek schmeißt sich mit Verve in Insterburgs „Diese Scheibe ist ein Hit“. Köstlich.

Maud Herrleins Kostüme sind ein Hingucker, speziell die Outfits für den Damen-Dreier mit „Lady Marmalade“ und ihre spacige „Trash“-Gordon-Hommage zum Queen-Hit „Flash“. Zum akustischen gesellt sich also noch das optische Vergnügen - ein wirklich beglückender Abend.

Das WLT-Ensemble spielt den Musikladen auch noch am Samstag- und Sonntagabend jeweils um 19.30 Uhr auf dem Parkplatz an der Bahnhofstraße. Beide Veranstaltungen sind ausverkauft. Reguläre Aufführungen soll es geben am 30.9. im Wittener Saalbau und am 11.11. im Kurhaus Hamm. Karten jeweils vor Ort.
Lesen Sie jetzt