Die Stadt bekommt ein Heimat- und Bergbaumuseum. „Wir wollen Bochum keine Konkurrenz machen“, sagt Bert Falk vom Trägerverein beim Ortstermin in der neuen Behausung: einer Turnhalle.

Dingen

, 13.02.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Turnhalle in Dingen hinter dem Berufsbildungszentrum steht seit 2016 leer. Eigentlich sogar schon seit 2013, da wurde sie als Turnhalle nicht mehr genutzt. Dann kam die Zeit, in der viele Menschen die Flucht nach Deutschland antraten, und die Stadt eröffnete hier eine Notunterkunft für Geflüchtete. Diese Zwischenepisode ist vorüber. Ab Herbst könnten nun in der Turnhalle auf rund 280 Quadratmetern vielleicht schon Ausstellungsstücke aus dem Fundus der Stadt zu sehen sein.

Draisine, Grubenwehr, Pannschüppe und ein Scheißkübel

Beim Ortstermin mit dem Vorstand des Vereins Heimat und Kultur, der sich seit elf Jahren um die Eröffnung eines solchen Museums bemüht, sind schon einige Exponate zu sehen: eine Draisine auf zwei kurzen Gleisstücken, eine lebensgroße Puppe in der Kluft der Grubenwehr, Presslufthammer, Kohle, Querschnitt-Bilder, wie ein Stollen aussah, Pannschüppe, eine Bergmanns-Toilette, die man Scheißkübel nennt: Das steht schon in der neuen Halle. Hinten an der Wand stehen Umzugskisten sauber gestapelt und daneben eine Vitrine mit zwei großen Fahnen der Ickerner Schützengilde, die sich einst auflöste.

In Kürze

Das Heimat- und Bergbaumuseum Castrop-Rauxel

  • Der Verein Heimat und Kultur wird das Museum betreiben.
  • Standort ist die Turnhalle an der Westheide in Dingen hinter dem Berufsbildungszentrum.
  • Auf 288 Quadratmetern wird ausgestellt, was der Stadt oder dem Verein gehört.
  • Der Eintritt soll frei sein.
  • Wie Öffnungszeiten geregelt sind, ist noch offen.
  • Der Zugang (eine Stufe) wird mit einer Rampe barrierefrei hergerichtet.
  • Der Plan ist, Schulen, Kitas und eventuell auch Seniorenheime einzuladen.
  • Es wird einen Film-Vorführraum geben.
  • Die Halle soll dem Verein möglicherweise kostenlos von der Stadt überlassen werden.
  • Gegebenenfalls muss noch eine Behindertentoilette hergerichtet werden.

Geschichtsorientiert. Heimatnah. Nicht nur, aber mit viel Bergbau-Kultur: So soll die Ausstellung werden. „Priorität hat der Bergbau“, sagt der einstige Steiger Hans-Jürgen Dreyer, „aber wir haben auch Wohnkultur, Schulkultur und Bauernschaft dabei. Diese vier Themen wollen wir ausstellen: Wie hat man früher gelebt? Welche Möbel hatte man? Da ist für jeden etwas dabei“, so Dreyer. Er ist Vorsitzender des Vereins Heimat und Kultur, der nun endlich sein Ziel erreicht hat: „Wir wollen nicht konkurrieren mit Bochum, das können wir auch gar nicht“, erklärt Bert Falk, Beisitzer des Vereins, mit Blick auf das Deutsche Bergbaumuseum in der Nachbarstadt. „Unser Bezug ist Castrop-Rauxel: Wir wenden uns an alle Menschen, die in Castrop-Rauxel mit dem Bergbau oder der Landwirtschaft groß geworden sind.“ Das wolle man auch Jugendlichen und Kindern näher bringen, „die das alles nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen. Wir wollen Schulen einladen und den Kindern erklären: So hat dein Ur-Ur-Opa gelebt“, so Falk.

Über Jahre in verschiedenen Lagerräumen

Endlich, meint der Vorstand, könne man die Stücke, die seit Jahren in verschiedenen Räumen eingelagert waren, den Menschen zeigen. Dabei handelt es sich weitgehend um städtische Besitztümer oder Dinge, die Castrop-Rauxeler aus Hinterlassenschaften oder Kellern der Stadt dem Verein zur Verfügung gestellt haben, um sie einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Hans-Jürgen Dreyer sagt: „Die Exponate gehören der Stadt, wir pflegen sie und stellen sie aus. Weil wir das kostenlos tun, hatten wir gehofft, dass wir viel eher eine Unterkunft für die Exponate bekommen. Aber es hat elf Jahre gedauert.“

