Vor drei Jahren hat es an der Kirchstraße gebrannt. Jetzt direkt um die Ecke an der Heinestraße/Ruprechtstraße. Alina König war damals betroffen. Sie erinnert sich an die Zeit danach.

Ickern

, 02.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alina König wohnte mit ihren Eltern an der Kirchstraße, als es in dem Sechs-Parteien-Haus bei Renovierungsarbeiten zu einem fatalen Funkenflug kam. Der Funke entfachte ein Feuer, das vor drei Jahren ihr Hab und Gut vernichtete. „Was das Feuer nicht zerstört hat, hat das Wasser zerstört“, erinnert sich die heute 27-Jährige. Die Feuerwehr war damals stundenlang im Einsatz - genau wie am 15. Juni diesen Jahres in der Nachbarschaft.

Beim Brand an der Heinestraße/Ruprechtstraße verloren die Bewohner ebenfalls alles, was sie besitzen. Zumindest alles Materielle - ernsthaft zu Schaden gekommen ist niemand. „Als ich von dem Brand gehört habe, hatte ich sofort Gänsehaut am ganzen Körper“, erinnert sich Alina König, die damals psychische Hilfe in Anspruch genommen hat.

Sofort kamen Erinnerungen hoch. „Als ich dann den Brandgeruch in der Nase hatte, war Feierabend.“ Gleichzeitig wusste sie, dass jetzt ihre Hilfe und die der Ickerner gebraucht wird: „Wenn man selbst betroffen ist weiß man gar nicht, was man zuerst machen soll und wo einem eigentlich der Kopf steht.“

„Stolz darauf, in Ickern zu wohnen“

In kürzester Zeit sammelten die Ickerner Kleidung für die Opfer sowie Handtücher und Hygieneartikel. „An so etwas denkt man gar nicht unbedingt, aber es ist ja wirklich alles weg“, so König, die stolz darauf ist, in Ickern zu wohnen. „Man kann auf die Hilfe der Nachbarschaft vertrauen.“ Damals seien Vertreter der Versicherung schnell vor Ort gewesen und hätten auch nach wenigen Tagen finanzielle Unterstützung gegeben. An ein geregeltes Leben war trotzdem lange nicht zu denken.

„Ich war erstmal eine Weile von der Arbeit freigestellt“, erinnert sich die Bürokauffrau, die seit Kindheitstagen an der Kirchstraße mit ihrer Familie inklusive Tante, Onkel und Cousin gewohnt hatte. Sie musste sich eine neue Wohnung suchen - kam zunächst bei ihrem Bruder unter - und viele Behördengänge machen.

Sämtliche Dokumente, angefangen von der Geburtsurkunde über den Führerschein bis hin zu Bankkarten waren verbrannt. Ersatz zu besorgen, sei langwierig und mühselig gewesen.

Nicht alles kann ersetzt werden

Außerdem musste die Castrop-Rauxelerin ständig einkaufen gehen. „So richtig merkt man erst, was alles fehlt, wenn man sich in einer neuen Wohnung wieder neu einrichtet.“ Nicht nur Kleidung, auch profane Dinge wie Staubsauger, Kochlöffel, Klobürste und Besen - alles ein Haufen stinkender Asche. Noch heute fallen ihr Dinge ein, die sie mal besessen hat - bis zu dem Feuer.

Endlich ausführlich shoppen, könnte man denken. Alina König konnte sich an dem Neuen nicht recht erfreuen, trauerte ihren alten Sachen hinterher. Irgendwann verliert das Shoppen auch seinen Reiz, das Glücksgefühl bleibt aus. Den Staubsauger hat Alina König einfach eins zu eins ersetzt.

