Brand in der Wohnung könnte ein Rache-Akt aus Liebe gewesen sein

mlzLandgericht Bochum

Aus einer Wohnung in Recklinghausen schlagen nachts plötzlich Flammen. Eine Rache-Aktion? Der mutmaßliche Täter kommt aus Castrop-Rauxel. Vor Gericht erzählt der eine ganz andere Geschichte.

Castrop-Rauxel

, 03.11.2020, 15:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus dem Fenster quoll dichter Rauch, dahinter schlugen die Flammen in die Höhe: Rund sechs Monate nach einem nächtlichen Wohnungsbrand in Recklinghausen wird dem mutmaßlichen Brandstifter seit Montag (2.11.) in Bochum der Prozess gemacht. Der 34-Jährige kommt aus Castrop-Rauxel. Zum Prozessauftakt sprach er von einer Art Unfall.

Es ist die Nacht auf den 6. Mai 2020, kurz vor 1 Uhr. Ein Feuer bricht in der Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses aus. Als Brandherd machen die Ermittler später das Bett im Schlafzimmer aus.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte damals eingebrochen ist und das Feuer gelegt hat. Das Motiv? Vielleicht eine Rache-Aktion. Die Wohnung gehörte nämlich seinem Nebenbuhler.

Die Nachbarn haben schon getuschelt

Der 34-Jährige ist noch immer davon überzeugt, dass ihm der Wohnungsinhaber die Freundin ausgespannt hat. „Ich weiß, dass die was miteinander hatten“, sagte er den Richtern. „Das steht in ihren WhatsApp-Nachrichten." Auch die Nachbarn hätten schon getuschelt.

An jenem Abend habe er die Sache deshalb endgültig klären wollen. „Von Mann zu Mann.“ Er sei in die Wohnung seines Bekannten, für die er einen Schlüssel besessen habe, und habe dort stundenlang gewartet.

Irgendwann habe er sich dann in dessen Bett gelegt und sei eingeschlafen – vollgedröhnt und mit einer brennenden Zigarette in der Hand. Von Brandstiftung könne also keine Rede sein.

Nach dem Brand erstmal abgehauen

„Ich habe dann plötzlich gemerkt, dass es total heiß wird“, so der Castrop-Rauxeler vor Gericht. „Da bin ich ab durchs Fenster.“ Er meint, einem Nachbarn sogar noch zugerufen haben, dass die Feuerwehr alarmiert werden müsse. Gewartet hat er allerdings nicht.

Der 34-Jährige flüchtete nach eigenen Angaben erstmal nach Hause. „Ich war total erschrocken“, sagte er den Richtern. „Deshalb bin ich abgehauen.“

Die Polizei brauchte allerdings nicht lange, um seine Spur aufzunehmen. Schon am nächsten Tag wurde der 34-Jährige festgenommen. Er ist zigfach vorbestraft.

Angriff mit Cuttermesser

Die beiden Männer kennen sich schon seit der Kindheit. Heute ist ihr Leben nach Angaben des Castrop-Rauxelers vor allem durch Alkohol- und Drogenmissbrauch bestimmt. Und das schon seit über 20 Jahren.

Dass bei dem Wohnungsbrand niemand verletzt wurde, war Glück. Die Brandmelder schlugen sofort Alarm, die Feuerwehr war schnell vor Ort.

Neben der Brandstiftung geht es im Prozess am Bochumer Landgericht auch noch um einen Angriff mit einem Cuttermeser und um Gewalt gegen Polizeibeamte und Bedrohungen. Wir berichten weiter.

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