Nach den Osterferien 2013, als der Sportbetrieb eingestellt wurde, war die Hoffnung schon mal groß, die Halle nutzen zu können. Im Stärkungspakt Stadtfinanzen hatte der Rat 2012 beschlossen, diese und die Barbarahalle in Ickern zu schließen. Ersatz stand mit der neuen Halle am EBG parat. Aber dann kam die Flüchtlingskrise und mit ihr die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten: Die Halle kam da wie gelegen für die Stadtverwaltung. Von November 2015 diente sie zwei Jahre lang als Notunterkunft. „Der Bürgermeister hat uns erst vertröstet“, erzählt Michaela Hartung, die 2. Vorsitzende des Vereins, die beim Immobilienmanagement der Stadt arbeitet. „Dann sollten wir in die Marienburger Grundschule gehen, dorthin sind aber dann die Flüchtlinge und Obdachlosen umgezogen. So mussten wir mit unseren Sachen in die leer stehende Ickerner Gesamtschule umziehen.“ Man sei inzwischen vier bis fünf Mal umgezogen. „Entsprechend müssen wir nun erst einmal katalogisieren, was wir haben.“ Bei den Umzügen sei auch das eine oder andere beschädigt worden.

„Ich habe dem Bürgermeister immer wieder auf die Füße getreten, nie locker gelassen.“
Michaela Hartung

Hartung sagt: „Ich habe dem Bürgermeister immer wieder auf die Füße getreten, nie locker gelassen. Aus dem Grunde haben wir dann im Herbst 2018 gesagt bekommen, dass wir die Turnhalle bekommen können.“ Gerüchte, dass sie zwischendrin schon zum Verkauf stand, dementiert die Stadtverwaltung auf Anfrage.

Nun wartet wieder viel Arbeit auf den Verein mit seinen zurzeit 17 Mitgliedern: „Die Stadt hat Auflagen“, so Michaela Hartung: „Sie musste eine Nutzungsänderung beantragen, die im Dezember genehmigt worden ist. Es sind aber auch viele Kleinigkeiten zu tun: Durch die Nichtnutzung über mehrere Jahre sind einige Dinge nicht mehr ganz in Ordnung.“ Die Kollegen vom Immobilienmanagement seien aber schon dabei, die Probleme zu beheben. Die Duschräume können stillgelegt und als Werkstatt oder Lagerräume weiter genutzt werden. „Jedoch müssen die Räume künftig beheizt werden“, so die Stadtverwaltung auf Anfrage. Dafür müssen noch Heizkörper installiert werden. Eine Lüftungsanlage ist bei der angedachten Nutzung aber nicht mehr erforderlich. Die Kosten für den Umbau liegen laut Stadt-Pressesprecherin Maresa Hilleringmann bei rund 25.000 Euro. „Und wir sind glücklich“, so Hartung.

Anstrich, Möbelkauf: Ein Heimat-Scheck wird helfen

Anstreichen wollen sie nun, die Exponate aus Ickern nach Dingen bringen, parallel ein Konzept für die Ausstellung erarbeiten, Möbel anschaffen, einen Nebenraum, der als Geräteraum diente, zu einem Vorführraum für Filme umgestalten und von der Halle etwas abtrennen. Dazu hat der Verein einen Heimat-Scheck beantragt: Das Land NRW billigt für genau solche Projekte zur Förderung der Heimatkultur Projekte im ganzen Land mit Geldern.

„Es gibt ja nichts, was besser passt als ein Verein, der mit Ehrenamtlichen ein Heimatmuseum auf die Beine stellt“, findet Michaela Hartung. „Wir dürfen nur vor der Bewilligung nicht hier anfangen umzubauen.“ Sie habe am Freitag noch mit dem Ministerium telefoniert und grünes Licht bekommen: „Dadurch haben wir ein finanzielles Polster“, sagt sie.

„Ich komme aus Hamburg“, erzählt Hans-Jürgen Dreyer, „lebe seit 1955 in Castrop-Rauxel – aber Sie können mich heute noch in Hamburg irgendwohin stellen, ich kenne Hamburg.“ Genau das wolle man auch für die Menschen in Castrop-Rauxel wieder mehr erreichen. Bert Falk findet: „Heimatkunde wurde in den Schulen zuletzt vernachlässigt, aber die Schulen ändern da gerade ihre Strategie, damit die Kinder wieder kennenlernen, wo sie leben und wohnen. Genau da wollen wir helfen.“

Der Verein sucht Helfer und Spenden

Es sollen weitere Dinge zu den bisher angelieferten Exponaten hinzu kommen: ein Panzer, also eine Förderanlage mit einer riesigen Kette zum Beispiel; und die Statue einer Heiligen Barbara, gebaut aus Messinghülsen von Rangierloks aus dem Bergbau. Gesucht werden weitere Artikel und Geldspenden, die dem Verein bei der Arbeit helfen – und helfende Hände: Wer Mitglied werden möchte oder einfach mal mit anpacken kann, kann sich beim Vorstand melden.

Als Michaela Hartung vor drei Jahren dem Verein beitrat, sagt sie, fand sie die ganze Idee dahinter super: „Weil man viele Dinge schon gar nicht mehr weiß und sie seinen Kindern und Enkelkindern auch nicht mehr richtig vermitteln kann.“ Ab Herbst könnte es in Dingen dafür eine neue Einrichtung geben.

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