Brandschutz: Brunnen auf dem Lambertusplatz steht weiter auf der Kippe

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Das Thema Brandschutz ist in vielen Städten seit der Flughafenkatastrophe von Düsseldorf und dem Brand von Notre Dame ein sensibler Bereich. Auch in Castrop-Rauxel, gerade in der Altstadt.

Castrop

, 06.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf dem Düsseldorfer Airport kamen 1996 bei einem Großbrand 17 Menschen ums Leben, die Bilder vom Brand des Pariser Kirchen-Wahrzeichens Notre Dame dürften vielen Menschen noch präsent sein. Darum ist heute in allen Städten die Frage des Brandschutzes und der Erreichbarkeit sensibler Gebäude ein großes Thema.

Hinzu kommt die Frage der Erreichbarkeit aller Häuser bei Rettungsdiensteinsätzen. Oft geht um wenige Minuten, die über Leben und Tod, über Großbrand oder Routineeinsatz entscheiden können. Und so wird seit Jahren in Castrop-Rauxel auch darum gerungen, wie etwa bei einem Brand der Lambertuskirche in der Altstadt der Schutz der Kirche und der umliegenden Häuser gewährleistet werden kann.

Künstler Jan Bormann wartet auf nächsten Schritt der Stadt

Dabei spielt der Brunnen auf dem Lambertusplatz eine große Rolle. Gestaltet wurde der Brunnen von Künstler Jan Bormann. Bormann fürchtet, dass sein Brunnen dem Brandschutz geopfert werden könnte. Auch wenn er findet, dass das Argument nicht zieht, wie er unserer Redaktion gegenüber schon ausführlich erläutert hat.

Zuletzt musste er gegenüber der Stadt noch einmal schriftlich Stellung zu der Situation nehmen. „Jetzt warte ich darauf, welchen Schritt die Stadt unternimmt. Zur Not, das ist klar, werde ich klagen“, sagte Bormann am Freitag (5.6.) der Redaktion.

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Das Brandschutzproblem ist bei der Stadt offensichtlich noch nicht zu Ende gedacht, steht auch nicht auf der Tagesordnung des zuständigen Betriebsausschusses im Juni.

Die Stadtverwaltung bestätigte jetzt aber auf Anfrage erneut, „dass bei einem Brand des Kirchenturmes oder des Daches der Lambertuskirche die Löscharbeiten schwierig werden.“ Aus einsatztaktischer Sicht sei hier der Einsatz der Teleskopmast-Bühne der Feuerwehr Dortmund erforderlich.

Die benötige eine Aufstellfläche von 12 mal 7 Metern. „Bei in der Regel vorherrschendem Westwind ist der Lambertusplatz / Münsterstraße als Aufstellplatz zu bevorzugen. Um mit der Teleskopmast-Bühne auf dem Lambertusplatz rangieren zu können, wäre allerdings die Demontage großer Teile des Brunnens erforderlich“, so die Stadt dazu am Donnerstag in einer Mailantwort.

Stadt: Brandschutz ist verbesserungswürdig

Nach der Landesbauordnung NRW müssten demnach für jede Nutzungseinheit zwei Rettungswege vorhanden sein, wobei der zweite Rettungsweg über Leitern der Feuerwehr sichergestellt werden könne. Insgesamt sei der Brandschutz für die Kirche und umliegende Wohnungen verbesserungswürdig. „Deshalb erarbeitet die Verwaltung auch mit allen Beteiligten ein verbessertes Konzept“, heißt es aus dem Presseamt der Stadt.

Jan Bormann und andere Kritiker in Sachen Brandschutz führen stets die Weihnachtsscheune am Lambertusplatz ins Feld, wenn es um die Idee geht, den Bormann-Brunnen für den Brandschutz zu opfern. Die Scheune werde laut Stadt „aktuell so errichtet, dass an der südlichen Seite ein fünf Meter breiter Streifen freigehalten wird, um ein Brandüberschlag auf die vorhandene Wohnbebauung zu verhindern und ein Erreichen der Bebauung mit der Drehleiter möglich ist. An der nördlichen Seite wird ebenfalls ein fünf Meter breiter Streifen zur Verhinderung eines Brandüberschlages freigehalten.“

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Für Jan Bormann sind das nach wie vor alles keine überzeugenden Argumente. „Die Weihnachtsscheune steht definitiv im Weg, wenn es etwa um einen Brand dort geht. Und auch auf dem Marktplatz wird es kritisch, wenn da etwa bei ‚Castrop kocht über‘ alles voller Zelte steht“, so der Künstler.

Aber sein Brunnen stehe im Fokus der Stadt, „obwohl bis auf den eigentlichen Brunnen alle Quader nicht im Boden verdübelt sind, sondern von einem Feuerwehrfahrzeug problemlos verschoben werden können. Aber das will bei der Stadt niemand hören“, klagt Jan Bormann.

Der Ausgang des Streits bleibt ungewiss.

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