Bei Michele gibt es, was das italienische Herz begehrt: Zu leckerer Pizza und Pasta wird familiäre Atmosphäre der Inhaber gratis dazu geboten. Wir haben dort den Restaurant-Check gemacht.

von Torben Kassler

Obercastrop

, 22.01.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 5 min

Dass das „Bei Michele“ mehr ist als ein x-beliebiger Pizzalieferservice, merkt man schon an seinem stolzen Alter von 47 Jahren. Vor Michele Fioriglio betrieb Familie Scolaro (heute im Martins) das Restaurant an der Wittener Straße, das so seit 1972 läuft. In meiner Kindheit war ich mit meiner Familie oft hier essen. In meiner Kindheit war ich mit meiner Familie immer hier essen, wenn es etwas zu feiern gab. Jetzt, nachdem ich gute zehn Jahre nicht mehr hier war, kam ich für den Restaurant Check wieder – und wurde erkannt.

Das Essen

Eine Bemerkung vorab: Die Fisch- und Meeresfrüchtegerichte, die einen Großteil der Karte einnehmen und von denen - vor allem von den Miesmuscheln - mein Vater immer sehr schwärmte, konnten weder ich noch meine Begleiterin testen, da wir quasi nichts mögen, was aus dem Meer kommt.

Wie sich das für einen guten Italiener gehört, wurde uns, bevor unsere Vorspeise kam, erst einmal eine Portion Pizzabrötchen mit Kräuterbutter gebracht. Die Pizzabrötchen waren genau wie man sich gute Pizzabrötchen vorstellt: von außen knusprig, innen weich und fluffig und noch warm. Die Kräuterbutter war auch sehr gut. Knoblauch, Kräuter und Paprika für das gewisse Etwas.

Als Vorspeise bestellten wir einmal Bruschetta und einen Insalata di Patate Cipolla e Pomodoro – einen Salat mit Pellkartoffeln, Zwiebeln und Tomaten. Der Salat war in kürzester Zeit am Tisch. Die Kartoffeln hatten noch eine angenehm warme Esstemperatur und passten sehr gut zum kräftigen Geschmack von Zwiebeln und Essig. Schlicht aber lecker!

Vorspeise Nummer zwei: Salat mit Pellkartoffeln und Zwiebeln.

Vorspeise Nummer zwei: Salat mit Pellkartoffeln und Zwiebeln. © Torben Kassler

Das Bruschetta ging leider irgendwo auf dem Weg zwischen Bestellung und Küche verloren, sodass ich den Kellner noch einmal drauf ansprechen musste, dann kam es aber nach kurzer Wartezeit an den Tisch. Und die Wartezeit hatte sich gelohnt. Frische, knackige Tomaten, genau die richtige Menge an Zwiebeln und Knoblauch und kross geröstete Pizzabrötchenhälften machten diese Vorspeise zu einem Genuss. Selbst die Oliven, die eigentlich nur Garnitur waren, waren echte schwarze Oliven und nicht die preiswerte Variante der eingefärbten Grünen. Und einen Vorteil hatte die Verspätung beim Bruschetta, denn so wurde die Wartezeit zwischen Vorspeise und Hauptgericht extrem geschmackvoll überbrückt und wir kamen aus dem Essen gar nicht mehr raus.

Zur Vorspeise gab es Bruschetta.

Zur Vorspeise gab es Bruschetta. © Torben Kassler

Als Hauptgericht bestellte meine Begleitung Bandnudeln mit Schweinefiletspitzen, Pfifferlingen und Sahnesoße und ich eine Pizza mit Rucola, Parmaschinken und Granakäse. An den Nudeln gab es absolut nichts auszusetzen. Das Schweinefilet war perfekt: zart, kein bisschen trocken, schön angebraten und extrem lecker. Die Pfifferlinge waren sowohl von der Konsistenz als auch vom Geschmack sehr gut und die Sahnesoße war lecker und dabei nicht zu fettig. Auch die Nudeln waren schmackhaft und auf den Punkt zubereitet. Die Portion war dabei so groß, dass meine Begleitung ein gutes Drittel überlassen musste und ich noch in den Genuss der Nudeln kam.

Zur Hauptspeise gab es Bandnudeln mit Schweinefilet.

Zur Hauptspeise gab es Bandnudeln mit Schweinefilet. © Torben Kassler

Aber mein Höhepunkt war ganz klar die Pizza. Der Boden war genauso, wie man sich italienische Pizza wünscht - dünn und knusprig. Darauf eine leckere Tomatensoße, in der noch Stücke von frischen Tomaten waren. Eine angenehme Schicht Pizzakäse, weder zu dick, noch zu dünn, sodass die Pizza auch nicht vor Fett triefte. Frischer Rucola, gehobelter Granakäse und hochwertiger Parmaschinken rundeten das Ganze ab. Das I-Tüpfelchen war die Balsamicocreme, die noch auf den Belag gespritzt wurde und deren Süße einen ausgezeichneten Kontrast zum kräftigen Geschmack des Rucola bildete. Einfach großartig! Das einzige Manko war, dass es diese Pizza nur in der Größe „Normal“ gab und somit für den Preis von 11 Euro etwas zu klein war. Bei dem geschmacklichen Erlebnis konnte ich darüber aber hinwegsehen. Da wir nach diesen zwei Gängen schon so vollgestopft waren, dass wir unsere obersten Hosenknöpfe öffnen mussten, musste der angedachte Nachtisch leider ausfallen.

Das Highlight des Abends: die Pizza mit Rucola. Punktabzug gibt es da nur für die Größe.