Bilder, Fotos und Briefe kann man aber nicht ersetzen, auch alte Schmuckstücke sind damals unwiederbringlich den Flammen zum Opfer gefallen. Manches kommt der 27-Jährigen auch nicht mehr ins Haus: „Bei uns wird keine Kerze mehr angemacht, auch ein Teelicht ist schwierig.“ Bevor sie das Haus verlässt, checke sie zehn Mal nach, ob alle Geräte auch wirklich aus sind. Dieses Verhalten lasse jedoch mit der Zeit nach. Vorwürfe macht sie niemandem: „Es tut mir leid, das so zu sagen, aber so ein Brand kann in jedem Haus zu jeder Zeit passieren.“

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Ihre Einstellung zu Besitz hat sich seit dem einschneidenden Erlebnis verändert: „Man weiß jetzt Kleinigkeiten viel mehr zu schätzen.“ Sie sei einfach dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben - seit Ende 2017 ist es sogar wieder das an der Kirchstraße. Innenputz, Fußböden und Estrich, Fenster und Installationen wurden neu gemacht, ein Abriss war nicht nötig. Nach umfassender Sanierung und Entkernung konnten die Bewohner zurück in das Brandhaus.

Geholfen haben damals nicht nur das Geld und die konkreten Ratschläge der Versicherung, sondern auch die vielen Sach- und Geldspenden der Castrop-Rauxeler. Auch damals hatte es eine Waffel-Aktion zugunsten der Brandopfer gegeben. „Wir konnten gar nicht fassen, wie viel Geld da zusammen gekommen ist“, erinnert sich König.

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Brand in Ickern

Gebrannt hat es am Samstag an der Heinestraße in Ickern. Dabei kam es auch zu einem Unfall auf der Klöcknerstraße.
15.06.2019
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Die Feuerwehr war bis in die Abendstunden vor Ort in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Gegen 17 Uhr fegten die Feuerwehrmänner die kaputten Schindeln mit einem Haken vom Dach.© Abi Schlehenkamp
Die Feuerwehr war bis in die Abendstunden vor Ort in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Eindrücke vom Brand in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Eindrücke vom Brand in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Eindrücke vom Brand in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Eindrücke vom Brand in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Eindrücke vom Brand in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Eindrücke vom Brand in Ickern.© Abi Schlehenkamp
Dieses Bild entstand von der Ruprechtstraße aus.© Stella Ranft
Bei dem Brand entstand eine starke Rauchentwicklung.© Helmut Kaczmarek
Die Rauchsäule war von weitem sichtbar.© Legrand
Auch das Technische Hilfswerk unterstützte die Feuerwehr.© Abi Schlehenkamp
Ein Feuerwehrmann erklärte Kindern seine Arbeit.© Abi Schlehenkamp
Dieses Feuerwehrfahrzeug war auf dem Weg zum Einsatzort umgekippt und musste wieder aufgerichtet werden.© Helmut Kaczmarek
Dieses Feuerwehrauto war auf dem Weg zum Brandort in Ickern umgekippt.© Helmut Kaczmarek
Im Ladenlokal der Pretty Factory, unweit des Brandhauses, wurden Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen.© Abi Schlehenkamp

Damals wussten sie gar nicht, wie sie ihren Dank ausdrücken können, es sei zu schwer gewesen zu realisieren, was passiert war. Jetzt sieht sie die Chance, indem sie den Opfern des Brandes an der Heinestraße/Ruprechtstraße hilft. Genau wie ihre Familie und ihre Nachbarn hat sie noch am Abend des Brandes ihren Kleiderschrank durchforstet. Obwohl sie damals alles verloren hatte, konnte sie jetzt schon wieder ein paar Dinge aussortieren und abgeben.

Wenige Tage nach dem Brand wurden also wieder Waffeln gebacken, am Wochenende steigt ein Musikfestival im Mythos, die Galerie Danneberg öffnet ihre Türen und das ehrenamtliche Helferteam, zu dem Alina König gehört, organisiert die Tombola für das Familienfest am 1. September in Ickern. Der Erlös geht auch hier an die betroffenen Familien.

Hierzu werden noch Tombolapreise benötigt. Wer Preise zur Verfügung stellen kann, meldet sich bei Marc Frese, Vorsitzender des Stadtteilvereins unter Tel. (0173) 5757055 oder per E-Mail an vorstand@mein-ickern.de

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