Bei der Wohnungssuche auf den Energieträger achten: das spart Geld

mlzSerie: Timo zieht aus

Bei der Wohnungssuche entscheiden nicht nur Ansprüche und Budget. Abiturient Timo Eismann lässt sich von der Verbraucherzentrale erklären, worauf es noch ankommt.

Castrop-Rauxel

, 09.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Timo Eismann will zum Studium den Schritt in die erste eigene Wohnung wagen. Dafür macht er sich auf Wohnungssuche in der Nähe der Uni. Anke Hormel, Beraterin bei der Verbraucherzentrale, erklärt ihm, worauf es in Sachen Energie dabei ankommt.

Entscheidend bei der Wohnungssuche sind nicht nur Kosten und Ansprüche des Mieters, sondern auch der Energieträger und die Art der Warmwasserbereitung.

Das muss man vor dem Einzug beachten:

1. Gas

„Ich gehe davon aus, dass wir zu Hause bei meinen Eltern Gas haben.“ Das ist mittlerweile Standard, in Altbauten gibt es häufiger Öl. Im Neubau gibt es manchmal auch Holzpellets.

2. Nachtspeicheröfen

Es ist eine elektrisch betriebene Heizung, bei der ein Wärmespeicher in Schwachlastzeiten durch im Vergleich zum Normaltarif günstiger angebotene elektrische Energie aufgeheizt wird. Nachtspeicheröfen laufen auf Strom, sind also relativ teuer.

3. Fernwärme

Als Fernwärme wird eine Wärmelieferung zur Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und Warmwasser bezeichnet. Fernwärme versorgt vor allem Wohngebäude neben Raumwärme auch mit Warmwasser, indem die Wärme vom Erzeuger oder der Sammelstelle zu den Verbrauchern geleitet wird.

4. Durchlauferhitzer

Dabei läuft auf Strombasis kaltes Wasser in den Erhitzer und wird dort warm gemacht. Dafür zahlt man auch wieder den Preis für den Haushaltsstrom.

Die Preise werden pro Kilowattstunde (Stromverbrauch auf eine Stunde gerechnet) berechnet. „Bei den Preisen von Strom und Heizöl/Gas gibt es einen eklatanten Unterschied“, sagt Anke Hormel. Für Heizöl und Gas sind es durchschnittlich 6 Cent, bei Strom etwa 20 Cent. „Wählt man da intelligent aus, kann man Geld sparen“, so Hormel. Hat man zum Beispiel Nachtspeicheröfen und einen Durchlauferhitzer, sollte man an seinem Nutzerverhalten arbeiten. „20 Minuten duschen können da schnell teuer werden“, so Hormel.

Zählerstände dokumentieren

Auch wenn der Vermieter sich um die Abrechnung der Nebenkosten kümmert, sollten Mieter immer die Zählerstände für Warmwasser notieren. So können sie die Abrechnung besser überprüfen.

Als potenzieller Mieter hat man das Recht, den Energieausweis des Hauses einzusehen. Der zeigt an, wieviel im Haus etwa verbraucht wird. Das hängt auch mit der Bausubstanz zusammen. Alte Gebäude, die nicht gut gedämmt sind, brauchen mehr Energie. Das bedeutet wiederum höhere Kosten für den Mieter.

Wärme steigt nach oben

Für den Mieter sei es sinnvoll, so viele Infos wie möglich über die Wohnung zu sammeln. Dabei sei auch entscheidend, wo die Wohnung im Mehrfamilienhaus liegt. Denn eine Souterrain-Wohnung funktioniert anders als eine Dachgeschoss-Wohnung. „Klar“, sagt Timo. „Wärme steigt ja nach oben. Da ist es im Souterrain im Sommer schön kühl und im Dachgeschoss sehr warm.“

Hat der Neumieter die Möglichkeit, mit dem Vormieter zu sprechen, kann das ebenfalls hilfreich sein. „Er kann Auskunft darüber geben, wie es sich in der Wohnung gewohnt hat oder ob es Probleme gab“, sagt Hormel.

Stromanbieter

In der ersten eigenen Wohnung braucht Timo Eismann nicht nur eine Heizung, sondern auch Strom. „Wenn man in der Wohnung Licht anmacht, hat man den Vertrag mit dem Grundversorger geschlossen“, sagt Anke Hormel. Der ist aber nur selten der günstigste. In Castrop-Rauxel ist das Innogy. Portale wie Check24 und Verivox können bei der Suche nach dem besten Anbieter helfen.

