Birgit Biermann: „Dann ist das für Betroffene schwer zu begreifen“

mlzIGBCE im Interview

Birgit Biermann von der IGBCE, der für die Chemie zuständigen Gewerkschaft, traf und trifft sich in diesen Tagen häufiger mit dem Rütgers-Betriebsrat. Zum Stellenabbau bei Rütgers sprachen wir mit der Bezirksleiterin.

Castrop-Rauxel

, 20.09.2018, 15:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frau Biermann, wie ist die IGBCE in den Stellenabbau bei Rütgers einbezogen?

Ich war bei einer Betriebsversammlung dabei, stand und stehe auch im Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden Uli Sternemann.

Wie schätzen Sie die Entwicklungen ein?

Man kann hier nicht von Entlassungen reden, es wird aber Personalabbau geben. Dieser soll über ein Freiwilligenprogramm laufen – das heißt: Das Unternehmen bietet Aufhebungsverträge an und die Möglichkeit, in die sogenannte Qualifizierungsabteilung zu wechseln.

Ist das aus Gewerkschaftssicht ein faires Vorgehen?

Eine Regelung in dieser Kombination zu treffen, ist in positivem Sinne ungewöhnlich. Es heißt ja: Wir bieten dir eine Abfindung an oder wir qualifizieren dich. Das kenne ich so oft nur von Großkonzernen. Das ist Rütgers Germany an sich, wenn man nicht die Rain Carbon Inc. insgesamt betrachtet, ja nicht. Qualifizierung ist immer sinnvoll. Wir sind ja stets die ersten, die zum Arbeitgeber sagen: Wenn du Stellen abbauen musst, qualifiziere deine Leute, damit sie neue Jobs finden.

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Was tut die IGBCE, die ja bei Rütgers einen recht hohen Organisationsgrad erreicht, konkret für die Mitarbeiter?

Wir haben unseren Mitgliedern angeboten, ihren Rechtsschutz im Arbeitsrecht zu nutzen. Ein Fachkollege ist bereits ins Unternehmen herausgefahren und berät die, die es in Anspruch nehmen wollen, arbeitsrechtlich. Wir bieten dort praktisch Sprechstunden an.

Wie empfinden Sie denn die Stimmung in der Belegschaft?

Es ist zurzeit sehr unruhig, klar. Es ruft nicht ständig jemand bei uns an, aber die Grundstimmung ist schon eher eine fragende: Ist man persönlich vom Stellenabbau betroffen oder nicht? Wie geht es für mich persönlich weiter?

Vor einigen Jahren gab es dort auch schon einmal Unruhe. Wer denkt „das hier ist mein Job fürs Leben“, den trifft es. Darum sollte man mit dieser Einschätzung immer vorsichtig sein. Es kann immer Umplanungen der Unternehmen geben. Ich bin zuständig für Unternehmen in der Energiewirtschaft. Diese sind vom Strukturwandel zurzeit sehr stark betroffen.

Es gibt Leute, die halten gerade die Gleichzeitigkeit der großen Investition in Neues und den Stellenabbau für unangemessen. Zurecht?

Es trifft die Leute natürlich besonders hart wegen dieser Verquickung mit dem Aufbau einer ganz neuen Anlage. Wenn ein Arbeitgeber auf der einen Seite investiert, aufbaut und positiv in die Zukunft schaut, aber auf der anderen Seite abbaut, ist das für Betroffene schwer zu begreifen.

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