Das Highlight des Abends: die Pizza mit Rucola. Punktabzug gibt es da nur für die Größe. © Torben Kassler

Der Service

Obwohl der Laden an diesem Sonntagabend konstant bis auf einen oder zwei Tische besetzt war, hatten die beiden routinierten Servicekräfte ihn voll im Griff und wickelten Bestellungen sehr schnell ab. Meistens reichte schon ein Blick, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wir wurden nett und höflich bedient und als ich den Kellner auf das fehlende Bruschetta aufmerksam machte, entschuldigte er sich mehrmals. Einer der Kellner war sowohl bei uns, als auch bei den anderen Tischen, immer für ein Schwätzchen und einen Scherz aufgelegt. Genauso wie ich ihn noch aus meiner Kindheit kannte und er mich anscheinend auch. Denn als ich beim Bezahlen sagte, dass ich den Restaurant-Check gemacht habe und wir ein wenig ins Gespräch kamen, erinnerte er sich an mich und sprach mich auf meinen Vater an. Definitiver Pluspunkt!

Die Preise

Insgesamt würde ich sagen, für ein italienisches Restaurant – nicht zu verwechseln mit einer Lieferpizzeria – waren die Preise, vor allem für diese Qualität, voll in Ordnung. Bruschetta für 4 Euro und der Salat für 5 Euro sind ein ganz normales Preissegment. Auch die Nudeln für 12,50 Euro halte ich für sehr angemessen. Einziger Abzug hier wieder die Pizza. Für 11 Euro hätte ich schon gerne etwas mehr gehabt, auch wenn die Qualität es wieder wettmachte. Alles in allem haben wir für zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte und drei große Cola – weder ich noch meine Begleitung tranken an diesem Abend Alkohol – 44,70 Euro bezahlt.

Die Atmosphäre

Das „Bei Michele“ ist ein Restaurant mit Tradition und das merkt man. Als ich nach guten zehn Jahren, in denen ich nicht mehr hier war, wieder durch die Tür kam, hat es sich genau so angefühlt wie damals, was auch daran liegen könnte, dass sich das Interieur nicht verändert hat. Das Aquarium zur Rechten und der offene Pizzabackbereich kurz hinter dem Eingang lassen einen das Restaurant mit einem angenehmen Gefühl betreten.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bei Michele an der Wittener Straße

Pizza und Pasta gibt es "Bei Michele" an der Wittener Straße. Wir waren zum Restaurant-Check da.
22.01.2019
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Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler
Bei Michele gibt es klassische italienische Küche.© Torben Kassler

Die Einrichtung ist klassisch mediterran. Erdfarbene Wände, dekorative Wagenräder und ein schmuckvoller Heizofen runden das Gefühl von Italien ab. Durch die abgetrennten Essnischen hat man während des Essens seine Ruhe vor den anderen Besuchern des Restaurants. An den Tischen essen Leute aller Altersgruppen, man sieht Kinder wie auch junge Erwachsene und Senioren. Alles in allem eine warme und freundliche Atmosphäre.

Kinderfreundlichkeit

Neben der wirklich umfangreichen Kinderspeisekarte, die insgesamt 15 Gerichte – Nudeln, Schnitzel, Pizza und Eis – umfasst, gibt es auch in der Dessertkategorie noch extra Kindergerichte. In der Damentoilette steht ein extra Tisch, der – so vermuteten ich und meine Begleitung – als Wickeltisch benutzt werden kann. Einen Hochstuhl gibt es auch. Pluspunkt: Auf der Speisekarte wird neben Kindergerichten auch auf spezielle Gerichte für Senioren hingewiesen.

Barrierefreiheit

Um in das Restaurant zu kommen muss man zwei Stufen hinauf. Im Speiseraum selbst ist dann alles ebenerdig, auch der Weg zu den Toiletten.

Parken/Anfahrt

Leider hat das „Bei Michele“ keinen eigenen Parkplatz und man muss auf den umliegenden Straßen suchen. Aber obwohl es bei unserem Besuch 19 Uhr am Sonntagabend war - meiner Meinung nach Hochzeit was Essen gehen angeht – fanden wir sehr schnell einen auf der Cottenburgstraße, der fast direkt am Haus lag. Mit der Buslinie 378 kann man entweder die Haltestellen Tiergartenstraße oder Evangelischer Friedhof anfahren, von denen ein kurzer Fußweg zum Ziel führt.

Mein Fazit

Es gibt einen Grund, warum es dieses Lokal seit 47 Jahren gibt: „Bei Michele“ ist immer noch genauso gut, wie ich es in Erinnerung hatte. Für einen angemessenen Preis haben meine Begleitung und ich uns hier mit teils schlichtem, teils ausgefallenerem, aber dafür immer ausgezeichnetem, italienischem Essen in einer wirklich angenehmen, familiären Atmosphäre den Bauch so vollgestopft, dass wir danach Schmerzen beim Einatmen und Gehen hatten. Jedes Mal wieder gerne!

Das sagt das Netz

Bei Google schneidet „Bei Michele“ bei 130 Bewertungen mit 4,3 Sternen ab. Die meisten Bewertungen sind sich einig: Super Essen für einen guten Preis in netter familiärer Atmosphäre. Kommentare wie: „Seit 35 Jahren immer wieder gerne. Beste Pizza und Salat in ganz Castrop-Rauxel“ liest man hier nicht selten. Negative Bewertungen bemängeln mitunter die Freundlichkeit der Bedienung.

Bei Facebook erlangt das Restaurant bei 14 Bewertungen 4,4 von 5 Sternen. Auch hier türmen sich die Bewertungen von Stammgästen, die hier seit Jahren essen gehen.

SO FUNKTIONIERT DER RESTAURANT-CHECK

Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken. Ehrlich.
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