Doch bei den Vergleichsportalen, die mit Provisionen arbeiten, gibt es Fallstricke. Nicht alle Stromanbieter sind in allen Städten verfügbar. Schon beim Filter sollte man darauf achten, dass der Bonus nicht mitgerechnet wird. So spuckt das Portal den tatsächlichen monatlichen Betrag aus.

Bei der Wohnungssuche auf den Energieträger achten: das spart Geld

Mit einem Lego-Modell zeigt Anke Hormel, wo energetische Tücken in einer Wohnung stecken können. © Ann-Kathrin Gumpert

Die Vertragslaufzeit sollte zwölf Monate nicht übersteigen, damit man flexibler wechseln kann. Bei der Kündigungsfrist empfiehlt die Verbraucherzentrale einen Monat. „Und Timo Eismann sollte darauf achten, dass sich der Vertrag nicht automatisch um zwölf Monate verlängert“, so Sine Schiwy von der VZ.

Verzichten sollte man auf Optionen wie Vorkasse, Kaution und Paket-Tarife. „Die beinhalten meist einen festen Verbrauch. Ist der tatsächliche Verbrauch niedriger wird der Tarif nicht günstiger, ist er höher, wird er aber teurer“, so Schiwy. Auch den Punkt „hohe Kundenempfehlungsquote“ sollte man nicht anklicken. „Das ist zu subjektiv und einseitig“, so Schiwy. „Direkte Wechselmöglichkeit“ hört sich erst mal super an, zeigt aber nur die Unternehmen an, die direkt mit dem Portal zusammenarbeiten.

Kunden wie Timo Eismann sollten sich bei den angezeigten Tarifen nicht davon abschrecken lassen, wenn sie die dazugehörigen Unternehmen nicht kennen. Der Bund der Energieverbraucher gibt ausführliche Infos zu den Stromanbietern.

Das muss man beim Einzug beachten:

Im Sommer muss man anders lüften als im Winter. Denn wenn man die Fenster einfach offen stehen lässt, holt man sich die Hitze in die Wohnung. Feuchte Luft kann so an den Wänden kondensieren und im schlimmsten Fall Schimmel erzeugen. Stoßlüften spare am meisten Energie, so Anke Hormel. „Vorher aber unbedingt die Heizung ausmachen.“ Bei Durchzug könne sich die Luft am besten austauschen.

Auch die Bausubstanz entscheidet über Energiekosten. Bis zu fünf Grad Unterschied kann es ausmachen, wenn es sich um ein altes, ungedämmtes Haus handelt. Dort sammelt sich schneller Feuchtigkeit und die ist Nährboden für Schimmel. Der wächst ab einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent und das ziemlich schnell innerhalb von ein bis zwei Wochen.

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Mit einem Häusermodell zeigt Anke Hormel von der Verbraucherzentrale, wie man eine Wohnung richtig lüftet. © Ann-Kathrin Gumpert

Um Ecken zu vermeiden, in denen sich der Schimmel besonders wohlfühlt, sollte man darauf achten, wo man Schrank und Bett hinstellt. Hat man einen Heizkörper am Fenster, sollte man auf dicke Vorhänge verzichten. So kann sich die warme Luft besser nach oben verteilen. Und: Auch nicht das Sofa vor die Heizung stellen.

Um feuchte Ecken im Bad zu vermeiden, kann man nach dem Duschen die Fliesen mit einem Abzieher trocknen. „Das Wasser gelangt so nicht in die Luft, sondern in den Abfluss“, so Anke Hormel. Und: Feuchte Lappen vom Putzen gehören nicht zum Trocknen auf die Heizung.

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Timo Eismann macht in diesem Sommer sein Abitur. Danach will er in Essen studieren. © Ann-Kathrin Gumpert

Das ist Timo Eismann

Timo Eismann ist 18 Jahre alt und macht dieses Jahr Abitur am Ernst-Barlach-Gymnasium. Ab Oktober will er medizinische Biologie an der Uni Duisburg-Essen studieren - vorausgesetzt er schafft den Numerus Clausus. Plan B ist ein Studium auf Lehramt. „Naturwissenschaften liegen mir einfach mehr“, sagt er. Er kann sich vorstellen, später in die Forschung zu gehen. Mit seinen Eltern wohnt er in Rauxel. Seine ältere Schwester ist bereits ausgezogen.
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